22. März 2016

Der Fernseher als Babysitter?

Fernsehen als Babysitter - meinefamilie.at

Der Fernseher ist aus den meisten Wohnzimmern nicht mehr wegzudenken. Für gestresste Eltern bietet das Fernsehprogramm unendliche Möglichkeiten der Kinderbeschäftigung. Dabei ist allerdings besondere Vorsicht bei der Auswahl geboten.

Mama möchte duschen, das Kind darf fernsehen. Mama möchte in Ruhe mit einer Freundin telefonieren, das Kind darf fernsehen. Die Eltern wollen etwas besprechen, das Kind darf fernsehen. Immer öfter höre ich, dass das Fernsehen als Babysitter eingesetzt wird. Prinzipiell ist die Idee ja nicht schlecht. Kurzfristig. Zielgerichtet. Altersgerecht. Aber …

Der Stellenwert des Fernsehens

Bei den meisten Familien findet sich mitten im Wohnzimmer sozusagen an prominentester Stelle der Wohnung der Fernsehapparat. Verkabelt mit DVD Player und Spielestation stellt er das Zentrum des familiären Lebens dar. (Auf Handys, Tablets, Laptop und andere Medien und Mittel möchte ich hier gar nicht eingehen…) Das flimmernde Bild fasziniert Kinder von Anfang an, egal, was zu sehen ist. Wenn neben dem Abendessen die Nachrichtensendung läuft, wird automatisch der Blick dem Fernsehbildschirm zugewandt. Bewegung (das bewegte Bild) zieht nunmal den Blick auf sich.

Kinder können fernsehen

Diesen Zwischentitel borge ich mir von Jan Uwe Rogge, der vor Jahren schon ein Buch dazu geschrieben hat, das bis heute nicht an Aktualität verloren hat.

Ja, Kinder können fernsehen, WENN … Und dieses wenn sollte tatsächlich ganz groß geschrieben sein, denn es beinhaltet einiges, das man als Eltern oder Erziehungsberechtigte berücksichtigen und bedenken muss.

Kinder alleine vor den Fernsehapparat zu setzen und ansehen zu lassen, was sie wollen, ist dabei nämlich ganz sicher nicht gemeint. Eltern sollten mit den Kindern fernsehen und zwar Sendungen, die ihrem Alter entsprechen. Dabei geht es natürlich um Inhaltliches, besonders aber auch um Gestalterisches des Filmes. Kleinkinder können beispielsweise noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. So ist für sie auch das wahr, was als Zeichentrick präsentiert wird oder was die Werbung mit ihren Kurzhandlungen vermittelt. Letztere kommt übrigens ganz besonders gut bei den Kindern an, da gerade sie kurze Erzählbögen bietet, die nach Beginn und Höhepunkt auch wieder abgeschlossen werden.

Kompliziert verstrickte Handlungen, rasche Bildfolgen, raffinierte Schnitttechnik machen für uns Erwachsene einen Film interessant. Für Kinder sind sie nicht nachvollziehbar und daher auch nicht verständlich. Sie machen die Kinder unruhig und verwirren sie. Da ist von der spannungssteigernden Musik noch gar nicht die Rede.

Vorsicht ist geboten

Die Filme, die sich Kinder ansehen, sollten also auf jeden Fall für ihr Alter geeignet sein. Hierfür dient als grundsätzliche Information die Altersfreigabe (FSK). Außerdem ist es durchaus sinnvoll, eine Sendung als Elternteil selbst gesehen zu haben, bevor man das Kind davor setzt. Auf keinen Fall sollte man Kinder, während man beispielsweise duschen geht, einfach vor das Fernsehprogramm setzen, das gerade im Fernsehen läuft. Leider sind nämlich zwischen den Sendungen oft Vorschauen für Nachrichtensendungen oder Hauptabendprogramme mit nicht gerade kindgerechten Inhalten platziert und nur, weil Nachmittag ist, sind nicht alle Sendungen auch wirklich (klein-)kindgerecht.

Fernsehen wird zum besonderen Erlebnis für die Kinder, wenn Eltern mit ihnen fernsehen: Die Familienfilm-DVD wird eingelegt, die Familie sieht sich gemeinsam den Film an.

Wir haben, als unsere Kinder noch klein waren, beispielsweise an regnerischen Tagen am Vormittag Eintrittskarten und Filmplakate gezeichnet und gebastelt für den jeweiligen Film, den wir uns dann am Nachmittag alle gemeinsam angesehen haben.

Wir konnten über den Film mit den Kindern sprechen, plaudernd verarbeiten, wenn etwas Verstörendes passiert war (z.B. der Tod des Löwenvaters bei „Der König der Löwen“). Fernsehen wurde damit nicht zum Berieseln und Ruhigstellen genutzt, sondern zum Familienevent gemacht.

Außerdem sind strikte Regeln, was zum Beispiel Dauer, Art der Sendung, Häufigkeit usw. angeht, gerade beim Fernsehen äußerst wichtig. So kann es durchaus sein, dass eine DVD eingelegt wird, damit Mama in Ruhe Haare waschen gehen kann – eine DVD, die das Kind bereits mit den Eltern gesehen und die eine bestimmte Dauer hat. Ist der Film zu Ende, wird das Gerät wieder abgeschaltet.

Damit das Kind nicht zwischendurch selbst zum Gerät geht und einfach aufdreht, wann es Lust dazu hat (das haben sie rascher heraußen als uns lieb ist!), verfügen übrigens die meisten Geräte über eine Kindersicherung in Form eines Zugangscodes, der über die Fernbedienung eingegeben werden muss.

Fernsehen als Babysitter ist in Ordnung, wenn…

  • …der Film den Eltern bekannt ist und er bereits mit dem Kind gemeinsam gesehen und gegebenenfalls besprochen wurde.
  • …nicht wahllos das Fernsehprogramm eingeschaltet wird.
  • …der zeitliche Rahmen und die Häufigkeit beschränkt sind.
  • …nach dem Fernsehen wieder eine Phase der Bewegung, des freien Spiels, der Interaktion mit Eltern oder Geschwistern folgt.
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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.



2 Kommentare
  • elisabeth, 22. März 2016, 19:45 Antworten

    das müssen die erziehungsberechtigten wohl selbst entscheiden, ob "fernsehen in ordnung" für ihre kinder ist, bzw ab wann. für mich war relevant zu wissen, dass fernsehen eine art von hypnotischem zustand provoziert, in dem bilder und worte noch einmal anders aufgenommen werden. wie zudem sehr richtig bemerkt wurde: kleine kinder unterscheiden noch nicht zw. "real" und "irreal". und ein einmal gesehenes bild bleibt! wer sich mit der bedeutung der spiegelneuronen befasst, wird ebenfalls überlegen, welche erfahrungen er/sie kindern vermitteln möchte... aus alldem folgte für uns: tv gar nicht, ausgewählte videos ab 8. mit ausnahme von bullerbü, das gabs schon mit 7 ;)

  • Dragana, 23. März 2016, 15:04 Antworten

    Liebe Gabi, bin ganz zufällig auf deine Berichte hier gestoßen. So trifft man sich im Leben wieder :). Tolle Berichte Dragana

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