24. April 2018

Elektronische Medien im Kleinkindalter

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Elektronische Medien sind heute weitaus mehr als nur Unterhaltung. Fernsehen, Handy und PC nehmen einen immer größeren Stellenwert im Leben unserer Kinder ein. Sie sind Arbeits- und Lerngerät, soziales Netzwerk, Statussymbol, Spielzeug und Unterhaltung zugleich. Unsere Kinder – die „digital natives“ – kennen kein Leben ohne elektronische Medien. Doch wie sollen Eltern richtig damit umgehen?

Pädagogisch wertvolle Filme und Spiele können die Bildung unserer Kinder umfassend ergänzen und einen Höhepunkt für einen schönen Familiennachmittag bieten. Wer hat denn nicht einen Familienkultfilm oder eine Serie, über deren Verlauf oder Charaktere man sich wochenlang unterhalten kann? Wer kennt denn nicht ein spannendes PC-Spiel, bei dem Vater und Sohn gegeneinander antreten und sich messen können? Doch elektronische Medien sind heute weitaus mehr als nur Unterhaltung. Fernsehen, Handy und PC nehmen einen immer größeren Stellenwert im Leben unserer Kinder ein. Sie sind Arbeits- und Lerngerät, soziales Netzwerk, Statussymbol, Spielzeug und Unterhaltung zugleich.

Unsere Kinder sind digital natives

Die „digital natives“ kennen kein Leben ohne elektronische Medien. Für sie stellt sich die Frage, Handy ja oder nein, Computer ja oder nein, nicht mehr. Sie können den Umgang mit elektronischen Medien mit Leichtigkeit erlernen und in ihren Alltag integrieren. Die Herausforderung für sie besteht darin, elektronische Medien als wertvolle Hilfsmittel zu sehen, sie aber dennoch nicht zu einem bestimmenden Faktor ihres Lebens werden zu lassen.

Medien sollen keine Priorität haben

Ein Kind muss erst lernen, eigene Launen zugunsten wichtigerer Anforderungen zurückzustellen. Gerade das stellt im Zusammenhang mit elektronischen Medien eine besondere Herausforderung dar, da diese eine enorme Anziehungskraft besitzen. Die große Aufgabe der Eltern ist es, Kindern beizubringen, diese Geräte zu nützen, statt fremdbestimmt oder gar abhängig zu werden.

Die Attraktivität der Medien besteht neben ihrem Unterhaltungswert darin, dass man sich ihnen passiv hingeben kann. Ohne Anstrengung fesseln sie unsere ganze Aufmerksamkeit und bieten eine Welt der Bilder, die oft viel glanzvoller und spannender auf Kinder wirkt als die Realität. Wir fallen durch sie in ein „Zeitloch“, das uns aufs Erste erholsam erscheint.

Kinder können Mediennutzung nicht einschätzen

Kinder und auch Jugendliche sind noch nicht reif und stark genug, sich dieser Attraktivität im konkreten Augenblick zu entziehen. Sie können auch nicht einschätzen, was ihnen ohne Medien entgeht. Ein Kind kann nicht beurteilen, wie viel wertvoller es ist, in derselben Zeit Sport zu machen oder zu lesen. Es weiß nicht, wie viel befriedigender echte Kommunikation gegenüber der digitalen ist, wenn es vorwiegend mit letzterer aufwächst. Es weiß nicht, was es alles nicht lernt, in der Zeit, in der es fernsieht. Es kann auch nicht beurteilen, welche Inhalte wertvoll oder welche schädlich sind.

Kinder verlernen aktive Selbstbeschäftigung

Gerade im Kleinkindalter führt ein zu hoher Medienkonsum dazu, dass Kinder nicht lernen, sich selber zu beschäftigen und mit Leerzeiten umzugehen. Ein paar Jahre später wird das Lesenlernen oder andere kreative Beschäftigungen in großer Konkurrenz stehen zu den Medien, da all diese Beschäftigungen weitaus mehr Anstrengung erfordern, als sich passiv einem Film hinzugeben. Kindern, die viel fernsehen, wird schneller langweilig. Auch wenn wir gute und tiefe Beziehungen zu unseren Kindern aufbauen wollen, dürfen wir die Medien nicht zum bestimmenden Faktor unseres Familienalltages werden lassen, da sie uns die Zeit für echte Kommunikation nehmen. Kinder, die zu viel Medien konsumieren, haben oberflächlichere Beziehungen.

Es ist heute eine der wichtigsten Aufgaben von Eltern, ihre Kinder zu mündigen Konsumenten der Medien zu erziehen. Dies fängt bereits im Kleinkindalter an. Was können Eltern hierbei beachten?

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# Nicht zu früh beginnen

Babys und Kleinkinder unter zwei Jahren sollten von digitalen Medien so weit wie möglich ferngehalten werden. Zu wichtig ist diese Zeit für die Gehirnentwicklung, welche vor allem Bewegung und echte sinnliche Anregungen braucht. Die Inhalte sind für dieses Alter auch meist überfordernd und nicht langsam genug, um gut verarbeitet werden zu können.

# Schützen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes

Jedes Kind braucht genügend Zeit für Schlaf, Bewegung, Kommunikation, Leerlauf und echte Förderung. Eltern sollten dafür sorgen, dass diese Bedürfnisse an erster Stelle stehen.

# Nicht im Kinderzimmer

Digitale Medien sollten sich nicht im Kinderzimmer befinden; Eltern stellen ja dort auch nicht ihre Hausapotheke hin. Stellen Sie den Fernseher und den Computer an einen gut einsichtigen Platz, sodass Sie den Überblick über dessen Verwendung behalten.

# Die Nutzungszeiten regeln

Überlegen Sie, wie viel, was und wie oft es Ihrer Meinung gut ist, dass Ihr Kind fernsehen darf. Klar besprochene Vorgaben ersparen viele Diskussionen und Streitigkeiten. Für Kleinkinder kann es auch hilfreich sein, einen kleinen bebilderten Wochenplan zu erstellen, anhand dessen sie leicht erkennen können, wann es wieder Fernsehen gibt.

# Medienfreier Tag

Wenn Ihr Kind täglich fernsehen darf, ist es dennoch sinnvoll regelmäßig fernsehfreie Tage einzuführen, damit das Kind lernt, mit einem Tag zurechtzukommen, an dem es ohne Medien auskommen muss. Dies hilft Abhängigkeiten entgegenzuwirken.

# Kein Ruhigsteller

Vermeiden Sie es, den Fernseher als täglichen Ruhigsteller zu verwenden, da Kinder sonst nicht lernen, auf andere Weise ruhig zu werden oder sich zu beschäftigen. Gerade auch alltägliche Tätigkeiten wie sich selber anziehen oder essen, sollten ohne Fernsehbegleitung bewerkstelligt werden. Beschränken Sie die „Fernseheinsätze“ als Babysitter auf Notfälle, wenn Sie zB krank sind, ein wichtiger Besuch zu „bewältigen“ ist oder sie im Badezimmer gerade einen Rohrbruch entdeckt haben.

# Programmpunkt statt Lückenfüller

Gestalten Sie den Umgang mit den Medien proaktiv. Überlegen Sie sich, welche Sendungen und Spiele Ihnen wertvoll erscheinen und planen Sie diese als Programmpunkte gezielt ein. Fernsehen soll nicht etwas sein, das wir laufend dann einsetzen, wenn uns nichts mehr Besseres einfällt oder wir zu nichts anderem Lust haben, sondern das wir bewusst konsumieren.

# Alternative Beschäftigungen

Eltern können sich viele unangenehme Diskussionen ersparen, wenn sie den Tag ein wenig vorausplanen und die Zeitfenster für Medien zugunsten von sinnvollen Beschäftigungen klein bleiben.

# Kein Förderstress

Viele Eltern haben die Sorge, dass ihre Kinder nicht rechtzeitig lernen, mit den digitalen Medien umzugehen. Diese Sorgen haben nur jene, die der Generation der „digital natives“ nicht angehören, da sie selber vielleicht noch Schwierigkeiten hatten, als Erwachsene in diese Entwicklung einzusteigen. Die heranwachsende Generation kennt diese Sorge nicht und wird mit digitalen Medien sogar noch kompetenter umgehen können, wenn sie im Kleinkindalter vor allem gelernt hat zu spielen.

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