6. Februar 2018

Digitaler Familienalltag im Volksschulalter

medienkompetenz - meinefamilie.at

Bereits Kinder im Volksschulalter nutzen das Internet immer intensiver. Medienerziehung ist definitiv anspruchsvoller geworden. Anlässlich des heutigen 15. internationalen Safer Internet Day wird bewusst, Regeln und Grenzen sind unerlässlich.

Bereits Kinder im Volksschulalter nutzen das Internet immer intensiver. Dafür werden nicht nur Computer oder Smartphone der Eltern verwendet. Am Ende der Volksschule besitzt weit mehr als die Hälfte der Kinder eigene Geräte. Dieser frühe Medienkonsum wirft viele Fragen auf: Was machen Kinder im Internet? Welche Herausforderungen gibt es im digitalen Familienalltag? Wie kann Medienerziehung gelingen?

Eltern verunsichert, besorgt und oft überfordert

Medienerziehung ist in der digitalen Welt anspruchsvoller geworden. Dass Mütter und Väter im Zeitalter mobiler Geräte nicht mehr auf die Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit mit Fernsehen oder dem gemeinsamen Familiencomputer zurückgreifen können, löst Unsicherheit aus. Sie suchen Orientierung und Antworten auf Fragen wie: Was ist ein angemessenes Medienverhalten? Ab wann ist für mein Kind ein eigenes Handy angebracht? Wie viel Zeit darf es mit dem Internet verbringen? Wie kann ich die Internetnutzung altersgerecht einschränken? Wie kann ich die eigenen Geräte kurzfristig sicher machen, wenn meine Kinder sie mitbenutzen?

Regeln und Grenzen – Patentrezepte gibt es keine

Die Bandbreite, wie Eltern versuchen, die Herausforderung der Medienerziehung zu meistern, reicht von „Kopf in den Sand stecken“ über wenig Kontrolle bis hin zu Internetverbot. Die gute Nachricht ist: Wer in punkto Medienerziehung unsicher ist, steht keineswegs allein da. Denn sie ist zeitintensiv und mühsam. Und Patentrezept gibt es keines. „Alle schwimmen“, ist eine der befragten Mütter überzeugt. „Jeder versucht, die Grenzen irgendwie so zu finden, dass man das Gefühl hat, man tut den Kindern was Gutes.“ Immerhin: Wer schwimmt, geht nicht unter.

Klar ist: Regeln und Grenzen zu setzen, ist unerlässlich.

Die befragten Eltern nutzen dabei ein breites Spektrum an Möglichkeiten: Von zeitlichen Limits über inhaltliche Auflagen (z. B. keine Fotos ohne Zustimmung zu veröffentlichen) und technische Beschränkungen (z. B. Ausschalten des WLAN-Routers) bis hin zu Regeln im Familienalltag (z. B. keine Medien während der Mahlzeiten).

Es gilt, das richtige Maß zwischen Kontrolle – manche Erziehungsberechtigte überprüfen etwa heimlich die Handys ihrer Kinder oder nutzen Tracking-Tools – und dem Vertrauen in die eigenen Kinder bzw. dem Respekt vor deren Privatsphäre zu finden. Entscheidend ist in jedem Fall, dass Eltern auch selbst die vereinbarten Regeln einhalten. „Die Vorbildwirkung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betont Bernhard Jungwirth, Saferinternet.at-Koordinator.

Internet im Volksschulalter: Fotos, YouTube, Spiele

Wofür nutzen Kinder Smartphone oder Tablet am liebsten? Sie spielen verschiedenste Computerspiele (z. B. Minecraft, Clash Royal oder slither.io), machen Fotos und teilen diese mit Freunden (z. B. in WhatsApp), sie kommunizieren mit Freunden (ebenfalls WhatsApp), suchen mit Google nach interessanten Inhalten wie z. B. Bildern, und schauen Videos auf YouTube an. So kommt es auch, dass YouTube-Stars im Leben der Kinder einen hohen Stellenwert haben. Beispiele für diese „Influencer“ sind Chaosflo44, BibisBeautyPalace, Julien Bam und ViktoriaSarina.

Eigenverantwortung lernen im Kindesalter

Für Erstaunen und Besorgnis vieler Eltern sorgt die punktuell hohe Medienkompetenz der 6- bis 9-Jährigen. Kinder erweisen sich häufig als sehr geschickt bei der Bedienung der Geräte und Apps. Ein typisches Beispiel dafür ist das Suchen und Bearbeiten von Fotos. Darüber hinaus können sie gut einschätzen, welche Bilder sie veröffentlichen dürfen. Großen Lernbedarf gibt es aber beispielsweise, wenn es darum geht, Inhalte zu bewerten und raffinierte Werbeformen zu erkennen. Außerdem brauchen Kinder Unterstützung dabei, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und sinnvoll darauf zu reagieren.

medienerziehung - meinefamilie.at

Bei angstmachenden Inhalten reagieren die Kleinen meist mit Wegklicken, Umdrehen oder Ablenkung, großteils also mit Verdrängung. „Da Kinder selten über ,gruselige’ Erfahrungen in der digitalen Welt sprechen, ist es besonders wichtig, dass Bezugspersonen auf sie zugehen und dieses Thema von selbst ansprechen. Auch technische Sperren oder Programme können diese Gespräche keinesfalls ersetzen, sondern bergen seitens der Eltern vielmehr die Gefahr einer trügerischen Sicherheit“, so Maximilian Schubert, Generalsekretär des Saferinternet.at-Partners ISPA.

Was Kinder am meisten stört

Eltern, die sich nicht an vereinbarte Regeln halten, zählen zu den größten Ärgernissen der befragten Volksschülerinnen und Volksschüler. Etwa, wenn die Erwachsenen selbst zu häufig vom Smartphone abgelenkt sind und die Kinder mit dem Handy um Aufmerksamkeit konkurrieren müssen. Oder wenn Eltern ungefragt Kinderfotos weiterschicken.

Ein weiterer wesentlicher Störfaktor für die 6- bis 9-Jährigen: Nervige Werbung, die sie nicht wegklicken können. Last but not least unter den Ärgernissen der Kinder ist die Ausgrenzung, wenn sie mangels eines eigenen Smartphones im Freundeskreis nicht mitreden bzw. mitmachen können.

Bei der Diskussion um das erste Handy laufen manche Eltern Gefahr, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Auch ohne eigenes Gerät können Kinder mit verängstigenden Inhalten im Freundeskreis, in der Schule oder im Familienumfeld konfrontiert sein.

Medienerziehung ist somit auch dann notwendig, wenn Kinder über kein eigenes Smartphone oder Tablet verfügen.

„Finger-Weh“: Die eigenen Grenzen erkennen

Im Gegensatz zu später ist im Volksschulalter noch häufig zu beobachten, dass Kinder an sich selbst körperliche Symptome bewusst erkennen können und spüren, wann sie zu lange mit Smartphone & Co spielen. Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at: „Von klein auf liegt es an den Eltern, Kinder dabei zu unterstützen, diese Grenzen wahrzunehmen und Handlungsalternativen anzubieten und einzuüben. Diese können sein: sich bewegen, ins Freie gehen, analoge Spiele spielen, Essen, Trinken, mit den Kindern gemeinsam etwas unternehmen. Gerade im Volksschulalter kann hier ein wichtiger Grundstein gelegt werden, um auch späterer exzessiver Nutzung vorzubeugen.“

Eltern gefordert, Schule wichtige Unterstützung

Eltern sind gefordert, sich aktiv um die Medienerziehung zu kümmern. Dazu gehören eine Portion Basiswissen über digitale Medien, das Auswählen von altersgerechten Inhalten sowie das Vereinbaren und Einhalten von Regeln.

Mütter und Väter sollten Kinder ebenso dazu anleiten, sich von digitalen Medien nicht nur „berieseln“ zu lassen, sondern diese produktiv und kreativ zu nutzen – von der online gestalteten Einladung zu einem Fest bis zum selbst gedrehten Geburtstagsvideo für die Oma.

Volksschulen sind aufgerufen, begonnene Initiativen auszuweiten und die kompetente und kritische Nutzung von digitalen Medien zum Inhalt des Unterrichts zu machen.

Zahlreiche Angebote für Eltern und Kind

Das Portal Saferinternet.at unterstützt mit zahlreichen „häufig gestellten Fragen und Antworten“, dem Eltern-Videoratgeber „Frag Barbara!“, der im Auftrag des Bundeskanzleramts erstellten Broschüre „Medien in der Familie“, den Schritt-für-Schritt-Anleitungen der ISPA „Sicherheitseinstellungen für mobile Endgeräte“, einem österreichweiten Workshop-Angebot und vielem mehr. Für konkrete Fragen bietet Saferinternet.at-Partner 147 Rat auf Draht kostenlose Telefonberatung für Eltern und Bezugspersonen rund um Fragen zur Medienerziehung.

 

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at