4. Februar 2016

Altersbeschränkungen von Filmen

Altersbeschränkungen von Filmen - meinefamilie.at

Wenn der 6-Jährige den ab 12 Jahren freigegebenen “Star Wars”-Film sehen will, stehen Eltern vor der Frage: Sind Altersbeschränkungen von Filmen sinnvoll? Ein Plädoyer für die bewusste Filmauswahl durch die Eltern.

„Mama, ich will Star Wars sehen!“, quält mich der 6-Jährige schon seit einer Weile. Kein Wunder, das Merchandising funktioniert hervorragend – von Stickern, Heften, Postern mal ganz abgesehen, sammeln auch all seine Klassenkollegen brav die Stempelfiguren einer Lebensmittelkette. Mein Sohn will da in nichts nachstehen. Aber: Der Film ist erst ab 12 Jahren frei gegeben. Was also tun und warum?

Erklärungsversuche, wie Medien wirken

Das „Warum“ kann ich einem Erwachsenen besser erklären als einem Kind: Die Medienwirkungsforschung versucht zu erklären, wie Menschen auf Medieninhalte reagieren. Die Theorien dürfen nicht als für jeden gültig gesehen werden, sie sind jedoch Anhaltspunkte, wie zum Beispiel Fernsehkonsum auf jemanden wirken kann.

  • „Rechtfertigungsthese“: Diese These bezieht sich vor allem auf Inhalte mit hohem Gewaltpotenzial und meint, dass besonders Menschen, die in ihrem realen Leben aggressiv sind, solche Inhalte konsumieren, damit sie ihr Verhalten als „normal“ erklären können: „Das ist eben normal, dass man hinhaut, wenn einem die Meinung des anderen nicht passt, siehst du?“
  • „Katharsistheorie“ (Katharsis = griechisch „Reinigung“): Demnach kann nach dem Konsum eines Filmes die eigene Psyche als „gereinigt“ hervorgehen, beispielsweise, wenn ein Film so traurig war, dass man sich nach einer „Heulorgie“ nachher umso besser fühlt, denn „zum Glück geht es uns ja viel besser“. In Bezug auf gesehene Gewalt kann es sogar bedeuten, dass die eigene Aggressionsbereitschaft durch beobachtete Gewalt bereits reduziert wird.
  • „Belohnungsansatz“: Demnach wird ein Film mit einem bestimmten Bedürfnis angesehen, das durch den Film tatsächlich befriedigt wird. Diese Möglichkeit klingt zwar gut, wenn man aber bedenkt, dass damit auch gemeint sein kann, dass durch das Sehen des Films das Bedürfnis nach einer guten Mutter-/Vater-Kind-Beziehung befriedigt wurde, sieht dies schon etwas anders aus, oder?
  • „Inhibitionstheorie“: Vor allem in Bezug auf Gewalt in Filmen, meint diese Theorie, dass durch das Betrachten gewalttätiger Inhalte Angst ausgelöst wird, die aber oft im Realen gar nicht begründet ist.
  • „Habitualisierungstheorie“: Habitualisierung im Sinne einer Gewohnheitsbildung meint, dass durch das häufige Betrachten von Gewalt in Film oder Fernsehen, der Betrachter so daran gewöhnt ist dergleichen zu sehen, dass nach einiger Zeit gewalttätiges oder aggressives Verhalten auch im realen Leben als völlig normal betrachtet wird. Man ist eben „daran gewöhnt“.

FSK – Freiwillige Selbstkontrolle

Viele Faktoren spielen eine Rolle dabei, wie Menschen auf einen Film reagieren: Entscheidend sind das soziale Umfeld als auch das Alter, die psychische Reife und Entwicklung. Als Richtlinie, welche Filme für welches Alter geeignet sind, gibt es die so genannte „Freiwillige Selbstkontrolle“ der Filmwirtschaft.

Diese orientiert sich an geltenden Jugendschutzgesetzen, um „die Entwicklung von Kindern“ durch den Film „nicht zu beeinträchtigen“. Ob ein Film also ab 0, 6, 12, 16 oder ab 18 Jahren frei gegeben wird, wird anhand unterschiedlichster Kriterien entschieden. Dies sind beispielsweise Thema, Erzählstruktur, Spannungserzeugung, Musik, Schnitt (auch das Verhältnis zwischen spannungsreichen und entlastenden Szenen) sowie Gesamtwirkung des Films und die Bedeutung einzelner Szenen in Relation zum ganzen Film. Außerdem werden Gewalt, Drogen, Sexualität, Rollenbilder, Helden und auch die Aussage des Films insgesamt ins Visier genommen. Wirkungsrisiken wie Ängstigung, Übererregung oder negative Vorbildverhalten spielen dabei eine große Rolle.

Nun kann es nach diesen Kriterien durchaus sein, dass im Rahmen eines Filmes, der ab 0 Jahre frei gegeben ist, zum Beispiel eine einzige Szene vorkommt, die für ein Kind verstörend ist (gewalttätig, sexuell, rasant, laut, spannend…). Da sie aber für die Komission als für die Gesamtwirkung wichtig und in Relation zum ganzen Film vergleichsweise kurz betrachtet wird, ist der Film für alle Kinder ab 0 Jahre zugänglich.

Nun kann es nur an den Eltern liegen, diese Entscheidung zu treffen. Am besten also, man sieht Filme vorher an und entscheidet erst dann!

Es liegt im Ermessen der Eltern

Noch einmal zum oben erwähnten „Star Wars“-Film, den mein Kleiner unbedingt sehen möchte (wobei ich dazu sagen muss, dass er all die anderen, die es ja bereits gibt, auch nicht gesehen hat …). Dieser neue Film ist ab 12 Jahren frei gegeben.

Leider gibt es aber die so genannte „Parentel Guidance“-Regelung, wonach Eltern mit Kindern ab 6 Jahren zu einem Film im Kino zugelassen werden dürfen, der erst ab 12 Jahren frei gegeben ist, und daher haben einige Freunde meines Sohnes den Film bereits gesehen. Wir haben es nun so gemacht: Mein Mann hat sich mit dem Großen (14 Jahre) den Film angesehen und berichtet. Da haben wir entschieden: „Nein, der Film ist tatsächlich erst ab 12 Jahre geeignet.“ Und der Kleine muss eben noch warten.

Denn eines muss uns als Eltern klar sein und das können wir auch den Kindern erklären: Die Kennzeichnung, dass ein Film erst ab einem bestimmten Alter geeigent ist, dient ja dem Schutz unserer (kleineren) Kinder. Niemand will die Kinder ärgern – man möchte sie schützen!

Und daran sollten wir denken, bevor wir den 5-Jährigen in „Star Wars“ mitnehmen oder „Harry Potter“ in den DVD-Player schieben oder oder oder.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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