21. April 2017

Lernen mit Oma und Opa

Lernen mit Oma und Opa - meinefamilie.at

Während unsere Enkelkinder heranwachsen, machen sie gewaltige Entwicklungen durch. Wird es uns Großeltern gelingen, den vertrauten Umgang zu wahren, wenn sich das Kleinkind zum Schulkind mausert?

Als Schulkinder begegnen unsere Enkel einer neuen Welt. Es wird vor Anforderungen gestellt. Unternehmungen mit den Freunden werden ihm wichtig. Das Enkelkind beginnt über Dinge zu sprechen, die uns als Großeltern vielleicht fremd sind. Das muss aber nicht zwangsläufig den Verlust von Vertrautheit bewirken. Wir machen immer wieder die Erfahrung, wie sehr es ihnen gut tut, Großeltern zu haben, die sie bedingungslos akzeptieren und immer das Positive in ihnen sehen. Weil wir sie einfach gern haben. Wir versuchen, ihnen geduldig zuzuhören und ihnen nicht bei ihren Erklärungen und Behauptungen gleich ins Wort zu fallen. Durch unsere vorbehaltlose Haltung können wir ihnen helfen, ihre Gedanken auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Vielleicht entdecken sie dabei, dass ihr Standpunkt nicht immer absolut richtig ist.

Als Oma und Opa stehen für uns die Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt. Das gilt besonders  für die Hilfe bei den Hausaufgaben.

Da wir schon eine Generation weiter sind, wissen wir, dass mal bei einer Fünf in einem Fach die Welt nicht gleich untergeht.

Das macht es uns auch leichter, gelassen und geduldig zu bleiben. Gibt es doch hier das Sprichwort „Gott ist mit den Geduldigen.“ Diese Geduld kann ich bei unserem dreijährigen Enkel Elias lernen. Sein Lieblingsbuch erzählt die Geschichte einer sehr gefräßigen Raupe, die sich allmählich zu einem wunderschönen, bunten Schmetterling entwickelt. Jedes Mal hört Elias mit größter Aufmerksamkeit zu, wenn ich ihm hintereinander die Geschichte zum 10. Mal vorlese oder zusammen mit ihm seine Zusammen-Steck-Eisenbahn auseinandernehme und wieder zusammenbastle.

Ein Nachmittag mit Oma und Opa

Michael, unser 8-jähriger Enkel ist in der zweiten Klasse. Es bedeutet für ihn  immer ein besonderes Ereignis, wenn Mama gerade nicht frei ist, ihren Sohn von der Schule abzuholen und ich als Opa einspringen darf. Manchmal bin ich etwas zu früh dran. Dann kann Michael mit Erlaubnis der Lehrerin schon ein paar Minuten früher mit Blick auf  seinem Opa ganz stolz sein   Klassenzimmer verlassen. Im Auto erzählt er mir  von seinem Schulalltag. Als Mittelstürmer in seiner Fußballmannschaft hat er heute zwei Tore geschossen und so seinem Team zum Sieg verholfen. Dafür gibt es ein spezielles Lob von meiner Seite.

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Wenn Oma Louisa ihre Enkelin Mirell von der Schule abholt, springt sie ihr jedes Mal freudig entgegen. © Louisa Fleckenstein

Inzwischen hat Oma Louisa unsere 6-jährige Enkelin Mirell von der Schule abgeholt. Zum Mittagessen hat sie die orientalische Leibspeise unserer Enkelkinder vorbereitet: Mahshi, leckere Zucchini gefüllt mit Reis und Hackfleisch. Da an solchen Tagen die beiden den ganzen Tag bei uns bleiben dürfen, wird am Nachmittag mit Opa gebastelt: mal ein Dinosaurier für Michael, mal eine Sonnenblume für Mirell. Zwischendurch sind die Hausaufgaben dran. Dabei soll es auch spielerisch zugehen. Schon bei den alten Römern gab es das geflügelte Wort „homo ludens“, der spielende Mensch. Moderne Spielwissenschaftler wie Siegbert A. Warwitz und Anita Rudolf charakterisieren den „homo ludens“ als einen Typus, der im zweckfreien Spiel Sinnfindung erlebt. Der Mensch entdeckt im Spiel seine individuellen Eigenschaften und entwickelt sich zu der in ihm angelegten Persönlichkeit.

Ein gemeinsames Bibelquiz

Für ihre nächste Religionsstunde zum Thema Neues Testament haben wir für unsere Enkel eine Bibelquiz mit Fragen wie diesen vorbereitet:

  • Wo ist Jesus geboren? Nazareth, Bethlehem, Jerusalem, Kafarnaum. Antwort: Bethlehem
  • Wie viele Jünger hat Jesus? 7, 10, 12, 20. Antwort: 12.
  • Wie heißt der Jünger, der Jesus verraten hat?  Petrus,  Andreas, Bartholomäus Judas Iskariot. Antwort: Judas Iscariot.
  • Wie ist Jesus gestorben? Er wurde zu Tode gepeitscht, er wurde gekreuzigt, er wurde gesteinigt. Antwort: Er wurde gekreuzigt.
  • Womit hat Jesus 5000 Menschen gespeist? Brote und Fische, Mais und Lammbraten, Mandeln und Feigen, Kräuter und Feldfrüchte. Antwort: Brote und Fische.

Bei diesem Quiz mit 20 Fragen gibt es keine Verlierer, sondern nur Gewinner. Mit einem ersten und zweiten Preis. Diese Preise materialisieren sich als klingende Münze in die Spardose von Mirell und Michael.

Sprechen, lesen, essen und experimentieren

Da unsere Enkel in Jerusalem nicht nur multikulturell, sondern auch multilingual aufwachsen, haben sie sowohl eine Muttersprache in Deutsch durch unsere Tochter Mirjam und eine Vatersprache auf Arabisch durch unseren Schwiegersohn Hanna. Das gleiche gilt auch im Umgang mit uns. Mit Oma wird Arabisch gesprochen und bei Opa schalten die Enkel automatisch auf Deutsch um. Natürlich ist Mirell in der Schmidtschule mit der arabischen Unterrichtsprache im Deutschunterricht die beste Schülerin. Bei Michael ist in der American School die Unterrichtsprache Englisch. Wir suchen aus seinem Englisch-Lesebuch eine spannende Geschichte, die er mir vorliest. Anschließend erzählt er sie Oma ganz frei aus dem Gedächtnis. Die Belohnung für dieses Gedanken-Akrobatenstück ist eine orientalische Pizza mit Thymian und Käse.

Michael träumt davon, einmal ein großer Zauberkünstler zu werden. Naturkunde ist eines seiner Lieblingsfächer. So machen wir zusammen mit Gegenständen aus dem Haushalt kleine Experimente, um den Geheimnissen der Natur auf die Spur zu kommen. Wir stellen auf eine helle Unterlage ein leeres Marmeladeglas. Darin sieht man eine Münze liegen. Nun füllen wir Wasser in das Glas und schrauben den Deckel drauf. Plötzlich ist die Münze weg, als hätte sie sich aufgelöst.

Der Trick ist ganz einfach: Die Münze hatten wir vorher nicht in das Glas, sondern unter seine gewölbten Boden gelegt. Es sieht aber so aus als wäre sie im Glas. Die von oben durch den Glasboden kommenden Lichtstrahlen gelangen in unser Auge, sodass jeder meint,  die Münze liege im Glas. Durch das eingefüllte Wasser kommen die Strahlen nicht mehr durch. Natürlich könnte man die Münze von oben noch sehen. Aber auf der Öffnung ist ja der Deckel.

Michael freit sich schon riesig darauf, bei der nächste Naturkundestunde seiner Lehrerin und seinen Freunden diesen Zaubertrick vorführen zu können.

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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