14. Oktober 2016

Lernen in der Natur – man lernt nie aus

Lernen in der Natur - meinefamilie.at

Ein Ausflug mit einem Förstmeister, um das Röhren der Hirsche zu hören – das ist eine tolle Erfahrung und lebenslanges Lernen, eben Lernen in der Natur.

Manche Menschen sind wie wandelnde Lexika. Es ist unglaublich, wie viel Wissen und Erfahrung sie mit sich herumtragen. Ich verbringe gern Zeit mit solchen Menschen, denn ich weiß, dass ich garantiert eine Menge dazulernen werde und es sicher nicht langweilig wird. Natürlich hätte ich als Homeschooling-Mutter auch gern, dass unsere Kinder das tun, doch sie sind nicht immer gleich begeistert über mögliche Lernsituationen. Manchmal fahren sie gerne mit, manchmal aber auch nicht. Also mache ich es dann manchmal allein, um sie „second hand“ davon profitieren zu lassen.

Vor kurzem hat mich mein Schwiegervater angerufen, ob jemand ihn begleiten möchte in die Langau, wo er hofft, zur Brunftzeit das Röhren der Hirsche zu hören. Hans-Peter war früher Forstmeister und ist einer dieser Menschen, die über einen ungeheuren Wissensschatz verfügen.

Also wollte ich unsere Jungs dazu motivieren, mitzufahren. Wie wertvoll wäre das für den Biologie-Unterricht! Doch die hatten keine Lust.

Unglaublich, dachte ich, unglaublich, auf ein solches Abenteuer keine Lust zu haben! Ich beschloss, allein mitzufahren. Die ganze ca. einstündige Fahrt plauderten wir über dies und das. Ich fragte eine Menge und mein Schwiegervater gab mir eine Menge Antworten.

Lernen in der Natur – begeisternd und faszinierend

An zwei Stellen versuchten wir, den Ruf der Hirsche zu hören, doch wir vernahmen nur das Geräusch von Motorsägen. Also versuchten wir es an einem noch weiter entfernten Ort. Nach einem Aufstieg von etwa einer halben Stunde setzten wir uns ganz still in einen Unterstand, der sonst von Jägern verwendet wird. Nichts war zu hören außer dem Schrei der Spechte und ab und zu einem Flugzeug. Die Sonne ging langsam unter, es war die ideale Zeit, um Wild aufzuspüren. Da entdeckte ich einen braunen Fleck unter einem Baum. Das Fernglas zeigte ein weibliches Reh. Wenig später noch eines. Und noch eines. Drei Rehe ästen friedlich am Waldrand, weit genug entfernt, um uns zu bemerken. Ich war begeistert. Zwar hatte ich schon öfters Rehe gesehen, doch hier war es irgendwie besonders.

Hirsche, lernen in der Natur - meinefamilie.atEs wurde langsam kühl und ich zog meine Jacke an. Dann saßen wir wieder ganz ruhig und lauschten. Da ertönte ein eigenartiger Ruf, ähnlich wie der eines Stieres. Wenig später noch einer, aus einer anderen Richtung. „Das sind sie!“, flüsterte Hans-Peter. „Das sind Hirsche.“ Wir lauschten. Mit einem speziellen Rohr ahmte mein Schwiegervater den Ruf der Hirsche nach. Wieder hörten wir das Röhren.

Plötzlich meinte er: „Schau nach links und beweg dich nicht. Vorsichtig drehte ich meinen Kopf und sah über der Hügelkuppe ein sehr großes Tier, das wie ein Reh aussah. Dahinter drei weitere und eines davon mit Geweih. Hirsche! Wow! Leider müssen sie uns irgendwie bemerkt haben, denn wie auf Kommando machten sie kehrt und waren verschwunden. Ich war begeistert. Klar hätte ich sie gern fotografiert, doch allein die Tatsache, vier Stück Rotwild in freier Wildbahn erblickt zu haben, erfüllte mich schon mit Freude.

Staunen über die Natur

Durch das lange Sitzen war uns etwas kalt geworden. Schnell machten wir uns an den Abstieg. Dabei wollte ich noch einiges wissen. „Wenn die Hirsche jetzt Brunftzeit haben, dann müssen ja die Kälber mitten im Winter geboren werden, oder?“ Hans-Peter erklärte mir ein sehr interessantes Phänomen, das bei verschiedenen Wildarten auftritt. Der Embryo, so erklärte er mir, bilde sich nur bis zu einem bestimmten Stadium aus und begebe sich dann in eine Ruhephase, um erst im Frühjahr weiterzuwachsen. Das Futter im Winter würde sonst nicht reichen, um ein trächtiges Weibchen ausreichend zu ernähren… Die Tragzeit bei Rehen sei dadurch z.B. ähnlich lang wie beim Menschen.

„Genial!“, denke ich, „was da dem lieben Gott wieder eingefallen ist! Ein Wachstumsstopp. Diese Tiere sind ja sehr lange schwanger! Das muss ich den Kindern erzählen!“

So kam erst recht wieder die gesamte Familie in den Genuss dieser Erfahrung, die auch aus zweiter Hand sehr wertvoll ist! Und, wer weiß, vielleicht war es ja für den einen oder anderen ein Anreiz, nächstes Mal doch selbst mitzukommen…?

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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