19. März 2017

Lassen wir den Kindern ihre Langeweile

Lassen wir den Kindern ihre Langeweile - meinefamilie.at

Kinder werden am besten gefördert, wenn sie ständig Programm haben? Im Gegenteil, Langeweile ist wichtig für die Entwicklung.

„Mama, mir ist fad, kann ich fernsehen?“ Wem ist diese Frage nicht vertraut? „Mama, spiel mit mir, mir ist so langweilig.“ Ohne Zögern kommen viele Eltern dieser Aufforderung unverzüglich nach, setzen sich zu ihren Kleinen und spielen mit ihnen ein paar Runden. Ist das nicht möglich, weil ein Baby gestillt werden muss oder andere dringende Arbeiten warten, greift man aus schlechtem Gewissen dann doch zum Babysitter Nummer eins, dem Fernseher. Denn Langeweile, das geht wohl gar nicht.

In unserer stressgeplagten Zeit, in der ein Terminkalender, der etwas auf sich hält, einfach gefüllt zu sein hat, in der jedes Kindergartenkind so viel Termine hat wie ein Erwachsener, scheint Langeweile nahezu ein Zeichen für elterliches Versagen zu sein.

Es wird heute als eine der wichtigsten Aufgaben moderner Eltern angesehen, dafür zu sorgen, dass unsere Kinder allzeit beschäftigt sind. Denn Beschäftigung ist Förderung, Förderung des Intellekts, der Motorik, des sozialen Verhaltens, irgendetwas wird wohl immer gefördert, wenn Kinder zu tun haben. Und niemand will sich den Vorwurf gefallen lassen, er würde sein Kind nicht fördern.

Sehr entlastend für alle Eltern kann da die Erkenntnis sein, dass auch Langeweile durchaus positive Wirkungen hat:

Langeweile fördert Unabhängigkeit

Kinder, die von ihren Eltern pausenlos „bespielt“ werden, sind immer abhängig von äußeren Anreizen und Unterhaltern. Sie lernen nicht, sich selbst zu beschäftigen.

Langeweile macht erfinderisch

Kein Kind gibt sich über längere Zeit mit Langeweile ab. Ein Kind, das nicht weiß, was es machen soll, beginnt früher oder später darüber nachzudenken, was es als nächstes tun könnte. Es beginnt, sich neuen Dingen zuzuwenden. Kreativität und Neugierde werden geweckt.

Langeweile stärkt das Verantwortungsbewusstsein

Lassen wir den Kindern ihre Langeweile - meinefamilie.atEs liegt durchaus in der Verantwortung eines jeden Kindes, sich selbst zu beschäftigen, selbstverständlich dem Alter angepasst. Je jünger das Kind, desto kürzer werden die Zeitabschnitte sein, während derer es sich alleine beschäftigen kann. Es ist aber keineswegs Pflicht der Eltern, ihr Kind fortwährend zu unterhalten.

Nichtstun ist nicht gleich Langeweile

„Wohin gehen wir morgen?“ ist eine Standardfrage vieler Kinder heutzutage.

Unseren programmüberladenen und mediengesättigten Kindern fehlt oft gänzlich die Erfahrung, dass „nichts vorhaben“ nicht gleich Langeweile bedeuten muss.

„Muße“ – um ein altes Wort zu verwenden – ist ein wichtiges Element menschlichen Wachstums.

Muße schafft die Möglichkeit, sich selber zu finden

Muße ist eine eigene innere Dimension des Erlebens. Sie ist die Zeit, in der wir mit uns alleine sind, die Seele baumeln lassen, reflektieren können.  Alles, was unsere Kinder lernen und in sich aufnehmen, braucht Leerzeiten, in denen sie ihre Erfahrungen verarbeiten und speichern können. Nur dann profitieren sie von ihnen. Werden diese sofort vom nächsten Spiel auf dem iPad oder vorbeischwirrenden Fotos überlagert und verdrängt, bleiben diese an der Oberfläche und erzeugen keine Lerneffekte. Muße ermöglicht nachhaltiges Lernen.

Was können Eltern tun?

# Den Tag nicht mit Programm überfrachten oder auch ganz programmfreie Tage zulassen. Ein Kind braucht immer wieder „Zeit zuhause“ um die Fähigkeit zu entwickeln, sich selbst zu beschäftigen. Klar, je kleiner das Kind, desto mehr Unterstützung vonseiten der Eltern wird hier noch notwendig sein.

# Medien gezielt einsetzen und nicht als Lückenfüller und als reine Berieselung zulassen.

# Nicht auf jedes Jammern sofort reagieren und alles stehenlassen, was man gerade tut; Durchhänger zulassen.

# Manchmal braucht es nur kleine Anregungen, Ideen, die ein Kind auf neue Gedanken bringen. „Fernsehen gibt es jetzt keines. Aber warum baust du nicht wieder einmal einen Legoturm? Oder möchtest du das Playdooh herausholen? Außerdem kommt Felix später auf Besuch. Für ihn könntest du eine Höhle mit Kissen und Decken bauen.“ Oft ist es nur der Wechsel von einem Spiel zum Nächsten, der Kindern schwerfällt.

# Vielleicht ist es nur ein wenig Ansprache und Zuwendung, was das Kind gerade braucht, das Gefühl, dass Mami in der Nähe ist. Zehn Minuten Aufmerksamkeit, die wir dem Kind widmen und nach denen es wieder zufrieden zur nächsten Tätigkeit zieht. „Mami muss jetzt kochen, ich kann nicht mit dir spielen. Erzähl mir doch, was du gerade gemacht hast. Außerdem kannst du mir gerne helfen oder hier neben mir spielen, dann hör ich, was du Lustiges machst.“

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EIN ARTIKEL VON

1 Kommentare
  • Niki S, 20. März 2017, 15:48 Antworten

    Super, die praktischen Ratschläge sind hilfreich...

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