21. Juli 2015

Die Kunst der guten Entscheidung


Gänseblümchen-Orakel oder: Die Kunst der guten Entscheidung. Wie kann ich für mich selbst eine gute Entscheidung treffen, welche Hilfestellungen gibt es?

Täglich treffen wir Entscheidung, manche fast automatisch, manche nach einem kurzen Innehalten und für einige besonders wichtige Weichenstellungen brauchen wir mitunter Wochen oder Monate.

Was steht hinter einer Entscheidung?

Je weitreichender die Folgen unseres Ja’s sind, desto größer ist die Verunsicherung. Dahinter steht möglicher Weise auch die Angst, den falschen Weg einzuschlagen. Also sehnen wir uns nach einer ganz großen Sicherheit, nach Eindeutigkeit. Aber dies kann es in solchen Situationen nicht geben. Entscheidung bedeutet, dass es zumindest zwei Alternativen gibt, die beide bestimmte Vorteile, bestimmte Werte zur Folge haben. Also bedeutet das Ja zu einer Variante ein Nein zu den positiven Aspekten der anderen Möglichkeit. Mit dem Ja ist also auch immer Trauer um andere Sinn-Möglichkeiten, die damit nicht gelebt werden können, verbunden.

Entscheidungsschwächen

Immer wieder treffen wir Menschen, die sich schon mit einem scheinbar kleinen Ja schier endlos herumquälen, allen Ratgebern Löcher in den Bauch fragen, weil sie weder ihrem Bauchgefühl noch ihrem Verstand trotz endloser Plus-Minus-Listen  trauen können. Eine der Ursachen für diese Entscheidungsschwäche liegt oft im geringen Selbstwert. Zu einem guten Selbstwertgefühl trägt auch die bewusste Erfahrung der Selbstwirksamkeit bei – die Erfahrung, dass ich gesteckte Ziele erreiche, dass ich meinem Verstand genauso wie meinem Gefühl vertrauen kann.

Diese Erfahrungen beginnen früh – schon Kinder lernen spielerisch, Entscheidungen zu treffen – zuerst fast unmerklich – Erdbeer- oder Schokolade-Eis. Dann aber auch wenn sie bei größeren Entscheidungen, z.B. Schulwahl oder Urlaubsplänen mit ihren Argumenten ernst genommen und gehört werden.

Entscheiden ist also auch erlernbar

Indem ich mir bewusst mache, wie viele Entscheidungen ich jeden Tag treffe – und mit dem Ergebnis zufrieden bin. Entscheiden braucht Erfahrung. Tempo ist aber auch nicht immer gefragt – manche Entscheidungen dürfen reifen, ich brauche vielleicht auf der sachlichen Ebene noch mehr Informationen. Dann kann es sinnvoll sein, Oma‘s Leitspruch zu folgen und noch einmal „eine  Nacht darüber zu schlafen“, mindestens.

Die fünf Schritte bei größeren Entscheidungen

  1. In der Startphase ist es wichtig, die Situation im Hinblick auf die vorhandenen Ressourcen ( Zeit, Fähigkeiten, Hilfsmöglichkeiten,.. ) zu klären.
  2. Dann sollten alle Möglichkeiten gesammelt werden – Entscheidungen werden leichter, wenn ich mehr als zwei Alternativen habe.
  3. Bevor es dann konkret wird, ist es wichtig inne zu halten – um möglichst zu allen Varianten eine gute Distanz zu bekommen.
  4. Und dann geht es darum, jede Alternative auf Vor- und Nachteile zu überprüfen – auf der sachlichen Ebene, aber auch auf der emotionalen Ebene. Dabei ist es wichtig, auch körperliche Empfindungen ernst zu nehmen – unser Körper weiß oft schneller als unser Verstand, was gut für uns ist. Bei sehr weitreichenden Entscheidungen rate ich immer, die Beweggründe im Tagebuch festzuhalten. Sollte sich mein jetziges Ja im Lauf der Zeit als falsch herausstellen, kann ich zumindest nachvollziehen, warum ich mich damals so entschieden habe und es keinen Grund für Selbstvorwürfe gibt.
  5. Und jetzt steht das Ja fest und die Umsetzung kann beginnen. Manchmal hilft es auch, nach einiger Zeit eine Überprüfung vorzunehmen, um zeitgerecht kleine Kurskorrekturen einleiten zu können.
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EIN ARTIKEL VON
  • Brigitte Ettl

    Als gelernte Juristin habe ich mich nach Jahren im Journalismus, in der Privatwirtschaft und der Kirche (KAÖ-Forum Beziehung) als Ehe- und Familienberaterin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Wirtschaftscoach selbstständig gemacht. Mit meinem Mann verbinden mich 28 Ehejahre und die gemeinsame Leitung einer Unternehmensberatung.


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