17. Juni 2016

Klare Eltern, klare Grenzen

Klare Eltern, klare Grenzen - meinefamilie.at

„Meine Grenzen – deine Grenzen“ war Thema des Webinars auf elternweb2go.at. Elternbildnerin Karin Felbinger erarbeitete am 13. Juni gemeinsam mit den Teilnehmern praktische Tipps, wie das Grenzen-Setzen im Familienalltag funktionieren kann.

„Wann funktioniert das Grenzen-Setzen gut?“, fragt Karin Felbinger die Teilnehmer des Online-Seminars via Webcam. Die Eltern kommentieren: „Wenn ich Zeit habe“, „wenn ich Klarheit habe, weil ich einen Termin einhalten will“, „beim Einkaufen“ oder „beim Schlafengehen“. Felbinger fasst zusammen: Wenn die Konsequenzen vorher besprochen und ausgehandelt sind und ich als Elternteil das Ziel vor Augen habe, kann ich gut darauf zurückgreifen. Vor dem Einkaufen kann ich zum Beispiel ausmachen, dass das Kind eine Sache aussuchen darf. Dann brauche ich mich nachher auf keine Diskussionen einzulassen. Karin Felbinger betont die Wichtigkeit beim Grenzen-Setzen, selbst klar zu sein und in Ich-Botschaften zu sprechen, etwa: „Ich möchte jetzt, dass der Fernseher abgedreht ist.“

Wenn Kinder nicht hören wollen

Wenn Kinder nicht hören wollen, habe sich die sogenannte Dreierregel bewährt, die Felbinger erläutert. Erster Schritt sei, das Ziel vor Augen zu haben, was passieren soll – zum Beispiel, sich bettfertig zu machen: „Ich will, dass du jetzt den Pyjama anziehst, dann gehen wir nach oben.“ Reagiert das Kind nicht, sage ich die Botschaft ein zweites Mal und füge eine Konsequenz hinzu, zum Beispiel: „Ansonsten helfe ich dir beim Anziehen.“ Beim dritten Mal setze ich eine Handlung, ziehe also mit dem Kind den Pyjama an. Die Regel ist effektiver als endlos zu sprechen:

„Hundert Mal gesagt ist 99 Mal zu viel.“

„Was tu ich, wenn Kinder nach fünf bis zehn Aufrufen nicht reagieren?“, fragt ein Teilnehmer im Chat. Wichtig sei, dass die Botschaft beim Kind ankommt. Von weitem etwas zuzurufen ist nicht so effektiv wie die direkte Ansprache, also direkt mit dem Kind zu sprechen, Körperkontakt und Augenkontakt zu halten. Außerdem sage ich besser, was ich möchte anstatt dessen, was ich nicht möchte. Statt zu sagen: „Nein, nicht über die Straße gehen!“, sage ich besser: „Stopp, wir bleiben hier stehen“, bringt Felbinger ein Beispiel ein. Dazu die Ich-Botschaft: „Ich möchte, dass du mir die Hand gibst, wenn wir über die Straße gehen.“

Zwischen den drei Ansprachen ist es als Elternteil wichtig, in der Situation zu bleiben. „Wenn ich möchte, dass meine Kinder schlafen gehen, bleibe ich dabei und gehe nicht in die Küche, um den Geschirrspüler auszuräumen. Nach der dritten Aufforderung setze ich wirklich eine Handlung und lasse mich nicht aus der Ruhe bringen.“ Wenn ich möchte, dass das Kind im Sand spielt, ohne den Sand hinauszuwerfen, weise ich also einmal darauf hin, kündige beim zweiten Mal die Konsequenz an, die Sandkiste zu schließen und beim dritten Mal schließe ich sie wirklich.

Positives Miteinander ist die Basis

„Wichtig beim Grenzen-Setzen ist das positive Miteinander“, sagt Karin Felbinger. „Wenn die Grundstimmung angenehm ist, wenn ich selbst ruhig und nicht im Stress bin, habe ich eine andere Ausstrahlung und eine andere Art zu kommunizieren. Jede Mutter kennt gestresste Tage, aber an den anderen Tagen können die Kinder mitentscheiden: Was könnten wir heute essen, was könnten wir einkaufen? Dieses Miteinander ist fein.“ Sie lädt die Eltern ein, ihre Kinder zu ermutigen und ihnen etwas zuzutrauen.

Statt bei allem zu meinen, „Nein, das geht nicht“ die Grundhaltung zu haben: „Wie könnte es gehen?“, und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ein abgesteckter Rahmen gibt Kindern und Erwachsenen Sicherheit und Klarheit. „Wenn ich weiß, wo die Grenzen sind, funktionieren die Grenzen gut.“

Kinder überschreiten auch klare Grenzen

Bei aller Klarheit und positiver Stimmung werden Kinder die Grenzen trotzdem überschreiten. „Als Elternteil versuche ich zuerst das Kind zu beobachten und zu verstehen: Welche Bedürfnisse stehen dahinter?“, sagt Felbinger. Meist steht keine böse Absicht dahinter. Außerdem versuche ich, ruhig zu bleiben –  zu schreien, abzuwerten, zu nörgeln, zu drohen, hämisch zu werden und aus der Kontrolle zu geraten bezeichnet Felbinger als No-Go. Als Elternteil reagiere man schnell über oder sage zu schnell nein, doch im Nachhinein kann man seine Fehler zugeben und die Entscheidung überdenken. Letztlich wirkt auch Humor Wunder. Bevor die Situation eskaliert, kann ein Spaß die Knoten lösen.

Karin Felbinger ist dipl. Lebens- und Sozialberaterin und Mutter zweier jugendlicher Söhne.

elternweb2go - meinefamilie.atelternweb2go ist ein monatlicher digitaler Elterntreff; ein kostenloses, interaktives Seminar im Internet speziell für Eltern. Dabei gibt es Informationen rund um ein Thema, die Möglichkeit, einer Fachperson zum jeweiligen Thema Fragen zu stellen und mit anderen Eltern interaktiv ins Gespräch zu kommen.

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