18. März 2015

Kindern positives Selbstwertgefühl vermitteln


Wie unsere Kinder konfliktfähig werden – oder die Sache mit dem Selbstwertgefühl. Wie vermittle ich meinem Kind ein positives Selbstwertgefühl?

Fragt man Eltern nach ihren Erziehungszielen, stehen Selbstbewusstsein und Selbständigkeit hoch im Kurs, gleichgestellt mit glücklich und individuell. Auf die Frage, wie diese Ziele erreicht werden können, können die wenigsten Eltern präzise antworten. Denn wie bei allen Erziehungsfragen ist auch hier klar: Es gibt kein Patentrezept. Doch ein paar Dinge können Eltern schon dazu beitragen, ihren Kindern Selbstbewusstsein zu vermitteln, um ihre Konfliktfähigkeit zu unterstützen.

Selbstwertgefühl im Babyalter

Die ersten Lebensjahre stellen die Prägungsphase für das Selbstbild dar: Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe und subjektive Attribute wie “mMeine Haare sind zu lang” oder “Ich bin zu dick”. Das Selbstwertgefühl beschreibt dann, wie wir uns mit unserem Selbstbild fühlen: Bei einem positiven Selbstwertgefühl können vermeintlich negative Merkmale dennoch positiv gesehen werden, bei einem negativen Selbstwertgefühl hingegen fühlen Menschen sich schlecht. Die kleinste Kritik an seiner Person führen zu innerlichen Konflikten bis zu Hassgefühlen.

Das Selbstwertgefühl – so wurde es in Studien bewiesen – trägt maßgeblich zu unserem Gesundheitszustand und Allgemeingefühl bei, keineswegs ist es aber angeboren. Es entwickelt sich im Laufe der Zeit und wird maßgeblich vom sozialen Umfeld (Eltern, Werbung, Freunde etc.) geprägt.

Die Grundsteine für eine positive Selbstwahrnehmung werden bereits im Babyalter gelegt.

Die Bedürfnisse eines Babys

Ein Baby kommt mit Instinkten zur Welt, die sein Überleben sichern. So braucht es Nähe, Körperkontakt und Zuspruch, um sich sicher zu fühlen. Es weint, wenn es Hunger oder Durst hat, müde ist, überreizt ist oder sich alleine fühlt. Keinesfalls weint ein Baby, um seine Eltern zu ärgern: Hinter jedem Weinen steckt ein Bedürfnis und – weil ein Baby kein Zeitgefühl hat – sollte das Bedürfnis gleich erfüllt werden. So lernt das Baby, dass es uneingeschränkt angenommen und ernstgenommen wird. Es baut eine sichere Bindung auf und das Urvertrauen wird gestärkt – zwei wichtige Komponenten für die spätere Beziehungsfähigkeit, aber auch des Selbstwertgefühls. Eltern müssen ihrem Kind zutrauen, dass es weiß, was es braucht. Die Instinkte eines Babys funktionieren perfekt.

Werden die Bedürfnisse aber nicht erfüllt, aus Angst das Baby zu verwöhnen oder einen kleinen Tyrannen heranzuziehen, erfährt das Baby, dass es nicht ernst genommen wird. Dabei ist nun nicht gemeint, wenn ein Baby kurz warten muss, aber dann eine verlässliche Erfüllung erfährt – das ist bei Mehrkindfamilien vollkommen normal und auch eine Lektion, die das Baby gut annehmen kann. Wichtig ist, dass verlässlich und immer auf seine Bedürfnisse eingegangen wird.

Was können Eltern nun tun, um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu stärken?

Im Kleinkindalter stehen die Autonomiephase und Sprachentwicklung im Vordergrund. Die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen und was wir ihnen sagen, wird ihre innere Stimme. So ist es nicht egal, wie wir über sie oder mit ihnen sprechen. Kinder speichern diese Informationen ab. Eltern sind also angehalten, achtsam zu sprechen, ohne Wertung und gewaltfrei. Die Giraffensprache ist ein beliebtes Instrument für die gelungene Kommunikation in der Familie. Wenn Eltern möglichst viele Ich-Botschaften senden, so erlernt das Kind einen umfangreichen Wortschatz für den Emotionsbereich und kann sich differenziert ausdrücken.

Auch der Umgang mit Trotzanfällen beeinflusst das Selbstwertgefühl: Reagieren Eltern mit Schreien, Gewalt oder Ignoranz, kann das Kind keine Strategien erlernen, mit seinen Gefühlen umzugehen. Es fühlt sich alleine gelassen und nicht ernst genommen. Dabei steckt auch hinter einem Trotzanfall ein Bedürfnis. Gerade wenn Kinder ignoriert werden wird ihnen vermittelt, sie sind es nicht wert, ernstgenommen zu werden, ihre Gefühle sind nicht wichtig genug. Dieses Gefühl tragen Kindern in sich weiter. Empathie als Schlüsselwort bringt Kinder weiter als Standardsätze wie „Das ist ja nicht so schlimm“ oder „Stell dich nicht so an“. Tipps:

  • Auf Bedürfnisse verlässlich reagieren
  • Die Gefühle des Kindes ernst nehmen
  • Nähe und Berührungen für eine gute Bindung
  • Empathisch reagieren, Mitgefühl zeigen, „Spiegelneuronen“ aktivieren
  • Selbständigkeit fördern, Selbstbestimmung zulassen
  • Ich-Botschaften senden
  • Ermutigung und Vertrauen
  • Wertfreie, achtsame und gewaltfreie Kommunikation
  • Keine Strafen, kein Liebesentzug
  • Lob mit Maß und Ziel
  • Mut zum Fehler

Siehe auch: Selbstgefühl bei Kindern stärken oder Selbstbewusstsein bei Kindern stärken

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EIN ARTIKEL VON
  • Daniela Griesser

    Nach meinem Germanistik-Studium widmete ich mich der Erziehung meiner 3 Kinder, arbeitete als Tagesmutter und besuchte Fortbildungen in den Bereichen Babymassage, Tragen, Stillen und Familienbegleitung. Unter dem Namen "Familiennest" biete ich in Wien Workshops und Hausbesuche für werdende und frisch gebackene Eltern an.


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