12. Juni 2015

Kinderfragen haben es in sich


Kinderfragen und die Suche nach der richtigen Antwort ist oft alles andere als leicht. Wir haben Tipps wie sie damit richtig umgehen können.

Kinderfragen und die Suche nach der richtigen Antwort

Kinderfragen können für Eltern oft mühsam sein. „Papa, warum darf ich nicht Tatort schauen?“ – „Weil du für diese Sendung noch zu klein bist.“ – „Alle in meiner Klasse dürfen schauen, nur ich nicht. Warum?“ Langwierige Debatten enden meist mit einem Schlusswort meinerseits, dem es, zugegebenermaßen, an logischer Beweiskraft mangelt: „Weil ich es nicht will.“

Oft aber stellt mir meine jüngste Tochter durchaus intelligente Fragen. „Papa, wie funktioniert eigentlich ein Fotoapparat?“ Hilflos stammle ich etwas von Blende und Linse. Auch ein Blick in meine Bücherregale konnte mir in diesem Fall nicht weiterhelfen, obwohl in ihren Reihen etliche (zum Teil gänzlich uneingesehene) Lexika stehen, für deren (preislich stark reduzierten) Ankauf ich eine gewisse Schwäche habe: „Propyläen-Weltgeschichte“ (22 Bde.), „Große Kulturen der Frühzeit“, „Kindlers Malerei-Lexikon“ (jeweils 15 Bd.) oder „Der Wilde Westen“ (5 Pracht-Bände). Das Durchforsten der 32bändigen „Bibliothek des Wissens“ erschien mir doch ein wenig zu zeitaufwändig.

Knifflige Kinderfragen

Bei unserem letzten Ausflug brachte mich Sophie in nicht unerhebliche Verlegenheit: „Du, Papa, wenn eine Wespe in unserem Auto ist, warum prallt sie dann nicht gegen die Heckscheibe, wenn sie doch langsamer fliegt, als du fährst?“ Nach einer ersten Schrecksekunde versuchte ich zunächst Zeit zu gewinnen, indem ich sie für die originelle Frage lobte. Dann eröffnete ich gewissermaßen eine innerfamiliäre Konferenzschaltung und gab die Problemstellung an meinen Ältesten weiter. Der allerdings konnte mir auch nicht helfen, sondern murmelte etwas von „V0“ und „Trägheitsgesetz“. Da ich zwar schon viele Insekten außen an der Windschutzscheibe picken sah, nie jedoch an der hinteren innen, entschied ich gefühlsmäßig richtig: Einer Wespe passiert nichts, sie fährt einfach mit.

Die physikalische Erklärung konnte ich freilich nicht geben, holte sie jedoch bei meinem Bruder ein, einem Hochschullehrer für Geodäsie. Dieser versicherte mir, er könne den Sachverhalt in gebotener Kürze unmöglich wissenschaftlich korrekt, sondern nur in sehr einfachen Worten darstellen, und führte aus: „Das bewegte Fahrzeug ist stets im Banne des Gravitationsfeldes der Erde. Die Wirkungsweise dieses Erdschwerfeldes ist nicht ganz leicht verständlich, v.a. dann, wenn man an ein Flugzeug denkt, das im Prinzip dem Beispiel der Wespe vergleichbar ist.“ Ich war ein wenig erleichtert, dass auch diese fundierte Aussage meine Tochter nicht wirklich zufrieden stellte. Kinderfragen können ganz schön knifflig sein.

Glücklicherweise sind auf Autofahrten die meisten Fragen meiner Kinder von einfacherer Natur – z.B., ob sie ein Eis haben dürfen. Meine Antwort ist stets ein schlichtes Nein. Ich bin kategorisch gegen den Verzehr jeglicher Eislutscher in unserem Bus, da sie in geschmolzenem Aggregatszustand sehr klebrig sind. Das weiß ich nämlich auch ohne jedes Lexikon.

Tipps:

  • Geben Sie sich keine Mühe, allwissend zu erscheinen. Sehr bald spüren Ihre Kinder Ihre unvermeidlichen Wissenslücken auf. Sie sollten jedoch von ihnen lernen, wie man an Informationen kommt (Wikipedia sollte nicht Ihre einzige Anlaufstelle sein.)
  • Eltern, die glauben, auf Kinderfragen eine langatmige und perfekte Antwort geben zu müssen, können Kinder überfordern. Diese werden sich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit rächen.
  • Es fällt Ihnen kein Stein aus der Krone, wenn Ihr Kind auf dem einen oder anderen Gebiet mehr weiß oder kann als Sie selbst (zum Beispiel am PC oder beim Programmieren des DVD-Players).
  • Nehmen Sie sich Zeit und beantworten Sie die Fragen Ihres Kindes mit gebotener Ernsthaftigkeit.
  • Das Gefühl, dass Sie ihm nicht richtig zuhören, ist kränkend für Ihr Kind. Irgendwann wird es Sie nicht mehr fragen.
  • Kinderfragen können sehr philosophisch sein und Ihre Gedanken wenigstens für einige Minuten aus dem Alltagstrott entführen.



EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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