12. Juli 2017

Kinderfragen: Die Neugier der Kinder erhalten

Kinderfragen - meinefamilie.at

Statt von den Fragen genervt zu sein oder die Kinder wegen Unwissenheit abzuwimmeln, können Eltern durch einfache und authentische Antworten die Neugierde der Kinder erhalten. Wie Eltern im Zeitstress am besten auf Kinderfragen reagieren oder dann, wenn sie keine Antwort wissen.

„Warum wird es in der Nacht finster?“, „Warum versteckt sich der Maulwurf unter der Erde?“ „Wird die Omi bald sterben?“, „Warum sagst du immer ‚Darum!’, wenn ich etwas frage?“

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Kinder sind neugierig und wollen die Welt verstehen. © Pexels

Den meisten Eltern ist bewusst, dass ihr Kind mit diesen Fragen Neugierde und Interesse zeigt und es sich daran macht, die Welt zu entdecken. Kinderfragen sind ein Zeichen der erwachenden Intelligenz und aus ihrer Beantwortung lernt das Kind in kleinen Schritten, sich ein Bild von der Welt zu machen. Ist eine Frage beantwortet, denkt das Kind darüber nach, prüft das Ergebnis und kommt so zu immer neuen Fragen, manchmal in Serie direkt hintereinander. Kinderfragen sind anstrengend. Kinderfragen können nerven. Manchmal erscheinen sie uns allzu banal, ein anderes Mal wissen wir selber nicht die Antwort, fühlen uns verlegen oder selbst in Frage gestellt. Die meisten von uns haben sich damit abgefunden, dass die Welt voller Rätsel ist und manchmal auch voller Widersprüche. Wir begnügen uns mit dem erforderlichen Alltagswissen und haben aufgehört zu fragen und zu hinterfragen. Da erinnert uns ausgerechnet unser Dreikäsehoch daran, dass es da noch mehr geben muss.

Lassen wir uns von unseren Kindern anregen, wieder die lebendige Neugierde in uns zu entdecken!

Kindliche Fragen sind auch ein Zeichen großen Vertrauens, das Ihr Kind Ihnen entgegenbringt. Als liebevolle Bezugsperson sollten Sie Ihr Kind niemals enttäuschen, sehr wohl aber können Sie gelegentlich ehrlich zugeben. „Das weiß ich nicht!“, ohne deshalb weniger respektiert zu werden.

Lieber „Das weiß ich nicht“ statt „Frag’ nicht so dumm!“

Im Gegenteil: Ihr Kind wird zwar merken, dass Sie kein Übermensch, dafür aber menschlich und echt sind. Und darin besteht Ihre wahre Größe. Keineswegs sollten Sie Ihrem Kind antworten: „Frag’ nicht so dumm!“. Es wird nicht verstehen, dass Sie es eilig haben oder in Verlegenheit sind, sondern es als Beleidigung empfinden. Auf diese Weise wird das kindliche Selbstwertgefühl verletzt und das Kind zieht sich zurück oder es versucht auf andere Weise, das Defizit auszugleichen, durch Lästigsein oder Kasperl-Machen, was Sie erst recht nervt. Das Kind wird von Neuem kritisiert und ein Teufelskreis beginnt sich zu drehen. Vielleicht hört es mit der Zeit auf zu fragen und damit auf, motiviert zu lernen. Später beklagen sich dann so manche Eltern, dass ihr Kind kein Interesse an schulischen Leistungen hat, sehen aber nicht den Zusammenhang zwischen solchen und ähnlichen Erziehungsmustern.

Frage für später aufheben

Natürlich kann es vorkommen, dass Sie momentan nicht in der Lage sind, geduldig zuzuhören, weil Ihre Zeit oder Ihre momentane Stimmung es nicht erlaubt. Dann ist es gut, Ihrem Kind zu schildern, wie Sie sich fühlen, z.B. „Weißt du, ich muss mich fertig machen, darum kann ich jetzt nicht zuhören. Bitte sei mir nicht böse. Kannst du dir deine Frage für später aufheben?“ Auf diese Weise wird Ihr Kind in der Lage sein, Rücksicht zu nehmen und diese Ablehnung nicht als Abwertung seiner Person empfinden.

Hinterfragen helfen

Die Fragerei kann auch zu einem lustigen oder lästigen Spiel werden, wenn eine Frage standardmäßig und stereotyp gestellt wird. In diesem Fall empfiehlt es sich, statt „Frag’ nicht so dumm!“ oder ein belehrendes „Das musst du doch schon selber wissen!“ den Ball zurückzuspielen und das Kind zu seinen eigenen Kompetenzen hinführen. Wie das geht? Stellen Sie ebenfalls Fragen! „Was glaubst denn du?“ oder auf seine Beobachtungen zu verweisen. „Du hast doch gesehen, wie…“. Das Kind soll die Antwort mit Ihrer Hilfe selber finden.

Kinderfragen unterstützen den inneren Klärungsprozess

Es kann auch sein, dass das Kind deshalb wiederholt Fragen zum selben Thema stellt, weil es persönlich davon betroffen ist und ein bestimmtes Ereignis noch nicht ganz verarbeitet hat. Durch behutsames Rückfragen und Zuhören können Sie das Innenleben Ihres Kindes besser verstehen und mögliche Schwierigkeiten und Ängste bewältigen helfen.

Antworten sollen einfach und authentisch sein

Eine häufige Spielart kindlicher Fragerei ist es auch, oberflächlich zu fragen, aber gar nicht richtig zuzuhören, wenn der Erwachsene geduldig darauf antwortet. Natürlich sollten Ihre Antworten kein „Strudelteig“ sein und nicht der Selbstdarstellung dienen, aber wenn Sie merken, dass Ihr Kind unkonzentriert ist, zwar fragt, sich aber gleich wieder seinem Spiel zuwendet, ohne die Antwort abzuwarten, so ist es wichtig, es darauf hinzuweisen und Aufmerksamkeit einzufordern. Z.B. „Du hast mir soeben eine Frage gestellt, wartest aber die Antwort gar nicht fertig ab. Ist dir deine Frage nun wichtig oder nicht? Wenn ja, dann hör mir jetzt bitte gut zu! Weißt du, die Sache ist so…“

Was tun, wenn Sie eine Frage aus irgendeinem Grund nicht beantworten wollen? Bitte keine Ausreden! Auch kein „Das geht dich nichts an!“ oder ein plumpes „Dafür bist du noch zu klein!“ Kinder haben ein untrügerisches Gefühl dafür, was echt ist. Mit einer ehrlichen Ich-Botschaft kommen Sie am besten über die Runden, zB „Das ist die Angelegenheit von Tante N. Deshalb kann ich nicht mit dir darüber reden.“ oder „Es fällt mir schwer, dir dies zu erklären, weil ich glaube, dass das noch zu kompliziert für dich ist.“ „Ich möchte nicht darüber sprechen, weil…“ Wenn Erwachsene auf solche Weise mit Kindern umgehen, fühlen sich diese ernst genommen und lernen freudig, aufmerksam und rücksichtsvoll in die Welt und ins Leben hineinzugehen.

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