14. Juli 2015

Kinder zur Zweisprachigkeit führen


Zweisprachigkeit ist ein unschätzbaren Gewinn und bedeutet keineswegs, dass Kinder mit mehr als nur einer Sprache überfordert sind!

Meine Tochter wächst mit zwei Sprachen auf. Zu meiner Kindheit war es noch keine Selbstverständlichkeit, Kinder zwei- oder mehrsprachig aufwachsen zu lassen. Meine Eltern erkundigten sich bezüglich Zweisprachigkeit sogar bei Spezialisten. „Besser wäre es, Ihr Kind nicht zu überfordern“, war da aus einer Richtung zu hören, „Darunter würde nur das Familienleben leiden“, wurde aus der anderen ergänzt.

Eine Generation später trifft genau das Gegenteil zu: „Lasst Kinder so früh wie möglich so viel wie möglich lernen!“ suggerieren eine Vielzahl an Lernspielen, Büchern usw. Das Thema Sprachen steht jedoch nicht mehr zur Diskussion, denn seit damals hat man ganz klar erkannt, dass Zweisprachigkeit einen unschätzbaren Gewinn bedeutet und Kinder keineswegs mit mehr als nur einer Sprache überfordert sind. Remo H. Largo beschreibt in seinem Buch „Kinderjahre“, wie sich Kinder im Kindergartenalter eine Sprache mühelos nur durch Zuhören aneignen und diese in sechs bis zwölf Monaten perfekt sowie akzentfrei sprechen können. – Was im Erwachsenenalter nicht mehr in dieser Form möglich ist.

Zweisprachigkeit in unserer Familie

In unserem Fall ist die zweite Sprache die „Vatersprache“. Zu Beginn fühlte es sich für uns höchst eigenartig an, dass mein Mann mit unserem Baby ungarisch, ich mit ihm deutsch sprach. Hier absolut konsequent zu bleiben war nicht immer einfach. Doch man gewöhnt sich an vieles! Der angenehme Nebeneffekt: durch das tagtägliche Wiederholen von Tiernamen, Farben, Spielsachen, Nahrungsmitteln und vielem mehr konnte ich mich dieser fast unlernbaren Sprache etwas annähern. Zumindest kann ich einfachen Dialogen auf dem Niveau eines Kleinkindes mittlerweile halbwegs folgen – also zumindest bis jetzt kann ich nicht behaupten, dass das Familienleben darunter gelitten hat.

Was meine Tochter betrifft, so versteht sie alles. Das Sprechen erfordert allerdings noch etwas Überwindung. Da sie tagsüber hauptsächlich von der deutschen Sprache umgeben ist und ihren Papa neben den Wochenenden nur morgens und abends sieht, fällt es ihr natürlich leichter, auf Deutsch zu antworten. So werden etwa auch die täglich obligaten „Elefanten-Geschichten“ in zwei Sprachen erzählt – mein Mann beginnt auf Ungarisch, deutsche Einwürfe folgen von unserer Kleinen. Aber: sie wird größer und schön langsam kann man ihr Besonderheiten wie eine „Geheimsprache“ schmackhaft machen…

Auch wenn sie (noch) fast nicht ungarisch spricht, so ist die Sprache doch sehr präsent. Sie übersetzt einwandfrei und je mehr Zeit sie mit ihrem Papa verbringt, umso öfter fallen auch ungarische Sätze. Sehr amüsant war eine Situation, in der sie in einem Spiel mit ihrem Papa die Rollen tauschte, worauf ich einwarf, dass doch der Papa mit ihr immer ungarisch spreche, folglich sie auch nun mit ihm ungarisch sprechen müsse. Etwas verdutzt, folgte nach einer kurzen Pause ein einwandfreier ungarischer Satz!

Fazit zur Zweisprachigkeit

Unsere fast Vierjährige ist gerade in einem Alter, in dem sie Informationen wie einen Schwamm aufsaugt. Diese anzuwenden müssen Kinder jedoch noch gelegentlich animiert werden – was die Aufgabe der Großen ist. Das Erfolgserlebnis jedoch lässt nicht auf sich warten – erst heute strahlte unsere Tochter, als sie mühelos auf Ungarisch bis dreißig zählen konnte! Auch das Interesse weiteren Sprachen gegenüber ist sehr groß. Mehr dazu aber ein anderes Mal…

Siehe auch: Zweisprachig – Fluch oder Segen?

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EIN ARTIKEL VON
  • Sabine Láng

    Immer schon von der französischen Sprache fasziniert, nützte ich mein Studium der Theaterwissenschaft, um neben Wien auch in Paris zu studieren. Heute kann ich Französisch beruflich nützen. Mein Mann und ich haben die schöne Aufgabe, unsere 3-jährige Tochter an die Musik heranzuführen!


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