3. Februar 2016

Wenn die Kinder trödeln

Wenn Kinder trödeln - meinefamilie.at

Wer kennt sie nicht, diese Situationen: Für uns Erwachsene laufen die Minuten rekordverdächtig, für unsere Kinder scheint die Zeit still zu stehen. Mit welchen Mitteln kann es uns gelingen, Kinder dazu zu bringen, den Zeitplan einzuhalten?

Tick-tack-tick-tack… Mein inneres Ohr ist nicht gerade hilfreich dabei, geduldig zu bleiben, wenn Eile geboten ist. Doch unsere Tochter ist selten aus der Ruhe zu bringen, wenn sie in ein Spiel oder eine „Aufgabe“ vertieft ist. Sätze wie: „Deine Puppe können wir später auch noch wickeln!“, kann ich mir von vornherein sparen, denn natürlich muss man sein Baby wickeln, bevor man das Haus verlässt.

„Alma, die Puppe, ist jetzt wirklich sehr gut angezogen!“ – Nein, noch nicht gut genug. Gelernt ist gelernt, vor dem Weggehen packt man sich natürlich gut ein, welche Frage. Puppenmama und Puppe sind ohnehin schon dabei, sich fertig zu machen, wo liegt also das Problem? Wieso sollte die mütterliche Fürsorge für unsere Babys gelten, aber nicht für die „Babys“ unserer Kinder? Auf Fragen wie diese gibt es keine zufriedenstellende Antwort, denn für Kinder gelten ganz andere Bedingungen als für uns Erwachsene. Wie bringt man ein Kind dennoch dazu, sich zügig – und vor allem freiwillig – zum Beispiel zum Aufbruch bereit zu machen?

Selbstständigkeit versus Zeitmangel

Schauplatzwechsel. Sei es morgens nach dem Aufstehen, sei es abends vor dem Schlafengehen: Rituale wie Pyjama-aus-und-Kleidung-an oder umgekehrt können eine harte Probe für Zeitmanagement und Nerven darstellen.

Ältere Geschwister kommen ganz automatisch nicht darum herum, selbstständiger zu sein, aber alle anderen müssen ganz bewusst ab einem gewissen Alter zur Selbstständigkeit bewogen werden: sich selbst an- und auszuziehen, zu essen oder Hände zu waschen.

Auch wenn ich mein Kind zur Selbstständigkeit erziehen will, ertappe ich mich immer wieder dabei, nachzuhelfen, wenn die Zeit drängt und es schneller gehen muss.

Kinder brauchen Zeit, um ein Zeitgefühl zu entwickeln

Eine Vorstellung des Wochenablaufs und der Wochentage hat unsere Tochter bereits, aber der Zugang zum Zeitgefühl für den Tagesablauf ist im Alter von vier Jahren noch zu viel verlangt. Zeitangaben wie „in zehn Minuten müssen wir gehen“ fallen zwar, um eine Differenzierung zwischen Minuten und Stunden herzustellen, aber bis unser Mädchen tatsächlich etwas damit anfangen kann, werden wir uns wohl noch gedulden müssen.

Der Experten-Ratschlag, genügend Zeit einzuplanen, um ausreichend Puffer zu haben, lässt sich da auch nur bedingt umsetzen. Spätestens ab dem Moment, als zwischen dem ersten Aufruf und dem Verlassen der Wohnung mehr als eine Stunde lag, hieß es, kreativ zu werden…

Unterstützen

Ein Kind ungeduldig anzutreiben, bremst meist eher als es hilft. Dies muss ich immer wieder feststellen. Natürlich habe auch ich unterschiedliche Tagesverfassungen und mal gelingt es mir mehr, geduldig zu sein, mal weniger. Am hilfreichsten hat sich jedoch immer erwiesen, das Kind zwar selbstständig gewähren zu lassen, es aber assistierend zu unterstützen, sodass die Puppe schneller gewickelt oder angezogen ist.

Eieruhr

Praktisch in der Küche, unersetzbar im Kinderzimmer. Wichtig dabei ist, mit dem Kind eine Zeitspanne zu vereinbaren. Natürlich: Es weiß nicht wirklich, was fünf Minuten bedeuten, aber es ist darauf vorbereitet, dass die Eieruhr in Kürze klingelt und es dann sein Spiel wie besprochen beenden muss.

Rollenspiel

Zügiges Abhaken täglicher Abläufe – getarnt als Spiel für das Kind. Dabei schlüpfen die Eltern in jede nur mögliche Rolle wie „Anzieher“, Frisör, „Zähneputzer“; die Möglichkeiten sind da völlig unbegrenzt, wie ein Kind spielerisch in eine Konversation verwickelt werden und nebenbei die tägliche Pflege absolviert kann.

Wettkampf

Im Alter von etwa vier Jahren entwickeln Kinder mit Gleichaltrigen völlig automatisch ein Konkurrenzverhalten mit Themen wie: Wer ist größer? Wer kann besser auf einem Bein stehen? Wer zeichnet schöner? Ohne einen Konkurrenzkampf fördern zu wollen, machen wir uns diesen Wettbewerbsgeist manchmal dennoch spielerisch zu nutze. „Warte auf mich, nicht so schnell!“ weckt den Widerspruchsgeist, Herausforderungen wie „Bist Du schneller ausgezogen oder habe ich schneller das Fenster in Deinem Zimmer aufgemacht?“ erlauben es, stagnierende Situationen voranzutreiben.

Stress ist nun einmal Teil unseres Alltags. Es wäre unehrlich zu behaupten, man könne ihn vermeiden oder von unseren Kindern fernhalten. Dennoch ist es für die Entwicklung eines Kindes wichtig, stressige Situationen regelmäßig durch Ruhephasen abzulösen und dem Spiel des Kindes einen Tag lang keine zeitlichen Grenzen zu setzen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sabine Láng

    Immer schon von der französischen Sprache fasziniert, nützte ich mein Studium der Theaterwissenschaft, um neben Wien auch in Paris zu studieren. Heute kann ich Französisch beruflich nützen. Mein Mann und ich haben die schöne Aufgabe, unsere 3-jährige Tochter an die Musik heranzuführen!


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