20. Mai 2015

Tipps: Wenn Kinder streiten


Wenn Kinder streiten, möchten Eltern intuitiv eingreifen und die Jüngeren beschützen. Oft ist das gar nicht nötig, auch Kinder finden eine Lösung.

Der fünfjährige David hat zum Geburtstag neue Spielzeugautos bekommen. Voll Begeisterung schiebt er sie auf dem Kinderzimmerteppich herum. Plötzlich platzt sein dreijähriger Bruder Jakob herein und ergreift ein blaues Auto. David ist empört: „Nein, das ist meins!“ Er versucht, Jakob das Fahrzeug zu entreißen und stößt ihn dabei zu Boden. Der kleine Bruder heult, die Eltern, Martin und Nicole, stürmen herein. „Er hat mich gestoßen!“, schreit Jakob. „Nicht schon wieder, du Grobian!“, schimpft Martin mit David.

Wenn Kinder streiten, ist es nicht leicht für Eltern

Wenn Geschwister streiten, ist es für Eltern oft nicht leicht, zu entscheiden, wie sie sich verhalten sollen. Intuitiv wenden sie sich einem weinenden Kleineren eher tröstend zu und hinterfragen das Verhalten des Älteren kritisch. Damit können Eltern – wie man bei David und Jakob sieht – ziemlich falsch liegen. Passiert so eine Fehleinschätzung öfter, könnte sich David leicht als der „Schlimme“ in der Familie abgestempelt fühlen und den Eindruck gewinnen, dass Mami und Papi seine Seite der Geschichte sowieso nicht hören wollen. Jakob wiederum würde immer mehr mit der Rückendeckung der Erwachsenen rechnen und vielleicht sogar seinen großen Bruder häufiger provozieren, um wieder und wieder als „Gewinner“ auszusteigen.

Wenn Kinder streiten, müssen Erwachsene nicht eingreifen

Hilfreicher bei einem Geschwisterstreit ist es, wenn Erwachsene möglichst wenig eingreifen. Vor allem sollten sie sich zuerst einmal von beiden „Streitparteien“ erzählen lassen, was passiert ist, und so eine klärende und vermittelnde Rolle einnehmen. Fangen die Kinder dann an, einander zu beschuldigen, könnten sie ihnen durch Umformulierungen helfen, ihre eigenen Gefühle zu benennen und die Zusammenhänge der Situation zu erkennen. Etwa wenn David sagt: „Er hat mir einfach das blaue Auto weggenommen!“, könnte Nicole fragen: „Aha, du möchtest nicht, dass Jakob mit dem Auto spielt, das du gerade erst zum Geburtstag bekommen hast?“ Wenn wiederum Jakob schluchzt: „Er hat mich gestoßen!“, dann könnte Martin nachfragen: „Warum, glaubst du, hat er das gemacht?“

Kinder dürfen ihre Situation erklären

Wenn beide Kinder Gelegenheit dazu gehabt hatten, ihre Sicht der Dinge darzustellen, können die Eltern mit den Kindern zusammen versuchen, eine Lösung für den Konflikt zu finden. Ziel sollte dabei sein, dass Mutter und Vater allgemeine Prinzipien vorgeben, und die Geschwister selbst die Lösung für das konkrete Problem finden. Das braucht oft einen langen Atem. Manchmal sind Eltern verleitet, möglichst schnell wieder Frieden zu „schaffen“, rutschen aber genau dadurch wieder sehr leicht in die Schiedsrichterrolle. Wenn Nicole sagen würde: „Also, David, dann gib ihm wenigstens ein anderes Auto!“, dann ist sie allein durch diese Formulierung wieder eher auf Jakobs Seite.

Kinder haben selbst Ideen

Besser wäre es, nur dann Vorschläge zu machen, wenn die Buben wirklich selbst keine Idee haben. Also zum Beispiel: „David, könntest du Jakob ein anderes Auto borgen? Oder darf er das blaue später haben?“ Oder auch: „Jakob, möchtest du mit den Bausteinen eine Garage für die Autos bauen?“

Manchmal ist jedoch „Streit um des Streitens willen“ ein Ventil für eine negative Grundstimmung oder Übermüdung. Dann haben die Kinder auch keine Ressourcen mehr für Kompromisse und echte Lösungen. Hier müssen die Eltern die Situation übernehmen und den Kindern eine „Ruhezeit“ verschaffen – zum Beispiel indem sie ein Buch vorlesen oder die Kinder einfach räumlich trennen.

Passend dazu: Negatives Verhalten bei Kindern

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EIN ARTIKEL VON
  • Alexandra Schwarz

    In den Stella Kindergruppen und als Familienberaterin begleite ich Eltern in ihrer wunderbaren und spannenden Aufgabe der Erziehung. Als Mutter von sieben Kindern weiß ich, wie viel Freude Kinder bereiten, aber auch, wie hilfreich es sein kann, bei so mancher Herausforderung einen Input von „außen“ zu bekommen.


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