17. September 2017

Kinder spüren Konflikte – wir brauchen sie nicht verbergen

Kinder spüren Konflikte - meinefamilie.at

Kinder nehmen emotionale Spannungen stark wahr. Konflikte vor ihnen zu verbergen, ist unmöglich. Besser ist, als Kind zu lernen, mit Konflikten umzugehen.

Viele kennen diesen Satz bzw. diese Vereinbarung von Eltern. Welche Motivation auch immer dahintersteht, sei es, die Kinder vor Konflikten zu bewahren, ihnen zu zeigen, dass das Familienleben immer nur harmonisch abläuft oder auch eigene Schwächen verbergen zu wollen, etc.

Egal welche Motivation und welches Ziel hinter diesem Satz steht – er bringt sicher nicht das gewünschte Ergebnis. Kleine Kinder, egal ob sie schon sprechen können oder nicht, spüren nämlich immer, dass irgendwas nicht stimmt. „Nicht stimmen“ bedeutet, sie fühlen, wenn Mama und Papa streiten, traurig, ärgerlich oder wütend sind. Es heißt nicht umsonst, „es herrscht dicke Luft“. Und wenn die Eltern dann erzählen oder sonst wie vortäuschen, dass „alles ok“ ist, ist das eine sogenannte „Doppel-Botschaft“, sprich die eigene Wahrnehmung der Kinder und das Verhalten der Eltern passen nicht zusammen. Das ist sehr verwirrend.

Lassen wir Kinder nicht an ihrer Wahrnehmung zweifeln

Unsere Kinder vertrauen uns zu 100%, das heißt, sie glauben, was wir ihnen sagen. Stimmt nun unser Verhalten und/oder unsere Aussagen nicht mit der Wahrnehmung unserer Kinder überein, bekommen sie keine Bestätigung dafür, dass das, was sie spüren, richtig ist. Ganz im Gegenteil, wir vermitteln ihnen, dass ihre Wahrnehmung falsch ist und daraus resultiert, dass sie immer mehr an ihrer Wahrnehmung zweifeln. Geschieht das nun öfter, dann entsteht im Kind der Glaube, dass es „falsch fühlt“ oder gar „falsch ist“, weil seine gefühlte Wahrnehmung eines Menschen oder einer Situation nicht stimmt.

Bis zum dritten Lebensjahr nehmen Kinder die Welt um sie herum hauptsächlich auf emotionaler Ebene wahr, da der Gehirnanteil, der logisches und rationales Denken ermöglicht, noch nicht ausgebildet ist.

Daher sind uns kleine Kinder in Bezug auf ungefilterte emotionale Wahrnehmung weit überlegen. Sie können ihre Emotionen nicht rationalisieren, nicht kontrollieren und auch nicht verifizieren, also ihnen keine bewusste Bedeutung geben. Sie spüren aber jede kleinste emotionale Regung von Menschen in ihrer Umgebung. Auch solche, die uns Erwachsenen selbst oft gar nicht bewusst sind.

Wir können Konflikte vor Kindern nicht verbergen

Verabschieden Sie sich daher von dem Gedanken, dass es irgendwie möglich wäre, Ihre Konflikte und Emotionen vor Ihren Kindern zu verbergen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Konflikte gehören zum Leben dazu, keiner ist frei davon und es ist daher gut, wenn wir schon als Kinder lernen, damit umzugehen.

Und das Beste, das Sie für das Gefühlsleben Ihrer Kinder tun können, ist ehrlich und demgemäß authentisch dazu zu stehen, dass ihre Eltern gerade nicht einer Meinung sind und ihnen mitzuteilen bzw. offen zu zeigen, wie Sie sich gerade fühlen. Dann stimmen Ihre Aussagen und Ihr Verhalten mit der Wahrnehmung Ihrer Kinder überein und Sie lehren sie dadurch, ihren eigenen Gefühlen und damit sich selbst zu vertrauen.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at