28. April 2017

Wenn Kinder etwas Schlimmes anstellen

Wenn Kinder Schlimmes anstellen - meinefamilie.at

Der 5-jährige Sohn spielt mit dem Diesel-Kanister. Wie sollen die Eltern Nerven bewahren, richtig reagieren und sich nicht gegenseitig in Schuldzuweisungen verstricken? Eine beispielhafte Situation, an der alle Beteiligten wachsen und das Versöhnen lernen können.

Daniel, 5, begleitet die Oma in die Garage, um die Einkäufe herauszuholen. Während sie sich ganz ihrer Tätigkeit widmet, beschäftigt sich Daniel mit dem Diesel-Kanister und begießt damit den Boden, die Wände, das Autoinnere und sich selbst. Als die Oma aufschreit, was denn hier so stinkt, läuft Daniel ins Haus und versteckt sich in seinem Zimmer. Er rubbelt die Augen und heult auf, weil es brennt. Die Mutter sieht die Not des Kindes und bemerkt kurz: „Da hast du etwas Schlimmes angestellt!“ Dann handelt sie schnell, indem sie ihn in die Wanne steckt, die Augen ausspült und den Pyjama anzieht. Erschöpft und voller Schuldgefühle zieht Daniel schnell die Decke über den Kopf.

Währenddessen kommt der Vater der Oma zu Hilfe und sieht das Ausmaß der Bescherung. Warum dieser Junge auch immer so dumme Einfälle haben muss! Wütend stürmt er hoch und knöpft sich den verstörten Daniel vor. Die Mutter will das Donnerwetter verhindern, die Verantwortung läge bei der Schwiegermutter, schließlich hätte sie besser auf ihn aufpassen müssen. Der Abend endet mit wechselseitigen Schuldzuweisungen.

Damit so etwas nicht wieder passiert

Es ist sicher nicht leicht, in solchen Situationen die Nerven zu behalten. Ein Glück, dass kein Feuer im Spiel war! Beschuldigungen helfen nicht, sondern Überlegungen, wie man die Aufsicht verbessern und dem Jungen Regeln und Grenzen vermitteln kann.

Tipp: Wenn Daniel eine sinnvolle Aufgabe bekommt („Hilf mir beim Ausräumen!“) kommt er garantiert nicht auf „dumme“ Gedanken.

Sein überbordender Betätigungsdrang wird in eine konstruktive Richtung gelenkt und der Erwachsene behält die Kontrolle über das Geschehen – seine Führungskompetenz. Außerdem muss Daniel die Regel deutlich gemacht werden, was er angreifen darf und was nicht – das ist die Erziehungsverantwortung.

Nachbesprechung und Wiedergutmachung

Die Mutter tat gut daran, nach der kurzen, die Tatsache beschreibenden Bemerkung ohne Beschimpfungen rasch und besonnen zu handeln. Ein ernstes, aber freundliches Gespräch sollte erst stattfinden, nachdem sich Daniel beruhigt oder ausgeschlafen hat. Es geht darum, in ihm Einsicht und Verantwortungsgefühl zu wecken.

Wichtige Punkte:

1. Die Eltern müssen Daniel ermutigen, immer zu ihnen zu kommen, auch wenn er etwas angestellt hat. Das gelingt aber nur, wenn sich Daniel weder niedergemacht noch bedroht fühlt. Vertrauen kann nicht erzwungen werden!

2. Aktives Zuhören: „Erzähl‘ wie sich das zugetragen hat!“

3. Die Eltern müssen in Daniel ein Bewusstsein dafür erzeugen, was er getan hat: „Weißt du, was du da angestellt hast? Das ganze Haus stinkt nach Diesel und es hätte sogar brennen können!“

4. „Kennst du die Regel? Außer bei deinen Spielsachen musst du immer zuerst fragen, wenn du etwas angreifen willst! Besonders in der Garage sind viele gefährliche Dinge! Hast du das gut verstanden?“

5. Bestätigung von Daniel einholen, sein Nicken, seinen treuherzigen Augenaufschlag abwarten.

6. Vertrauen aussprechen: „Ich bin sicher, dass du dir das gut merken wirst!“

7. Feste Umarmung: „Ich weiß, du hast das nicht gewollt!“

8. Wiedergutmachung: „Wir gehen jetzt zur Oma, damit du dich bei ihr entschuldigen kannst!“ Vielleicht gibt es auch noch Gelegenheit, beim Putzen zu helfen.

9. Daniel muss grundsätzlich besser angeleitet und beaufsichtigt werden, damit ihm das Folgen zur Gewohnheit wird.

10. Auch die Erwachsenen müssen einander für die jeweils überzogenen Reaktionen um Entschuldigung bitten, damit kein Groll zwischen ihnen bleibt.

Wenn die Eltern ihren Teil der Verantwortung übernehmen, wird es auch der Oma leichter fallen, ihr Versagen einzugestehen, anstatt sich von der jungen Generation angegriffen zu fühlen. An ihrem Beispiel kann Daniel erleben, was Wiedergutmachen und Versöhnen bedeutet. Kinder haben ein besonderes Sensorium für unterschwellige Konflikte. Sie gehören ausgeräumt, bei Bedarf mit fachkundiger Hilfe, sonst können deren Spuren das Familienklima über lange Sicht vergiften und nachhaltigen Schaden anrichten.

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