14. Dezember 2017

Wie viel dürfen Kinder mitreden?

Wie viel dürfen Kinder mitreden - meinefamilie.at

Eine Entscheidung der Mutter macht die Tochter wütend, weil sie nicht mitreden durfte. Die Mutter kann Verständnis aufbringen, aber gleichzeitig Grenzen setzen.

Die Mutter hat neue Vorhänge für das elterliche Schlafzimmer gekauft und sagt zu ihrer achtjährigen Tochter: „Du Monika, das sieht doch eigentlich ganz hübsch aus, nicht wahr?“ Monika, beleidigt und erbost: „Mir gefallen sie überhaupt nicht! Außerdem hat mich niemand gefragt! Ich wohn’ auch in diesem Haus!“ Mutter, erklärend: „Aber das ist ja unser Zimmer!“ Tochter: „Wenn wir etwas für mein Zimmer kaufen, willst du ja auch immer mitreden!“ Mutter, verständnisvoll: „Ich wusste nicht, dass es dir so wichtig gewesen wäre, beim Aussuchen dabei zu sein. Aber weißt du, es ist ein altes Naturgesetz, dass die Erwachsenen über ihr Zimmer selber bestimmen können.“ Tochter: „Dann sind wir eben die erste Familie, die dieses Naturgesetz bricht!“

Verständnisvoll Grenzen setzen

Lohnt es sich überhaupt, bei den „frechen“ Antworten der Tochter so viel Geduld aufzubringen? Ich meine, ja! Dieses Kind ist sehr selbstbewusst, hat einen starken Willen und kann gut argumentieren. Das alles sind Eigenschaften, die ihr später zum Erfolg verhelfen werden. Das Verhalten der Mutter ermöglicht den Ausdruck der Gefühle, zeigt Verständnis und setzt Grenzen – sanft, aber bestimmt.

Wichtig ist, dass die Mutter bei dieser Haltung bleibt, auch nach Monikas letzter Bemerkung, etwa so: „Weißt du, liebe Monika, wir lassen dich gerne so oft wie möglich mitbestimmen. Und ich mag dich wie du bist, auch wenn ich mich über deinen Dickkopf manchmal ärgere. Aber es bleibt dabei: Manche Dinge entscheiden wir auch ohne dich, weil wir die Eltern sind.“

Starker Wille muss geformt, aber nicht gebrochen werden

So oder ähnlich können Eltern die Sache auf den Punkt bringen, um ihrem Kind die Grenzen der Mitbestimmung aufzeigen. Mehr Nachdruck ist wahrscheinlich nicht erforderlich. Wichtig ist die konsequente Haltung und das richtige Maß an Verständnis und Abgrenzung, damit die „Ebene des Respekts“ gewahrt bleibt. Wenn dieses Mädchen sein Geltungsbedürfnis angemessen ausleben darf, aber auch angemessene Grenzen erfährt, so wird es lernen, gut damit zurechtzukommen und ein vernünftiger und fairer Verhandlungspartner werden. Vergessen wir nicht: Der Wille ist die tragende Säule des Selbstbewusstseins. Er muss geformt, aber nicht gebrochen werden.



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