16. Februar 2017

Kinder lernen spielend leicht – wenn sie dürfen

Kinder lernen beim Spielen - meinefamilie.at

Kinder spielen ja nur…? Im Gegenteil, beim freien Spiel lernen sie am meisten. Neurobiologe Gerald Hüther erklärt, was Eltern tun können, um dieses Lernen zu unterstützen: begleiten, nicht erklären.

Wir alle wollen unsere Kinder so gut wie möglich fördern. Die Anforderungen an unsere Kinder steigen laufend. Als Eltern wollen wir unsere Kinder auf das spätere Leben bestens vorbereiten. Dafür investieren wir auch viel in die Frühförderung. Aber übersehen wir dabei nicht das Wichtigste? Anhand eines kurzen Beispiels zeige ich euch, was wir Erwachsenen tun können, damit unsere Kinder ihre Potentiale voll entfalten können.

Kinder sind wie Schwämme. Sie saugen das Wissen auf, das für ihre Entwicklung gerade wichtig ist.

Kinder lernen beim Spielen - meinefamilie.atDer Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther beschreibt es so: „Kinder haben eine angeborene Entdeckerfreude – bis irgendwann jemand kommt und ihnen sagt, was sie jetzt machen sollen.“ Jedes Kind will sich von sich aus entwickeln. Es hat einen inneren Drang, die Welt zu entdecken und sich Fähigkeiten selbst anzueignen. Kinder lernen, indem sie spielen. Das heißt also, Kinder brauchen Zeit zum Spielen, so viel wie möglich.

Kinder wollen selbst Erfahrungen machen

“Es kann kein Kind lernen, wie man aufsteht, wenn es nie hinfällt. Es kann kein Kind laufen lernen, wenn ihm die Steine weggeräumt werden,” erklärt Hüther in The Huffington Post. Auch Selbständigkeit erwerben Kinder im Spiel. Es ist also unsere Aufgabe, den Alltag so zu gestalten, dass Kinder eigenständig Erfahrungen machen können.

Es geht nicht darum, dem Kind etwas beizubringen, sondern vielmehr darum, auf seine Neugier zu achten.

Damit können wir die Selbständigkeit, das Denken und das Selbstbewusstsein stärken.

Im Spiel eignen sich Kinder auch Kreativität an. In Rollenspielen beispielsweise können Kinder ihre Fantasie entwickeln und ausleben, die nicht mit der Realität übereinstimmen muss. So erschließen sie sich verschiedene Denkweisen, Strategien und nützen ihre Vorstellungskraft. Das hilft ihnen auch im späteren Leben. Kinder, die viele Möglichkeiten haben frei zu spielen, können später leichter Probleme lösen.

Kinder erschließen sich selbst die Welt

„Man darf einem Kind nichts erklären, wonach es nicht gefragt hat“, sagt Gerald Hüther der Huffington Post.

„In dem Moment, wo ich einem Kind etwas erkläre, beraube ich es der Chance, es selbst herauszufinden.“

Wenn wir einem Kind erklären, wie etwas funktioniert, wird es vielleicht nie herausfinden, welche anderen, von mir nicht erklärten Eigenschaften etwas hat. Das zeigt folgendes Experiment: 2011 untersuchten Wissenschaftler, wie sich das Spielverhalten von Kindern auswirkt, wenn Erwachsene eingreifen.

Kinder im Vorschulalter wurden in zwei Gruppen eingeteilt und sollten sich mit einem Spielzeug beschäftigen. Das Spielzeug bestand aus mehreren Elementen und hatte verschiedene Funktionen. Ein Teil konnte hupen, einer konnte aufleuchten, einer hatte einen versteckten Spiegel und einer machte Töne. In einer Gruppe zeigte ein Erwachsener den Kindern, wie die Hupe funktionierte. Die andere Gruppe der Kinder spielte allein mit dem Spielzeug, ohne Erklärung eines Erwachsenen. Diese beiden Gruppen wurden verglichen: In der ersten Gruppe spielten die Kinder nur mit der Hupe und wiederholten immer wieder, was der Erwachsene ihnen vorgezeigt hatte. In der zweiten Gruppe fanden die Kinder alle Funktionen des Spielzeugs allein und probierten jede einzelne aus.

Das Beispiel zeigt klar, was Kinder brauchen: die Möglichkeit, selbst die Welt zu entdecken anstatt Erwachsene, die ihnen die Welt erklären. Das freie Spiel ist für Kinder die beste Möglichkeit, um zu lernen. Damit Kinder Lust am Lernen haben, brauchen sie genügend Zeit zum freien Spielen und die liebevolle Begleitung anstatt das Eingreifen Erwachsener.



EIN ARTIKEL VON
  • Marie-Thérèse Schmiedleitner

    Ich bin Pädagogin und seit Jahren in der Kinderbetreuung tätig. Darüber hinaus biete ich systemische Familienberatung für Babys, Kleinkinder und Elternworkshops an. Ich lese leidenschaftlich gerne Blogs und bin selbst begeisterte Bloggerin.


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