28. April 2018

Kinder im Umgang mit ihren Gefühlen unterstützen

Kinder im Umgang mit ihren Gefühlen unterstützen - meinefamilie.at

Wo Menschen – und besonders junge Menschen in ihren Entwicklungsjahren – zusammen sind, da „menschelt“ es. Kinder brauchen ihre Eltern als Reibungspunkt, als Spiegel und auch als Grenzen-Setzer. Durch Reibung entsteht Wärme, das gilt auch in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern!
Kinder müssen den Umgang mir ihren Gefühlen aber oft erst lernen. Wie können Eltern sie dabei begleiten und unterstützen?

Abends, wenn die Kinder im Bett sind, sprechen wir oft darüber: Was hat alles nicht funktioniert, wo haben wir falsch reagiert, wo sind wir zornig oder ungeduldig gewesen… Wie viele Fehler haben wir heute wieder gemacht! Dann sind wir oft unzufrieden. Wir wollen ja unseren Kindern vor allem zeigen, dass wir sie lieben! Wir wollen nicht immer nur mit Druck und Ärger arbeiten und erziehen. Wir möchten ein Familienleben, das harmonisch und ruhig abläuft. Alle sollen glücklich sein!

Aber wo Menschen – und besonders junge Menschen in ihren Entwicklungsjahren – zusammen sind, da „menschelt“ es. Kinder brauchen ihre Eltern als Reibungspunkt, als Spiegel und auch als Grenzen-Setzer. Durch Reibung entsteht Wärme, das gilt auch in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern! Und ist es nicht besser, sie probieren ihre Grenzen an uns aus? Immerhin wissen sie ja eigentlich, dass wir sie bedingungslos annehmen und auch nach Konflikten wieder in den Arm schließen und uns versöhnen.

Experiment: Verhalten – Reaktion

Eigentlich ist es spannend – sobald Kinder merken, dass ihr Verhalten eine Reaktion hervorruft, experimentieren sie. Das hat nichts mit Provokation oder „schlimm sein“ zu tun! Es ist ein ganz natürlicher Entwicklungsschritt, durch den Kinder nach und nach lernen, welches Verhalten welche Folgen hat. Schon ein Baby merkt, wenn es jemanden anlacht, lächelt er zurück! Das ist schön! Später kommt die bei Eltern wenig beliebte Phase: wenn ich etwas will, wie bekomme ich das dann? Hilft es, wenn ich mich auf den Boden werfe, wenn ich lautstark fordere?

Ruhig bleiben

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Auch der Umgang mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen muss erst gelernt werden. Überschäumende Freude wird quietschend gezeigt, der Ärger mit Stampfen oder Brüllen ausgedrückt. Hier heißt es für uns Eltern vor allem: ruhig bleiben. Von uns lernen Kinder, wie man mit seinen Gefühlen konstruktiv umgeht. Schreit das Kind wütend und wir reagieren gereizt oder womöglich genau so oder noch lauter, ist ein Konflikt inklusive Eskalation vorprogrammiert.
Ist ein Kind enttäuscht und ärgert sich, bringt es wenig, wenn wir es wegschicken und dabei verärgert schimpfen. Denn was lernen Kinder aus solchen Reaktionen? Dass Gefühle schlecht sind und das Ausleben negativ.

Was möchten wir als Eltern aber eigentlich, dass Kinder lernen? Dass Gefühle da sind und ausgedrückt werden dürfen – aber nicht auf jede Art und Weise.

Eltern als Vorbild: lernen Gefühle auszudrücken

Je älter das Kind ist, desto besser kann es sich verbal ausdrücken. Hier braucht es schon früh das Vorbild der Eltern. Dazu gehört zuerst das positive, bestärkende Lob. Möglichst konkret erzählen wir, was uns freut. Statt „Das hast du schön gemacht“, versuchen wir: „Ich habe gemerkt, dass du jetzt lange gemalt hast. Die verschiedenen Farben auf der Blumenwiese gefallen mir besonders! Was hast du dir denn noch überlegt?“

Genau so braucht das Kind in ärgerlichen oder wütenden Momenten die Gewissheit, dass wir es wahrnehmen. Konkret sprechen wir Gefühle an: „Ich merke, du ärgerst dich! Ich kann das verstehen, aber es ist mir wichtig dass wir das jetzt so machen, dass du deine Aufgabe erledigst, dass wir in Ruhe miteinander reden können…“

Von uns lernen Kinder, wie man mit seinen Gefühlen konstruktiv umgeht. Schreit das Kind wütend und wir reagieren gereizt oder womöglich genau so oder noch lauter, ist ein Konflikt inklusive Eskalation vorprogrammiert.

Jedes Kind findet andere Möglichkeiten, seine Gefühle auszudrücken. Manche machen das körperlich: stampfen, rennen, schreien. Andere brauchen eine Umarmung und wieder andere ziehen sich in ihr Zimmer zurück. Bei uns gilt: solange niemand anderer darunter leidet, ist es in Ordnung.

Ganz ehrlich, bei uns geht es auch manchmal laut zu. Da knallt auch einmal eine Türe oder wir reagieren laut. Wir sind auch „nur“ Menschen! Deshalb ist es auch so wichtig, dass Kinder merken, wie man danach mit solchen Situationen umgeht. Wenn sich alles wieder beruhigt hat, sprechen wir in Ruhe darüber. Wir erklären, was uns jetzt so aufgebracht hat. Wir geben zu, dass wir nicht ideal reagiert haben – und wir entschuldigen uns. Wir sagen auf jedem Fall dem betreffenden Familienmitglied, dass wir uns lieb haben!

Eltern – wir sitzen alle in einem Boot

Wir haben schon aus beiden Perspektiven erlebt, wie es mit Kindern im Kindergartenalter oft ist: im Kindergarten sind sie verständnisvoll, lösen Konflikte verbal, können

Kinder im Umgang mit ihren Gefühlen unterstützen - meinefamilie.atsich entschuldigen, teilen und kommen miteinander aus. Zuhause schaut das oft anders aus. Hier erleben wir immer wieder, dass Eltern erstaunt sind, wenn es uns als Pädagogen mit unseren eigenen Kindern genau so geht! Das hat einen guten Grund: Kinder probieren aus, vor allem bei und an ihren Hauptbezugspersonen – den Eltern – , was geht und was nicht. Hier wissen sie einerseits, dass sie trotzdem sicher geliebt sind, andererseits können Kinder bei ihren Eltern viel besser einschätzen wie sie reagieren – weil sie sie einfach besser kennen und eine innigere Beziehung haben. Dazu gehört auch, dass Eltern viel offener als Pädagogen ihre Gefühle zeigen (können und dürfen) und damit unmittelbar reagieren.

Ganz ehrlich, bei uns geht es auch manchmal laut zu. Da knallt auch einmal eine Türe oder wir reagieren laut. Wir sind auch „nur“ Menschen! Deshalb ist es auch so wichtig, dass Kinder merken, wie man danach mit solchen Situationen umgeht.

Um das Thema etwas abzurunden: Ruhe bewahren! Wir sind selber oft erstaunt, wie schnell sich eine Situation wieder beruhigen kann, wenn wir ruhig bleiben. Das ist oft leichter gesagt als getan, denn immerhin sind auch wir abends müde!

Es ist anstrengend, wenn die gleichen Diskussionen immer und immer wieder kommen. Trotzdem zahlt es sich aus, sich zu beherrschen. Nicht nur direkt in der Situation, sondern eben auch als Vorbild für unsere Kinder: es ist oft leichter, den Gefühlen nachzugeben und sie einfach rauszulassen – aber danach ist es schwer, in Ruhe darüber zu reden und eine Lösung zu finden.

Manchmal, wenn wir am Abend fertig sind mit unserem Zurückschauen auf den Tag und unzufrieden sind, hilft der Gedanke: jeder Tag ist eine neue Chance. Wir dürfen darauf vertrauen, dass uns vergeben wird und wir es wieder neu versuchen dürfen. Wir wissen, dass unsere Liebe trotz allem spürbar war und ist!

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EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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