3. August 2016

Kinder fördern? Mit dem richtigen Ziel

Kinder fördern - meinefamilie.at

In Zeiten großen Förderangebots sollten Eltern hinterfragen, worauf die Förderung ihrer Kinder eigentlich abzielt. Statt Wunderkinder großziehen zu wollen ist Hinschauen gefragt: Was braucht mein Kind jetzt, um glücklich zu sein?

Alle Eltern wollen ihre Kinder fördern. Die Maßnahmen dafür reichen von intellekt-fördernden Mozart-Klängen in der Schwangerschaft über Englisch schon im Kindergarten bis hin zu oft kostspieliger Nachhilfe oder Therapien bei Logopäden und Ergotherapeuten.

Es ist wichtig, dass uns die Zukunft unserer Kinder am Herzen liegt. Es ist nur natürlich, dass wir sie darauf gut vorbereiten wollen und ihnen Glück und Erfolg wünschen. Diverse Angebote, Kurse und Maßnahmen können dazu einen Teil beitragen. Und sofern sie dem Kind Spaß machen – und auch die Eltern nicht zu sehr unter Stress setzen – kann man sie mit Freuden nutzen.

Doch in Wirklichkeit wissen wir nicht, ob wir unseren Kindern durch die musikalische Früherziehung, das spanisch-sprechende Au pair-Mädchen oder die Lern-App am Handy einen Vorteil für ihre Zukunft verschaffen. Denn die Zukunft kennen wir nicht.

Der Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster lässt mit folgender Aussage aufhorchen: „Eine Generation, die zunehmend in den besten Jahren mit Burn-out zu kämpfen hat, entwirft für ihre eigenen Kinder einen Lebensweg mit noch mehr Tempo, noch mehr Leistung, noch mehr ‚Förderung’. Sie funktioniert Kindergärten zu Schulen um, weil sie glaubt, Kinder, die früh Mathe lernen, seien schneller am Ziel. Moment einmal – an welchem Ziel?“

Ja, an welchem Ziel denn? Kommt unsere Förderung den Kindern wirklich zu Gute? Was erhoffen sich Eltern eigentlich von Fördermaßnahmen?

Welches Ziel hat die Förderung?

Im Idealfall nicht, dass Kinder die Träume und Wünsche der Eltern erfüllen. Und auch nicht, dass sie den ausgesprochenen oder vermuteten Ansprüchen der Verwandtschaft, der Freunde, der Gesellschaft gerecht werden.

Spontane Antworten darauf sind wohl eher, dass das Kind seine Potentiale ausschöpfen kann, ihm viele Wege offen stehen. Dass es der Nachwuchs leicht(er) hat im Leben, man will ihm manch Enttäuschung und Erniedrigung ersparen.

Doch um das zu erreichen, läuft es oft dennoch darauf hinaus: Das Kind soll möglichst angepasst sein in unserer Gesellschaft. Durchschnittlich. Oder positiv auffallen. Denn „schlechte“ Leistungen, unerwünschtes oder auch nur ungewöhnliches Verhalten fällt negativ auf das Kind zurück.

Und oft wird nicht nur das Kind schlecht bewertet, sondern die Erziehungsberechtigten gleich mit. Ich gehöre nicht zu den Müttern, die so etwas einfach wegstecken. Ich will weder meine Kinder noch mich selbst irgendwelchen willkürlichen Bewertungen aussetzen. Doch das geht nicht.

Wenn Leistung zählt

Hört man in der Schwangerschaft noch von allen Seiten: „Hauptsache gesund!“, so ist dieser Leitsatz nach der Geburt schnell vergessen und alle Welt erkundigt sich danach, ob das Kind eh brav schläft oder bewertet sein Trinkverhalten.

Umso älter das Kind wird, desto mehr Dinge gibt es, die an ihm bewertet werden können. Und verglichen.

Statt der Frage: „Was interessiert dein Kind/dich gerade? Was macht ihm/dir Spaß?“ hört man: „Kann es schon sitzen/krabbeln/laufen/sprechen/schreiben/lesen? Nein? Aber die Cousine kann das schon. Die ist doch jünger.“

Auch wenn hinter vielen Bewertungen und Vergleichen keine schlechte Absicht steckt, so verunsichern sie manch angepassten Erwachsenen im Umgang mit seinem Kind dennoch. Laut einer Studie aus 2015, veröffentlicht im Eltern-Magazin, fühlen sich 40% der Eltern durch „gesellschaftliche Normen“ unter Druck gesetzt. Ich zähle mich dazu. Das soll aber nicht so bleiben.

Kinder fördern – mit Blick auf die Kinder

Der Blick auf die gesellschaftlichen Wünsche an die jüngste Generation soll mir nicht die Sicht auf die Bedürfnisse und Interessen meiner Kinder verstellen. IHRE Gefühle, IHR Weltbild und IHRE Interessenslage sollen Antrieb für meine Fördermaßnahmen sein. Hinschauen ist gefragt. Den Kindern zuhören. Und auch einmal darauf warten, dass Anregungen (oder auch Lösungsvorschläge, wenn es um akute „Probleme“ – etwa in der Schule – geht) vom Kind kommen. Nicht immer proaktiv ein Beschäftigungs- bzw. Förderprogramm auf die Beine stellen. Und anstatt an einem Mangel zu arbeiten, der womöglich dazu führt, dass mein Kind später einmal unglücklich ist oder es schwerer hat, will ich zuerst hinterfragen, ob es denn im Moment glücklich ist. Denn das JETZT kann ich garantiert beeinflussen.

Ich möchte JETZT meine Kinder dahingehend fördern, glücklich, selbstständig und emphatisch zu sein.

Eigenschaften, die ihnen in jeder Lebenslage zu Gute kommen. Sind sie so schneller am Ziel? Wohl nicht. Aber dafür legen sie ihre Ziele selbst fest und erreichen diese aus eigenem Antrieb in ihrem eigenen Tempo. Ich persönlich finde 76-jährige Uni-Absolventen beeindruckender als 8-jährige Wunderkinder.

Es soll nicht bei meinem guten Willen bleiben! Daher habe ich ein paar Vorsätze gefasst, wodurch ich meine – noch sehr kleinen – Kinder fördern möchte.

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EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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