24. Februar 2017

Kinder als Lügner bezeichnen?

Du lügst! Die Wirkung der Worte auf unsere Kinder - meinefamilie.at

„Du lügst!“, kann ein gut gemeinter Scherz sein oder eine selbsterfüllende Prophezeiung. Denn Worte, die das Kind zu hören bekommt, haben ihre Wirkung. Über die Kommunikation mit unseren Kindern und denjenigen, die mit ihnen sprechen.

Wenn Erwin, 15 Monate alt, ganz allerliebst vor sich hinplappert, meint die Oma scherzhaft: „Du lügst!“ Für beide ist es ein lustiges Spielchen. Der Mutter gefällt das nicht. Sie weiß, es ist nicht bös gemeint, doch ist sie irritiert, aus gutem Grund. Zwei Fragen tun sich auf: Welche Folgen haben solche Worte für das Kind und wie ist dies der alten Dame zu vermitteln, ohne sie mit Kritik vor den Kopf zu stoßen?

Liebevoll kritisieren

Anstatt die Schwiegermutter zu maßregeln könnte die Mutter fragen: „Du sagst Erwin immer wieder ‚Du lügst‘. Wie meinst du das?“ Die Oma wahrscheinlich: „Ach, das ist ein Scherz, das hab ich nicht so gemeint!“ Die Mutter anerkennt: „Das weiß ich! Aber wie soll sich Erwin auskennen?“ Danach eine Bitte, eine Begründung und eine Frage:  „Bitte lass das. Das verwirrt. Du willst doch sicher nicht, dass Erwin zum Lügner wird?“ Das wird die alte Dame verneinen und die Mutter kann einlenken: „Danke, dass du meine Worte annimmst. Ich weiß ja, wie sehr du unseren Kleinen liebst!“

Die Oma wird merken: Der Schwiegertochter geht es nicht ums Rechthaben, sondern um das Kindeswohl. Das ist die gute gemeinsame Basis.

Wenn Worte verwirren

Worte haben eine Bedeutung und Kinder spüren sie intuitiv, lange bevor sie sprechen können. Hier haben Wort und Sinn eine unterschiedliche Bedeutung, aber welche? Kinder können nicht lügen, sie verstehen keine Ironie, sie spüren die Doppelbotschaft und sind verwirrt. Ist ein Lügner für die Oma etwas Gutes? Im Vorschulalter ist es wichtig, dass Kinder zwischen Wirklichkeit und Fantasie unterscheiden lernen, später zwischen Wahrheit und Lüge, damit sie einen festen, geradlinigen Charakter entwickeln können.

Selbsterfüllende Prohezeiungen

Nicht zu unterschätzen ist auch die Kraft der selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Kinder werden zu dem, wofür man sie hält.

Auch größere Kinder, die gelegentlich „flunkern“ darf man nicht leichtfertig als Lügner abstempeln. Man muss ihnen behutsam und klar den Unterschied erklären, ohne durch Beschuldigungen ein negatives Selbstbild zu erzeugen. Zuerst sollte man den Gefühlen nachspüren, z.B.: „Du hattest Angst, es zuzugeben, darum hast du gesagt, du warst es nicht“. Dann kann das Kind die Wahrheit zugeben, ohne sich abgelehnt zu fühlen. Wahrheit und Liebe sind die höchsten Werte. Nicht umsonst heißt es in der Bibel: „Deine Rede sei ja, ja, nein, nein!“

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