20. Januar 2017

Die Entspannungsfrage: „Ist das jetzt wirklich wichtig?“

Ist das jetzt wirklich wichtig - meinefamilie.at

Anstatt gestresst zu sein und das Kind unter Druck zu setzen, weil die Situation nicht nach Plan verläuft, können sich Eltern die Frage stellen: Ist das jetzt wirklich wichtig? Oder haben wir 10 Minuten länger Zeit? Eine Entscheidung, die entspannt.

Die Zeit drängt und Ihr Kind macht nicht das, was Sie möchten. Sei es das morgendliche Zähneputzen und Anziehen oder ein Spiel zu beenden, in das es gerade versunken ist. Es gibt im Alltag oft Situationen, in denen Sie unter Zeitdruck sind. Ihr Kind spürt, dass Sie es eilig haben, gestresst sind und daher „Druck machen“ und kann nicht mehr das tun, wozu Sie es auffordern. Wenn Sie dann ärgerlich oder wütend werden, verschlimmert das die Situation nur noch mehr.

Wie geht es mir, wenn ich unter Druck stehe?

Denken Sie einmal an eine Situation, in der es Ihnen selbst einmal so ergangen ist. Jemand verlangt etwas von ihnen, jetzt, sofort, Sie wollen das aber gerade nicht tun. Das allein stresst schon. Dann besteht derjenige drauf, hört nicht auf, auf sie einzureden. Das stresst Sie noch mehr, der Druck wird größer und dann wird derjenige auch noch wütend und schreit sie an. Panik! Sie sind entweder völlig gelähmt und handlungsunfähig oder brüllen zurück. Egal wie Sie reagieren, eines ist sicher: Sie können auf keinen Fall das tun, was von ihnen verlangt wird. So geht es unseren Kindern auch.

In solchen Situationen hilft die Zauberfrage: „Ist das jetzt wirklich wichtig?“ Ein Beispiel: Sie holen ihr Kind von einem Freund ab, mit dem es gerade spielt. Sie haben es eilig und stehen im Mantel im Vorzimmer, rufen ihr Kind und es kommt nicht. Sie werden mit jeder Sekunde, die vergeht, nervöser, Ihr Tonfall wird bestimmter und dann auch lauter. Aber Ihr Kind reagiert nicht oder weigert sich zu gehen. Was tun? Schimpfen? Drohen? Schreien? Nein.

Zuerst innerlich STOP sagen, tief durchatmen und dann sich selbst fragen: „Ist es jetzt wirklich wichtig, dass wir sofort losmüssen?“

Bewusste Entscheidung: Es wird länger dauern

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Auf Augenhöhe mit dem Kind sein.

Wenn die Antwort nein ist: Entscheiden Sie sich ganz bewusst dafür, dass es zehn Minuten länger dauern wird. Diese zehn Minuten haben Sie in fast allen Situationen, in welchen Sie bisher dachten, es gerade sehr eilig zu haben. Falls die Antwort ja ist: Denken sie an die letzte Situation, in der Sie es eilig hatten, Ihr Kind aber nicht das tat, was sie wollten. Wie lange hat es gedauert, bis Sie Ihren Willen durchgesetzt haben? Wie haben Sie sich gefühlt? Wie hat Ihr Kind sich gefühlt?

Wäre es vielleicht für alle Beteiligten besser gewesen, sich gleich bewusst und freiwillig zehn Minuten mehr Zeit zu nehmen um alles in Ruhe zu lösen?

Auf Augenhöhe mit dem Kind

Ok, weiter im Beispiel. Sie haben nun zehn Minuten Zeit. Ziehen Sie den Mantel aus, gehen Sie zu ihrem Kind, gehen Sie auf Augenhöhe. Wenn es gerade passt, berühren Sie es zärtlich. Anerkennen Sie, was ihr Kind gerade macht: „Ich sehe, du spielst gerade und das macht dir Spaß.“ Ihr Kind spürt, dass es gesehen wird und keinen Druck mehr hat. Sie selbst haben eine klare Entscheidung getroffen, sind nicht mehr gestresst und daher kreativ. Es wird Ihnen etwas einfallen, womit sie ihr Kind zum Gehen motivieren können. Meistens werden Sie die zehn Minuten gar nicht brauchen, denn Kinder reagieren auf unsere emotionalen Veränderungen sehr schnell.

Ihr Kind ist ruhig und gelassen, weil Sie es auch sind. Und Sie können entspannt den Heimweg antreten.

Falls nun der Gedanke auftaucht, dass es unmöglich ist, sich jeden Morgen länger Zeit zu nehmen – nein, ist es nicht. Es hilft sehr, anfangs mal zehn oder 15 Minuten früher aufzustehen, damit alles ganz entspannt ablaufen kann. Wenn es dann läuft, weil kein Druck und Stress mehr da ist, dann können Sie auch wieder länger schlafen.

Kommende Termine

Autorin Margit Dechel bietet Schnupper-Workshops in ihrem Beratungszentrum „Bewusste Eltern“ an:

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