17. Oktober 2017

Ich will das Beste für mein Kind – stimmt das?

Ich will das Beste für mein Kind - meinefamilie.at

Wir meinen, wir tun etwas unserem Kind zuliebe, doch wir machen es zu unserem eigenen Vorteil. Wer das erkennt, kann besser konsequent sein.

Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Nur – was ist „das Beste“? Davon hat jeder Elternteil andere, oft aufgrund von Erfahrungen aus der eigenen Kindheit sehr feste Vorstellungen. Die meisten gehen davon aus, dass Eltern etwas Bestimmtes tun sollen, damit sie „gute Eltern“ sind und es ihren Kindern „gut geht“.

Es geht aber nicht um bestimmte Handlungen, sondern um die Emotionen und Absichten, die dahinter stehen. Nur, wer weiß schon, welche Emotion seiner Handlung gerade zugrunde liegt? Welche wirkliche Absicht oder Motivation hinter einer bestimmten Handlung steht? Mache ich etwas, weil ich eine „gute Mutter“ oder ein „guter Vater“ sein will, also mir zuliebe? Oder mache ich es ohne eigenes Bedürfnis dahinter, nur meinem Kind zuliebe? Das ist schwer zu unterscheiden, wenn wir nicht wissen, welche Emotion und Absicht uns gerade „anleitet“.

Schlechte Gefühle gehören zum Menschsein

Oft sind unsere Emotionen gut versteckt, verleugnet, verdrängt oder unterdrückt, weil wir uns selbst nicht mögen, wenn wir wütend, ängstlich, schwach, hilflos, beschämt, schuldig, neidisch oder gierig sind. All das sind wir lieber nicht, all diese Emotionen wollen wir nicht haben –  und doch fühlt sich jeder ab und an mal so und es gehört dazu zum Menschsein. Jedes dieser Gefühle trägt aber dazu bei, eine Handlung zu setzen, die uns „da wieder rausholt“. Ein kleines Beispiel: Ich habe Angst, dass mein Kind sich verkühlt und daher muss es jetzt eine Jacke anziehen. Es ist meine Angst, die ich dadurch „beseitigen“ will und ich werde mein Kind gegebenenfalls, je nachdem wie groß die Angst ist, auf die eine oder andere Art und Weise dazu bringen oder zwingen, die Jacke anzuziehen und übersehe dabei, dass meinem Kind überhaupt nicht kalt ist uns es daher null Sinn darin sieht, sich wärmer zu kleiden.

Oder ich schäme mich, weil mein Kind an der Supermarktkassa in wildes Geschrei ausbricht, damit es die begehrte Schokolade bekommt, obwohl ich schon drei Mal nein gesagt habe. Ich werde sie, so mein Kind hartnäckig ist und meine finanziellen Verhältnisse es erlauben, wahrscheinlich kaufen, damit Ruhe ist. Nicht „für mein Kind“, also weil Schokolade ihm so gut tut, sondern weil ich mich nicht mehr schämen muss. Davon gibt es tagtäglich viele Beispiele, weil unser Gehirn bei seinen Entscheidungen immer als Erstes darauf schaut, dass es uns selbst „gut geht“ – und da gehören im Normalfall negative Emotionen einfach nicht dazu.

Wir entscheiden zu unserem Vorteil

Jede Entscheidung wird von unserem Gehirn binnen Millisekunden getroffen – und für unser Gehirn geht es (entwicklungsgeschichtlich notwendigerweise) in vielen Fällen „ums Überleben“ oder zumindest um unser Wohlergehen. Wir können daher davon ausgehen, dass jede Entscheidung samt darauffolgender Handlung aus der Perspektive unseres Gehirns – und das entscheidet ohne unser bewusstes Zutun, denn wer kann schon bewusst eingreifen, wenn der Entscheidungsprozess nicht mal eine Sekunde dauert? – zumindest AUCH uns zugute kommt. „Auch uns“ wäre nicht das Problem, dann hat ja jeder was davon. Oft aber fällt die Entscheidung nur für uns aus. Dann kann es sein, dass die betreffende Handlung mehr oder minder schlecht für andere Beteiligte ist und vielleicht auch noch für weit mehr Konflikte sorgt, als uns lieb ist.

Der langen Rede kurzer Sinn:

Unser Gehirn ist kaum in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die nur und ausschließlich für andere gut sind. Auch nicht, wenn es unsere Kinder betrifft.

Selbst wenn wir anderen helfen und vermeintlich „selbst gar nichts davon haben“, haben wir ja doch ein angenehmes Gefühl von „Gebrauchtwerden“ oder „Mich-wertvoll/wichtig-Fühlen“, „eine gute Mutter/Vater sein“ oder „ein guter Mensch sein“ dabei.

Meine Gedanken bewusst wahrnehmen

Kennen wir unsere Gedanken und Emotionen und können wir diese bewusst wahrnehmen, haben wir die Möglichkeit, uns jederzeit neu zu entscheiden, auf unsere (vermeintlichen) Vorteile zu verzichten und „das Beste“ für andere zu tun.

Zum Beispiel kaufe ich meinem Kind die Schokolade nur deswegen, weil ich mich nicht länger schämen will. Wenn ich mir dessen bewusst bin, kann ich mich entscheiden, mein Gefühl einfach da sein zu lassen und bei meinem „nein“ zu bleiben. Egal ob aus dem Grund, dass es für mein Kind gesünder ist, nicht bei jedem Einkauf Schokolade zu essen und/oder weil es für mein Kind besser ist, es sich insgesamt sicherer fühlt und mehr Vertrauen haben kann, wenn es Mama oder Papa als konsequenten Menschen erlebt, der seinen Worten auch Taten folgen lässt.

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Die Autorin Margit Dechel bietet in ihrem Beratungszentrum „Bewusste Eltern“ Schnupperworkshops an. Die nächsten Termine:

Die  nächsten Workshop-Programme starten Mitte November.



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