11. Mai 2017

Ich bin so furchtbar stolz auf dich!

Stolz pixabay meinefamilie at

Mein Kind hat in dieser Woche etwas ganz Einmaliges gemacht und ich bin ganz furchtbar stolz auf ihn: Gemeinsam mit seiner Klasse hat er bei der Eröffnung des neuen Giraffenparks im Tiergarten Schönbrunn ein eigens von seiner Lehrerin komponiertes Lied gesungen.

Das Giraffenlied hat seine Lehrerin eigens für diesen Anlass komponiert und es gemeinsam mit den Kindern einstudiert. Vor einer großen Menschenmenge haben die Kinder das Lied dann bravourös zum Besten gegeben und viel Applaus bekommen.

Einigen Eltern, so wie mir und meinem Mann, war es vergönnt, an diesem Tag frei zu bekommen, um diesem Auftritt beiwohnen zu können. Und ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das freut. Zu sehen, mit wieviel Freude, Stolz und Selbstsicherheit mein Kind und seine Klassenkollegen – die mir ja, nebenbei bemerkt, auch schon alle sehr ans Herz gewachsen sind – auf der Bühne agieren, war einmalig schön. Und ich war – ja ich traue mich, das zu sagen – wirklich stolz. Die Kinder haben das großartig gemacht.

Wahnsinn, was er sich alles zutraut

Aber das mit dem Stolz auf die eigenen Kinder ist ja manchmal so eine Sache. Viel zu schnell wird der berechtigte Stolz auf das eigene Kind als Angeberei verstanden. Schade eigentlich, denn meistens ist es so nicht gemeint.

Mich persönlich etwa erstaunt es einfach nur immer wieder – und immer öfter – was sich mein Sohn alles traut, was er sich alles zutraut und was er von sich aus, ohne dass es ihm jemand „anschafft“, machen will und machen kann. Dinge, die ich mich in seinem Alter nie getraut hätte. Vor vielen Menschen zu sprechen etwa. Alleine von der Schule nach Hause zu gehen. Für andere Partei zu ergreifen, wenn sie ungerecht behandelt werden – und zwar ganz unabhängig davon, ob es sich um die besten Freunde handelt oder nicht. Seine eigene Meinung zu äußern, auch wenn längst klar ist, dass die anderen anderer Meinung sind und bleiben. Diesem Erstaunen will ich dann natürlich auch Ausdruck verleihen und sagen, dass ich stolz bin. Und auch mein Sohn ist auf manche Dinge sehr stolz und will das sagen. Und zwar abseits jeglicher Angeberei.

Stolz darf sein

Aber worauf „darf“ man denn eigentlich stolz sein? Wo endet Stolz und wo beginnt Angeberei? „Stolz, das ist die tiefe innere Zufriedenheit mit einer Leistung“, sagt dazu Brigitte Ettl, Psychotherapeutin, Wirtschaftscoach und Mediatorin. „Stolz bin ich dann, wenn ich ein gestecktes Ziel erreicht habe.“ Stolz sei das Gefühl hinter dem Eigenlob. Und dieses Gefühl ist wiederum die Voraussetzung für ein gutes Selbstwertgefühl. Um das wiederum zu bekommen, brauchen wir – unter anderem – die Anerkennung anderer.

Für mich heißt das: Es ist nicht nur eine gute Idee, auf meinen Sohn stolz zu sein, wenn er etwas Gutes gemacht hat, sondern auch anderen davon zu erzählen. Auch so, dass mein Sohn das mitbekommt. Und ich kann das getrost tun, ohne gleich das Gefühl zu haben, eine überehrgeizige Mama zu sein.

Das Grundgefühl der Dankbarkeit

Einen einfachen Tipp hat Brigitte Ettl auch, wenn es um die Frage geht, wie ich das Gefühl des Stolzes auf einem gesunden Level belasse, wie das Gefühl des Stolzes nicht zum Hochmut wird. „Damit der Stolz nicht zu Hochmut ausartet, braucht es das Grundgefühl der Dankbarkeit“, sagt Brigitte Ettl. Dankbarkeit vor allem auch für die kleinen Dinge des Lebens, für die wunderbaren Winzigkeiten im Alltag. „Das kann eine hilfreiche Hand beim Erledigen einer mühsamen Aufgabe sein, es kann aber auch einfach das Erleben eines Sonnenaufgangs, das Betrachten einer Blume sein“, so Brigitte Ettl: „Mit dieser Achtsamkeit für die kleinen ,Perlenerlebnisse‘ im Alltag nähre ich meinen Speicher der Dankbarkeit – und damit wird der Stolz auf ein gesundes Maß reduziert.“

Wie immer: Wir lernen durch Vorbilder

Brigitte Ettl sagt noch etwas anderes, sehr wichtiges: „Eltern können Kindern hier durchaus mit gutem Beispiel vorangehen und dürfen sich auch selbst loben – für ein gutes Essen, den Wochenputz oder den Besuch bei einer anstrengenden Tante. Es dürfen also durchaus alltägliche Taten sein. Denn natürlich brauchen wir für ein gutes Selbstwertgefühl die Anerkennung anderer, doch ebenso wichtig ist hier der anerkennende ,Blick in den Spiegel‘.“

An all das werde ich das nächste Mal denken, wenn ich anderen erzählen möchte, wie stolz ich auf mein Kind bin. Und ich werde daran denken, wenn ich das nächste Mal stolz bin auf etwas, was ich getan habe.

Tipp am Rande: Giraffenpark neu

Der Giraffenpark in Schönbrunn, bei dessen Eröffnung mein Sohn mit seiner Klasse und seiner Lehrerin ihr Giraffenlied gesungen haben, ist – nebenbei bemerkt – sehr, sehr schön geworden. Überhaupt tut sich im Tiergarten Schönbrunn immer wieder eine Menge – ein Besuch lohnt sich also in jedem Fall. „Im Tiergarten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert“, sagt dazu Dagmar Schratter, Direktorin des Tiergarten: „Neue Tierhäuser, größere Gehege, naturnah gestaltete Lebensräume. Geblieben ist die denkmalgeschützte Architektur, die den Tiergarten, der Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, einzigartig macht.“ „Mit dem neuen Giraffenpark wird die historische Substanz erhalten und zugleich eine artgerechtere Haltung gewährleistet“, betonte auch Reinhold Mitterlehner, zum Zeitpunkt der Eröffnung noch Wirtschafts- und Tourismusminister und damit Eigentümervertreter des Bundes. Für die beiden Giraffendamen beginnt nun das Leben im Giraffenpark. Für Reinhold Mitterlehner war die Eröffnung des Giraffenparks der letzte offizielle Termin.

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.



2 Kommentare
  • Maria L, 13. Mai 2017, 22:35 Antworten

    Danke für die wertvollen Gedanken! Maria L

  • Ingrid-Maria Aichmair, 20. Mai 2017, 11:11 Antworten

    Es stimmt, dass man sehr rasch als "Angeber" abgestempelt wird wenn man "auf etwas stolz ist", was einem gelungen ist. Vielleicht klingt es besser, wenn man sagt: "Ich freue mich, dass mir das gelungen ist!" --- Persönlich gestehe ich ein, dass, wenn ich auf "etwas stolz bin" sogar eine schlechtes Gewissen bekomme eingebildet zu sein. Nun versuche ich, wenn mir etwas gut gelingt Dankbarkeit zu empfinden, dass ich die Fähigkeit habe/hatte, das oder jenes zu vollbringen!!!

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