3. März 2016

Drei Kinder, keine Wohnung – aber viel Vertrauen

Himmel - meinefamilie.at

Wenn das familiäre (Wohn-) Glück bedroht ist, hilft der unerschütterliche Glaube einer Großtante, die weiß: “Mit jedem Neugeborenen schickt der Himmel das tägliche Brot!” Eine wahre Geschichte.

Mit einer verrückten Liebe zueinander begannen wir unser gemeinsames Leben. Da wir das Abenteuer Ehe als „Spätberufene“ eingegangen waren, baten wir den Himmel um eine Beschleunigung unserer Kinderwünsche. Er nahm uns tatsächlich beim Wort. Innerhalb von zwei Jahren wurden uns drei Kinder geschenkt: zwei Mädchen und ein Junge. Aller guten Dinge sind drei!

Wenn wir uns manchmal bei materiellen Engpässen fragten, wie es weitergehen würde, dann erinnerten wir uns an die Worte unserer 92-jährigen Großtante Jamile: Mit jedem neugeborenen Kind schickt auch der Himmel das tägliche Brot.“

Familienglück und Wohnungsnot

Eines Tages stand der Besitzer unserer Mietwohnung vor der Tür. Mit den Worten „Euer Appartement ist für den nächsten Monat gekündigt!“, stellte er uns vor vollendete Tatsachen. „Aber wir haben doch Schlüsselgeld bezahlt“, versuchte ich einzuwenden. „Von welchem Schlüsselgeld reden Sie denn da? Ich kann mich an so was nicht erinnern“. „Sie können uns doch nicht einfach auf die Straße setzen!“, wandte meine Frau Louisa ein. „Und ob ich das kann. Wenn ihr nicht freiwillig geht, werde ich euch die Tür einschlagen!“

Wie hatte uns doch Tante Jamile versichert: „Mit jedem neugeborenen Kind schickt auch der Himmel das tägliche Brot“. Mit diesem Trost im Herzen machten wir uns auf Wohnungssuche. Wider Erwarten fanden wir bald ein zu vermietendes Apartment. Gerade zugeschnitten auf unsere kleine Familie mit dem ersten Kind.

Der Besitzer schüttelte mir als frischgebackenem Vater beim Vertragsabschluss kräftig die Hand und versicherte: „Ich betrachte Sie wie meinen Sohn. Sie können in der Wohnung so lange bleiben, wie Sie möchten.“

Voller Freude schickten wir ein Dankgebet zum Himmel. Doch schon nach einem Jahr rief uns der Eigentümer zu sich. „Mein Jüngster braucht leider jetzt die Wohnung. Tut mir leid. In drei Monaten ist die Kündigungsfrist abgelaufen.“ „Aber Sie hatten mir doch in die Hand versprochen…“, stotterte ich leise. „Sorry, aber die Lage hat sich radikal geändert“, war die unwiderrufliche Antwort.

Großtante Jamiles Zuversicht

So machten wir uns auf und besuchten Tante Jamile. Vielleicht wusste sie Rat. Als wir ihr Zimmer betreten wollten, gab sie uns mit der Hand ein Zeichen. „Wartet noch einen kleinen Moment. Ich bin gerade im Gespräch mit Gott. Wenn ich mein Gebet beendet habe, habe ich eine ganze Ewigkeit für euch zur Verfügung“. Die Funken ihrer Herzenswärme und ihr großes Gottvertrauen sprangen sofort auf uns über. Wir vertrauten ihr an, dass unser zweites Kind unterwegs war.

Als wir uns von ihr verabschiedeten, schaute uns Jamile tief in die Augen. „Macht euch keine Sorgen. Es wird alles gut. Mit jedem neugeborenen Kind schickt auch der Himmel das tägliche Brot“.

Bei unserer erneuten Wohnungssuche klapperten wir viele Häuser ab. Schließlich wurden wir fündig: eine große Wohnung mit Balkon und einem Garten noch als Zugabe. Die Besitzer saßen diesmal weit weg in den USA. Auch der Preis war erschwinglich. So schlugen wir zu. Die Kinder lebten auf. Inzwischen waren es schon drei. Im Garten legten wir ein kleines Stück Rasen an. Dort konnten die Kleinen spielen und herumtollen. Aber auch hier hielt die Familienidylle nur kurz. Das Besitzerpaar kam von Amerika zurück und zog in die Wohnung im Erdgeschoß ein. Die Hausherrin wachte wie ein Luchs über ihr Anwesen, dass ja kein Blümchen und kein Blatt aus dem Garten verschwanden. Eines Tages ließ sie das mit viel Liebe angelegte und sorgfältig gehegte Rasenstück betonieren. Außerdem gab es ein Gartenverbot für die Kinder. Aber das war noch nicht alles. Nach heftigen Niederschlägen im Januar begann das Haus sich zu senken. Risse entstanden. Wir fühlten uns mit den anderen Mitbewohnern nicht mehr sicher in unseren vier Wänden. Ein Arzt in der Wohnung nebenan verließ mit seiner sechsköpfigen Familie fluchtartig das Haus.

Wir erinnerten uns gegenseitig an die Worte von Tante Jamile. Sätze, die sich uns wie Feuer ins Herz eingebrannt hatten: „Mit jedem neugeborenen Kind schickt auch der Himmel das tägliche Brot“. Trotzdem begannen Zweifel an unserer Seele zu nagen: „Das kann doch nicht so weiter gehen! Unsere Kinder sind total desorientiert. Lieber in einer Grotte leben als wieder mit einem Besitzer im Genick. Dreimal umgezogen ist doch so viel wie einmal abgebrannt. Alle Möbel sind demoliert. Herr, zeige uns um unserer Kinder willen einen Ausweg aus dieser Situation ohne Dach über dem Kopf!“

Eine neue Heimat mit Gottes Hilfe

Auf unserer Odyssee fanden wir tatsächlich ein leer stehendes Haus. Eine halbe Ruine. Doch mit einer guten Baumasse aus festen Natursteinen. Der Garten drum herum war total verwildert. Sollte das der Fingerzeig Gottes sein? Die Nachbarn kannten nur den Namen des Besitzers. Er lebe in Chile und wolle dieses Haus verkaufen. Doch niemand konnte uns seine Adresse oder Telefonnummer nennen. Also rief Louisa mit einem unverschämten Gottvertrauen die Auskunft in Chile an und fragte ganz selbstverständlich nach der Nummer des betreffenden Mannes. Zwei Minuten später hatte sie ihn an der Strippe.

„Ja Sie können gern das Haus kaufen“, war seine Antwort.“ – „Abgemacht. Wir stehen zu dem Deal. Wir nehmen das Haus“, antwortete meine Frau mit dem vollen Brustton der Überzeugung. –„O.K. Ich komme in drei Monaten. Halten Sie das Geld bereit“.

Ich war während des Telefonates kreidebleich im Gesicht geworden. „Woher wollen wir so viel Geld auftreiben?“ Louisa schaute mich mit einem strahlenden Lächeln an. „Hast du die Worte von Tante Jamile vergessen? Mit jedem neugeborenen Kind schickt auch der Himmel das tägliche Brot. Außerdem spielt bei Gott letztlich Geld keine Rolle. Dürfen wir ihn nicht unseren Vater nennen?“. Bei so viel „Glaubensübermut“ musste schließlich auch ich kapitulieren. So bestürmten wir gemeinsam weiter den Himmel.

Zwei Wochen später trafen wir einen Priester aus Italien. Als einem langjährigen Freund vertrauten wir ihm unser aktuelles Gebetsanliegen an. „Wartet mal“, rief er spontan. „Vielleicht ist euer Gebet schon erhört. Ich könnte ja mal die Leute meiner Pfarrei fragen, ob sie nicht bereit wären, euch ein unbefristetes, zinsloses Darlehen zu geben“. Und so geschah es. Drei Wochen später kam der Besitzer aus Chile und nahm sein Geld in Empfang. Das Haus gehörte nun uns. Wir konnten es mit unserem Ersparten restaurieren und noch vor der Kündigungsfrist unser Eigenheim beziehen. Wie recht doch Tante Jamile hatte: „Mit jedem neugeborenen Kind schickt auch der Himmel das tägliche Brot“.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe aus Deutschland ins Heilige Land führte, fand ich meine zukünftige Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe, Reiseleiter und Schriftsteller fand ich in der Heimat Jesu auch meine “wahre” Heimat.


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