7. April 2015

Gleichgewicht beim Attachment Parenting


Wir stellen weitere zwei der sieben “Baby Bs” des Attachment Parenting vor: Babys tragen und die Eltern-Kind-Bindung im Gleichgewicht halten.

Die Bindung zu den Eltern ist für Kinder nicht nur wichtig, sie ist lebensnotwendig. Die gesamte Erziehung bindungsorientiert zu gestalten, dafür steht „Attachment Parenting“ (AP), vor allem geprägt vom US-amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears und basierend auf den sogenannten 7 „Baby Bs“. Nach „Bindung“ und „Stillen“ (lies dazu den ersten Blogbeitrag zum Thema) folgen nun „Tragen“ und „Gleichgewicht“.

Tragen

Vor allem kleine Babys (aber bei weitem nicht nur) lieben es, getragen zu werden. Erfahrungsgemäß beinahe jedes Baby, selbst unser extrem freiheitsliebendes Mädchen, das es nie länger als einige Minuten in Gitterbett, Laufgitter, etc. aushalten wollte, schlief friedlich in diversen Tragehilfen oder erkundete darin mit uns die Welt. Kein Wunder, ziemlich genau so haben Babys ihre ersten neun Lebensmonate im Mutterleib verbracht, warum sollte sich diese Gewohnheit ganz schlagartig ändern?

Auch all jene, die wie ich trotzdem nicht auf ihren Kinderwagen verzichten wollen, werden es oft – bei unzähligen Spaziergängen, schnellen Einkaufswegen, an Krankheitstagen oder bei Einschlafproblemen – ihrer Trage verdanken, dass das Kind schläft. Das Angebot ist riesengroß, somit ist für jeden etwas dabei: Tragetücher, Slings, Tragehilfen, zum Binden, zum Schnallen, mit Klettverschluss. Um Zeit, Kopfzerbrechen und vor allem Geld zu sparen, empfiehlt sich eine Trageberatung (kompetente Beratung und vor allem die Möglichkeit, alle möglichen Modelle durchzuprobieren). Ich hatte keine – aus Fehlern lernt man! 😉

Gleichgewicht

Balance. Wie der Name schon sagt, ist wie in allen Dingen auch bei AP das gesunde Maß – das Gleichgewicht – sehr wichtig. Babys (alle Kinder) brauchen eine gute Bindung, daher gibt es kein „zu viel“ oder „zu stark“ gebunden, aber doch so etwas wie „am Ziel vorbei geschossen“. Jedes Kind ist anders, doch eines haben sie alle gemein: Sie brauchen ausgeglichene, zufriedene, glückliche Eltern. So viel Nähe und Aufmerksamkeit meine Tochter oft auch braucht, kurz vor dem Umfallen oder nahe einem Nervenzusammenbruch bin ich ihr als Mami keine Hilfe mehr. Da kann ein ausgeglichener Papi oder eine energiegeladene Omi für ein paar Stunden sehr viel mehr geben.

Natürlich sollen die Bedürfnisse des Kindes nie aus den Augen verloren werden, so können beispielsweise viele Abläufe des Alltags diesen angepasst werden. Gesunde, tiefe Bindung hat aber nichts damit zu tun, keinerlei Grenzen zu setzen.

Geregelte Abläufe, Schlafens- und Essenszeiten – natürlich dem Kind entsprechend – sowie Regeln im Allgemeinen sind keine Schimpfwörter. Sie kommen dem Kind, und dabei einigen Charaktertypen bestimmt noch mehr als anderen, sehr wohl zu Gute.

Kurz heißt all das für mich: Bindung bedeutet nicht, auf seinem Kind zu sitzen, dieses emotional an sich zu ketten und unfähig zu machen, eine eigenständige kleine Person zu sein und zu werden. Eine ausgeglichene Bindung will Geborgenheit, Rückhalt und Selbstsicherheit vermitteln, die dem Kind erlauben, zuversichtlich die große Welt zu erkunden, wissend um seine es liebenden Eltern, die ihm verlässlich zur Seite stehen und den Rücken stärken.

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Weinlich

    Ich komme aus Südtirol, studierte Geschichte in Rom und bin vor 5 Jahren in Wien sesshaft geworden. Seit Mai 2014 bin ich Vollzeitmami. Meine Begeisterung gilt meinem Mann, unserer Tochter, dem Sommer & Sonnenschein, Pizza, den USA (Ort all meiner Reiseträume) und dem lieben Gott.


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