27. November 2015

Gibt es die richtige Geschwisterkonstellation?


Ausgiebig habe ich mich mit dem Thema “ideale Geschwisterkonstellation” beschäftigt, bevor wir Kinder bekamen. Die Praxis hat mich eines Besseren gelehrt: Egal welche Geschwisterkonstellation, Streiten gehört dazu.

Ich bin als die Älteste von sieben Kindern aufgewachsen, bekam von meinen jüngsten beiden Brüdern (20 bzw. 22 Jahre jünger) allerdings nicht mehr viel mit, da ich schon außer Haus war. Für meine „mittleren“ Geschwister, die im Schnitt zehn Jahre jünger waren, war ich fast so etwas wie eine „Zweitmama“. Erst im Erwachsenenalter fühlte ich mich wirklich „nur“ als große Schwester. Ich nahm mir fest vor, die Altersabstände unserer Kinder einmal möglichst ideal zu planen – für mich selbst, aber auch für die Kinder. Ich beobachtete viele Familien mit unterschiedlichsten Geschwisterkonstellationen und kam zum Schluss: Zu knapp sollten die Abstände nicht sein, aber auch nicht zu groß. Zu knapp wird es oft der Mutter zu viel, und bei mehr als 6 Jahren wachsen die Kinder fast wie Einzelkinder auf. Das Ideal lag meiner Meinung nach bei 2-4 Jahren. Die Praxis hat mich dann doch eines Besseren belehrt… 😉

Denn: Den idealen Abstand gibt es nicht! Das behaupte ich zumindest heute.

Aber zurück zu den Anfängen.

Zuerst die Ehe ohne Kinder genießen

Zu Beginn unserer Ehe wollte mein Mann möglichst bald möglichst viele Kinder (er nannte die Zahl 10!), ich stand da eher auf der Bremse. Ich wusste schließlich aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit und Verantwortung eine so große Familie bedeutet! Mein Ansatz war eher: Nun genießen wir mal ein paar Jahre ohne Kinder, und dann bekommen wir mal eines oder zwei. Dann sehen wir weiter.

Die üblichen Reibereien unter Geschwistern

Unser erster Sohn Fritz kam dann ein paar Monate vor unserem 5. Hochzeitstag zur Welt. Ich fühlte mich zwar noch jung, aber durchaus bereit zu diesem Schritt. Was ich nicht wusste, war, dass mich die Umstellung auf Kinder doch so einiges kosten würde. Ich kämpfte sehr mit dem Verlust meiner Freiheit! Trotzdem wollte ich mit dem zweiten Kind nicht zu lange warten und so wurde Nr. 2 knapp zwei Jahre später geboren. Unseren Ältesten hatte ich meiner Meinung nach gut darauf vorbereitet. Er bekam sogar eine Puppe, um sich an das neue Baby zu gewöhnen. Doch seine Reaktion auf seine „Entthronung“ war sehr heftig. Er heulte, bis er sich übergeben musste. Danach kamen die beiden eigentlich ganz gut klar, bis auf die „üblichen, ganz normalen“ Reibereien. Gleichgeschlechtliche Kinder, so hieß es in der Ratgeberliteratur, streiten automatisch mehr. Für mich als junge Mama war es schwierig einzuschätzen, was „normal“ war. Ich steckte ja selbst noch mitten in der Umstellungsphase auf Kinder. Außerdem lebten wir in einer viel zu kleinen Wohnung. Alles zusätzliche Gründe für Konflikte im Alltag…

Dann kam das dritte Kind

Nachdem wir diese ersten paar Jahre gut gemeistert hatten, ich dazwischen wieder arbeiten und unser Haus bezogen war, kam der Wunsch nach einem dritten Kind. Diesmal wollte ich es noch besser machen. Unser Zweiter war viereinhalb Jahre alt, als unsere Tochter geboren wurde. „Diesmal wird es keine Eifersüchteleien geben!“ dachte ich. „Benni wird in den Kindergarten kommen und alles wird gut passen. Er wird der stolze große Bruder sein.“ Denkste. Als ich Baby Sara einen Moment allein im Maxi-Cosi stehen ließ, kam Benni mit der Pfeffermühle und streute ihr ordentlich Pfeffer ins Gesicht. Das war sein „Willkommensgruß“. Er weigerte sich auch, in diesem Jahr in den Kindergarten zu gehen und bestand darauf, beim Stillen mit mir zu kuscheln. Ich fühlte mich zerrissen und überfordert. Was war nun mit dem „Idealabstand“? Und mit der Tatsache, dass ich es hier mit einem Buben und einem Mädchen zu tun hatte?

Neues Geschwisterchen, neue Familienrollen

Zuletzt kam noch unser Jüngster dazu, zweieinhalb Jahre später. Wieder gab es Eifersucht, die sich bei jedem einzelnen Kind anders äußerte. Es ist anscheinend wirklich so, dass bei jedem neu ankommenden Familienmitglied die Karten neu gemischt werden. Nur der Älteste und die Eltern haben ihre fixen Rollen. Die mittleren Geschwister müssen sich jedes Mal neu ausrichten. Ich war diesmal allerdings schon innerlich darauf vorbereitet und versuchte, für jedes der Kinder da zu sein, ohne mich allerdings selbst zu vergessen. Körperlich und emotional gesehen war diese vierte Schwangerschaft sehr zehrend gewesen und ich brauchte länger als bei den anderen Kindern, um mich zu erholen.

Streitereien in jeder Geschwisterkonstellation

Wenn ich mir unsere Kinderschar jetzt anschaue, finde ich, dass wir es gar nicht so schlecht gemacht haben mit der Planung. Fritz und Benni sind mit fast 13 und 11 Jahren die beiden „Großen“. Sie unternehmen sehr viel gemeinsam, haben den gleichen Freundeskreis und übernehmen auch schon manchmal für die beiden Kleinen Verantwortung. Sara (6 ½) und Gregor (bald 4) spielen sehr nett gemeinsam, aber natürlich gibt es auch zwischen ihnen Streitereien. Sara besucht manchmal gerne andere Mädchen und Gregor genießt es, wenn er dann als der Kleinste Mama ganz für sich alleine hat. Streitereien gibt es aber auch zwischen den Kleinen und den Großen, kreuz und quer, in allen Konstellationen.

Das Thema „Konflikte“ ist einfach präsent in einer so großen Familie und manchmal denke ich, eine Ausbildung zum Schiedsrichter hätte nicht geschadet. 🙂

Klar sollen sie lernen, Konflikte selbst gut auszutragen, aber ganz ohne Hilfe geht es meist noch nicht. Andererseits halten unsere Kinder aber wieder wunderbar zusammen, wenn es darauf ankommt. Also, nur Mut! Es gibt keine perfekten Altersabstände! Und auch wenn es immer wieder sehr anstrengend ist, genieße ich es heute, eine so große Familie zu haben!

Lies auch: Die Familie ist die beste Charakterschule

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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