8. Juni 2018

Geschwisterrivalitäten – Müssen sich Geschwister mögen?

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Geschwisterrivalitäten sind so alt wie die Menschheit selber. Nur Eltern gehen davon aus, dass sich Geschwister unbedingt mögen müssen, dass sich alle aus einer Familie gernhaben sollten, wenn sie doch alle von ihren Eltern Zuneigung und Annahme erfahren. Aber ist dies wirklich so?

Geschwisterrivalitäten sind so alt wie die Menschheit selber. Schon im Alten Testament können wir davon lesen, und ein Rückblick in die Geschichte des Menschen zeigt uns unzählige Geschwister, die sogar einander nach dem Leben trachten im Kampf um Titel, Erbschaften, Macht und Geld.

Müssen sich Geschwister mögen?

Nur Eltern gehen davon aus, dass sich Geschwister unbedingt mögen müssen, dass sich alle aus einer Familie gernhaben sollten, wenn sie doch alle von ihren Eltern Zuneigung und Annahme erfahren. Es fällt ihnen schwer zuzusehen, wie ihre Kinder unerbittlich darum streiten, wer sich als Erster zum Essen nehmen darf, wer mehr Cola in sein Glas geschenkt bekommen hat (da geht’s um Millimeter) oder wer wem zuerst in die Seite geboxt hat. Da wird der jüngere Bruder, der noch nicht einmal gehen kann, umgestoßen, die Schwester verpetzt, weil sie zu wenig Zahnpasta verwendet hat, oder jemand verlangt eine Bestätigung darüber, dass die Idee in den Zoo zu gehen, allein ihre Idee war.

Der Kampf um die eigenen Rechte, oder das jeweilige „Revier“, die Suche nach Anerkennung prägt das Miteinander von Geschwistern. Eltern schmerzt das, wünschen Sie sich doch, dass die eigenen Kinder friedvoll miteinander auskommen. Vor allem, wo viele dieser Auseinandersetzungen aus der Sicht von Erwachsenen, vollkommen unnötig und lächerlich erscheinen. Ist das irgendwie wichtig, wer als erste auf die Idee kam, in den Zoo zu gehen? Oder ob jemand genau ein Gummibärchen weniger hat als der Andere? Könnte man sich mit ein wenig Kulanz nicht neunzig Prozent dieser Diskussionen locker ersparen?

Unterschiedliche Charakter

Geschwister mögen sich nicht unbedingt von Haus aus. Während wir unseren Ehepartner bewusst auswählen (was dennoch die Dinge nicht immer leichter macht), sucht sich ein Kind seine Geschwister nicht aus. Und auch wenn familiäre Gemeinsamkeiten uns irgendwo zusammenschweißen, so können unterschiedliche Charaktere unter einem Dach, zu einer großen Herausforderung für jedes Kind werden, zumal ihm noch die Reife fehlt, damit gut umzugehen.

Außerdem ist fast jedes menschliche Miteinander bis zu einem gewissen Grad von Konkurrenzdenken geprägt. Je unsicherer sich ein Mensch ist, desto mehr wird sich dieses Konkurrenzverhalten zeigen. Stärken wir das Selbstwertgefühl unserer Kinder, wirkt sich das auch positiv auf deren Rivalitäten aus.

Ruhe bewahren

Wir Eltern sollten Geschwisterstreit nicht so sehr auf die Waagschale legen und uns nicht unnötig unter Spannung setzen, mit dem Wunsch nach dauernder Harmonie und Ruhe. Dieser Wunsch führt nämlich dazu, dass wir uns viel öfter in Streitigkeiten einschalten als notwendig, was nicht unbedingt zu einer Deeskalation führt. Dann beginnt erst recht der Streit um die Beweisführung, wer denn alles begonnen hat. Eltern wollen den Frieden viel zu oft erzwingen: „Wenn ihr nicht sofort aufhört zu streiten, dann gibt es heute kein Fernsehen!“ Dabei machen wir oft nichts anderes, als einen Dampfkessel unter Druck zuzudrücken.

Lösungen bei Geschwisterstreit

  • Viel besser ist es, streitenden Kindern zuerst einmal zu sagen, dass es überhaupt nicht wichtig ist, wer mit dem Streit begonnen hat, denn für jeden Streit braucht es sowieso zwei. Interessant ist, wer ihn beenden wird, denn genau der verdient Anerkennung.
  • Dann hilft es, beide Kinder zu fragen, weswegen sie sich gerade so über den anderen ärgern. Oft wünscht sich ein Kind nichts mehr, als angehört zu werden und die Möglichkeit zu haben, seinen Ärger loszuwerden. Wenn es spürt, dass wir uns für seinen Standpunkt interessieren, haben wir in vielen Fällen den Wind bereits aus den Segeln genommen, und der Streit verläuft sich im Sand.
  • Wenn die jeweiligen Streithammel schon etwas älter sind, kann man ihnen durchaus die Verantwortung zumuten, selbstständig Frieden zu schließen. Man schickt sie in ihr Zimmer und bittet sie dann wiederzukommen, wenn sie sich versöhnt haben. Weniger Einmischung ist oft zielführender, da eine hundertprozentig gerechte Lösung oft gar nicht möglich ist und unsere Interventionen erst recht zu Eifersüchteleien führen können.

Streitauslöser: Aufmerksamkeit

Eine dauernde Triebfeder für Streit und Vergleiche ist der Kampf um die Aufmerksamkeit der Eltern. Kinder sind sich der Liebe ihrer Eltern nicht unbedingt sicher und suchen immer wieder nach Gelegenheiten, sich dieser zu vergewissern. Sie müssen oft erst lernen, dass Eltern jedes ihrer Kinder voll und ganz lieben, auch wenn sie nicht jedem immer die volle Aufmerksamkeit schenken können.

Bei einem verunsicherten Kind bedarf es manchmal jahrelanger geduldiger Zuwendung, um ihm zeigen zu können, dass wir es genauso lieben, wie die anderen Kinder.

Tatsächlich kann es auch passieren, dass wir unbewusst das eine oder andere Kind nachgiebiger behandeln oder dass wir uns mit einem Kind schwerer tun. Eltern können vielen Rivalitäten entgegenwirken, indem sie an sich arbeiten und hier Ungleichgewichte vermeiden. Das Wichtigste aber ist es, dass Eltern zu jedem Kind eine individuelle Beziehung aufbauen. Sich jedem Kind regelmäßig ausschließlich zu widmen, seine ganz eigenen Interessen zu kennen und zu fördern, durch unseren Blick zu zeigen, dass wir uns freuen, dass es da ist, sind alles gute Wege, Geschwisterrivalitäten entgegenzuwirken.

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