2. Juni 2017

Geschwisterliebe ist ein großes Geschenk

Geschwisterliebe - meinefamilie.at

Mit drei Kindern stellen wir uns oft die Frage, ob wir jedem von ihnen genug Liebe schenken können. Um dann festzustellen, dass sich auch die Geschwister viel Liebe schenken – und in jedem Streit selbst zu einer Lösung kommen, wenn wir uns nicht einmischen.

Eine riesige Höhlenlandschaft ist mitten in unserem Wohnzimmer im Entstehen. Eigentlich, ja eigentlich dürfen die Kinder im Wohnzimmer keine Höhlen bauen. Das Chaos danach ist einfach zu groß, und der Eifer, den sie beim Bauen hatten, verlässt sie beim Aufräumen leider schlagartig. Aber wie so oft drücke ich ein Auge zu. Denn in Wahrheit genieße ich es auch, ihnen aus der Ferne zu zuhören und zu sehen, wie sie miteinander interagieren und dieses Werk schaffen. Unzählige Decken und Tücher werden ausgebreitet, Bücher und Spielsachen herbeigeschafft, Sessel verschoben. Und das alles in friedlicher Eintracht. Selbst unser Jüngster, der vor Kurzem immer weggeschickt wurde, weil er das Aufgebaute wieder zerstört hat, ist mittlerweile voll dabei. Oft schleiche ich mich währenddessen ins Schlafzimmer, um ein bisschen Ruhe zu haben und höre von dort, wie die drei in ihrer Höhle Geburtstagsfeste feiern oder laut zur Weihnachtslieder-CD (im Mai!) singen.

Streiten und spielen gehört zur Geschwisterbeziehung

Es gehört für mich zum Schönsten am Elternsein, zu sehen, wie sehr sich unsere drei mögen und wie viel Freude sie miteinander haben.

Geschwisterliebe - meinefamilie.atWer jetzt meint, bei uns gibt es keinen Geschwisterstreit: Weit gefehlt! Gestritten wird hier genauso gut und gerne wie gespielt. Und das strapaziert meine Nerven sehr. Eine Dreijährige lässt sich von ihrem großen Bruder eben herrlich provozieren, wenn dieser „Baby“ zu ihr sagt. Verbal und physisch werden hier tagtäglich allerhand Gemeinheiten ausgetauscht. Und ich rede mir ein, dass auch das zu einer gesunden Geschwisterbeziehung gehört. Nein, ich bin mir sicher! Aber im Großen und Ganzen sind die drei ein eingefleischtes Team, das sich einfach gern hat. Mein Mutterherz schmilzt, wenn alle drei nebeneinander auf dem Sofa sitzen und vertieft in ihren Büchern blättern. Wenn die Schwester den kleinen Bruder auf dem Spielplatz schaukelt. Wenn einer den anderen tröstet, mit Worten oder mit dem Versprechen, etwas aus der persönlichen „Naschkiste“ abzugeben.

Kommt jemand zu kurz?

Mit drei Kindern ist die Frage, ob denn auch jedes Kind das bekommt, was es braucht, bei uns Eltern sehr präsent. Meine Zeit, meine Aufmerksamkeit, meine Nerven sind begrenzt. Mein Mann und ich können unseren Kindern nicht genauso viel Zeit schenken wie vielleicht andere Eltern ihrem einzigen Kind. Es ist für mich oft ziemlich herausfordernd, den unterschiedlichen Bedürfnissen meiner Kinder gerecht zu werden. Die Gute-Nacht-Geschichte abends muss häufig verkürzt werden, weil der Jüngste auf uns herumkrabbelt und mir ständig das Buch aus der Hand reißen will.

Theaterbesuche oder Ausflüge ins Hallenbad würde ich viel öfter machen. Mit allen dreien ist es mir aber meistens zu anstrengend. Fehlt unseren Kindern deswegen etwas?

Aufmerksamer Blick auf jedes Kind

Einerseits bemühen wir uns um einen aufmerksamen Blick auf jedes einzelne Kind: Was braucht es? Wie können wir es ihm geben? Ist eine Exklusivzeit mit Papa dran, der mit dem Ältesten nach der Arbeit mal schwimmen geht? Freut sich die Mittlere über einen Eisbecher nur mit Mama? Braucht einer mehr Kuschelzeit beim gemeinsamen Bücherlesen? Wir merken, dass die Kinder sehr davon profitieren, wenn sie Mama oder Papa auch einmal ganz für sich alleine haben. Das gilt für unsere noch ziemlich kleinen Kinder, umso mehr dann auch für die Älteren (wie uns andere Eltern schon oft erzählt haben).

Andererseits sehe ich, dass die Beziehungen der Geschwister untereinander unendlich viel wert sind. Die Kinder schenken einander so viel Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe – ganz ohne mein Zutun.

Wenn ich gerade nicht da bin, um den Kleinsten zu trösten, weil er hingefallen ist, dann tut es sein Bruder. Ich will damit nicht nur sagen, dass dadurch das, was ihnen an elterlicher Zuwendung fehlt, kompensiert wird. Viel mehr: Geschwisterliebe ist ein ganz großes Geschenk!

Nicht so viel einmischen!

Viel muss ich als Mutter gar nicht dazu tun. Eine Sache allerdings scheint mir ganz wichtig zu sein: Am besten ich mische mich so wenig wie möglich ein, auch dann wenn sie streiten. Das ist leichter gesagt als getan, viel zu oft keppel ich dazwischen. Gelingt es mir, mich zurückzuhalten, erlebe ich ganz oft Erstaunliches: Die drei finden eine Lösung! Sie stellen ihr inneres Gleichgewicht als Geschwisterteam selber her. Sie schaffen es, sich auf etwas zu einigen, dem jeweils anderen Vortritt zu lassen oder eben ihr eigenes Bedürfnis klar zu artikulieren.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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