29. April 2015

Es gibt sie doch: Geschlechtsunterschiede


Man kann es drehen und wenden wie man will, aber Buben ticken anders als Mädchen. Unser Kreativnachmittag hat gezeigt, wie Geschlechtsunterschiede sind.

Regenwürmer vs. Leinwandkunst – Warum das Geschlecht dann doch eine Rolle spielt

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber Buben ticken einfach anders als Mädchen – Geschlechtsunterschiede kann man nicht abstreiten.

Letzten Dienstag verbrachten eine meiner vier Schwester und ich einen gemeinsamen Kreativnachmittag mit unseren Kindern. Der Plan war, eine „All about me“-Collage anzufertigen; ein Bild also, auf dem man versucht festzuhalten, wie man sich selbst sieht oder was man mit sich selbst verbindet. Dabei bemalt jedes Kind zunächst einmal eine Leinwand so farben- und formenfroh, wie es jedem zur Selbstdarstellung passend erscheint. Danach werden aus Zeitschriften Schlagwörter ausgeschnitten, die persönliche Interessen und Freuden beschreiben. Soweit die, meiner Meinung nach, wirklich famose Idee. Wichtiges Detail dabei: Meine Schwester hat drei Mädchen, während ich derweil „nur“ mit zwei Buben gesegnet bin.

Wir basteln! – Die Mädchen kommen, die Buben flüchten

Zunächst ging es darum, die im Hof fröhlich herumtobenden Kinder ins Haus zu holen. Bei den Mädchen reichte dafür ein einfaches „Wir basteln etwas!“ Bei meinen Buben jedoch bewirkte dieser so mütterlich hochmotivierte Satz genau das Gegenteil: die Flucht. Zum Glück begann es just in diesem Moment zu regnen und so stapften bald auch meine Buben in die lauschige Bastelstube. Zugegeben, mein kleiner Nachsatz, dass es danach Fruchtzwerge für alle gäbe, wird ihnen vielleicht noch die extra Portion Motivation gegeben haben.

Die einführenden Instruktionen meiner Schwester wurden von den zwei Herren gleich einmal dezent ignoriert und sie legten mit großem Tatendrang los. Besonders mein Dreijähriger schien sich völlig zu vergessen und vermischte ohne Rücksicht auf Verluste alle ihm greifbaren Farben wild durcheinander, sodass letztendlich – Überraschung! – ein bräunlich-schwarzer Farbfleck ohne Ecken und Kanten seine Leinwand zierte. Seine gleichaltrige Cousine hingegen wählte sehr bewusst ihre Farben aus, und, wenngleich auch bei ihr, abgesehen von der hellgelben Sonne, nicht unbedingt wahnsinnig viel an Form zu erkennen war, so entstand doch ein nett anzuschauendes buntes Bild. Mein sechsjähriger Sohn hatte sich gleich die goldene Farbtube geangelt und pinselte drauf los, wobei er durchaus einen Plan im Kopf zu haben schien, diesen jedoch im Sekundentakt änderte. Was zuerst ein Priester sein sollte, wurde dann auf einmal ein Kelch, dann wieder eine Rakete, dann doch ein Fisch usw. Doch im Gegensatz zu seinem farbmischenden Bruder wählte er immerhin bewusst drei Farben aus, die er großflächig auftrug.

Geschlechtsunterschiede nach Farben

Es dauerte nicht lange, da waren die Männer fertig, wobei der eine völlig erschöpft den Pinsel von sich warf und dem anderen das Malgerät aus der Hand gerissen werden musste. Jetzt war endlich Jausenzeit. Während meine zwei Buben also schon eifrig ihre Fruchtzwerge verschlangen, saß deren fünfjährige Cousine immer noch höchst konzentriert vor ihrer leeren Leinwand und überlegte sich bis ins Detail, was sie malen wollte. Schließlich, man musste sie fast zwingen loszulegen, wählte sie ganz bewusst ihr Farbenensemble, teilte ihr Bild in vier Abschnitte ein und versuchte mit Eifer und Genauigkeit ihre Vorstellungen vom Kopf auf das Leinen zu übertragen. Jeder Pinselstrich hatte seine ganz bestimmte Berufung.

Nachdem alle Bilder fertiggemalt und getrocknet waren und auch alle Fruchtzwerge ihren Dienst erfüllt hatten, ging es nun darum, die passenden Wörter zur Vervollständigung der Selbstdarstellungskunst zu finden. Und wieder: Während mein Sechsjähriger nahezu jedes Wort für sich passend fand und schweigend in einer Wurst untereinander auf sein Bild klebte, schlug seine jüngere Cousine sprachliche Pirouetten um möglichst anschaulich zu erklären, warum „Cinderella“ und „steirisch“ aber wirklich nicht zu ihr passen würden, sie aber eher ein „Winterspaß“ in einer „Steinzeithöhle“ sei, und wo die Wörter hingeklebt werden müssten. Auch durch die Art und Weise, wie beide mit Kleber und Schere hantierten, bestätigte sich erneut das vermeintliche Gerücht, dass sich die feinmotorischen Fähigkeiten von Buben später entwickeln als von Mädchen. Aber die Jungs interessierte das schon lange nicht mehr, denn sie waren bereits wieder im Garten verschwunden, um Regenwürmer aus dem Boden zu ziehen. Wer braucht da schon Feinmotorik?

Geschlechtsunterschiede: „Why Gener Matters“

Dass das Geschlecht bei der Entwicklung von Kindern und beim schulischen Lernen in vielerlei Hinsicht ein wichtiges Wort mitzureden hat, unterstreicht auch der amerikanische Psychologe und Arzt Leonard Sax sehr anschaulich in seinem Buch Why Gender Matters.

Der Unterschied zwischen Buben und Mädchen liegt laut Sax aber nicht darin, dass Burschen grundsätzlich nicht für Schulkram geschaffen wären – wie man nach oben beschriebenem Nachmittag annehmen könnte –, sondern dass sie besser lernen, wenn die Lernstrategien ihren geschlechtsspezifischen Voraussetzungen angepasst sind. Kurz: Um Lernerfolg zu garantieren, muss man bei Burschen anders herangehen als bei Mädchen. Dass es dabei letztlich nicht um himmelblaue und Hello-Kitty-rosa Zwangsjacken geht, ist auch klar. Vielmehr soll jedem Kind die Möglichkeit gegeben werden, sein persönliches Potential voll zu entfalten. Doch mehr dazu ein anderes Mal.

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EIN ARTIKEL VON
  • Vali Schwarzbauer

    Nachdem ich als Vierling aufgewachsen bin und unsere Söhne (3, 6) großziehen darf, kenne ich die Höhen und Tiefen einer Familie. Darüber zu schreiben, ist neben dem Homeschooling unserer Kinder eine willkommene Abwechslung. Was mich noch begeistert: Gott, mein Mann, Laufen, Erdnussbutter und ein gutes Buch.


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