19. Januar 2016

Wie viele Fremdsprachen bewältigt ein Kind?

Fremdsprachen - meinefamilie.at

Wir sind uns alle einig, dass es Kindern gut tut, zweisprachig aufzuwachsen. Aber noch mehr Sprachen – ist das nicht zu viel?

Alles fing mit Peppa Wutz an. Dem kleinen Schweinemädchen, das alle möglichen Abenteuer mit seiner Familie und seinen tierischen Freunden erlebt. Da sind das Schaf Luzie Locke, der Hund Klausi Kläff, Zoe Zebra, Pedro Pony, Rebecca Rabbit und viele mehr, die in fünfminütigen Episoden Alltagssituationen mit all ihren kleinen Siegen und Sorgen bewältigen. Und zwar in einer einfachen und gut verständlichen Sprache, die wir nun besonders gut zu schätzen wissen: Denn unsere vierjährige Tochter sieht sich diese Fernsehserie nicht etwa auf Deutsch – auch nicht in ihrer zweiten Muttersprache Ungarisch – sondern auf Englisch, Französisch und Spanisch an!

Ein völlig normales Kind, das sich plötzlich für Fremdsprachen interessiert

Keine Sorge, dies soll keine Geschichte über ein hochbegabtes Kind werden, das so und so viele Sprachen spricht.

Ganz im Gegenteil: Es geht um ein völlig normales Kind, das sich plötzlich für Sprachen interessiert, die es nie zuvor gehört hat und nach der reinen Logik einfach nicht verstehen KANN!

Kinder wollen lernen. Alleine die vielen Fragen, die man im Laufe eines Tages gestellt bekommt, sind ein Beweis dafür. Offensichtlich hat unser Mädchen seine Liebe zu den Sprachen entdeckt. Da entsteht schon manchmal der heimliche Wunsch, einen Blick in das Gehirn eines Kindes werfen zu können, um zu sehen, was sich da drinnen alles abspielt!

Apropos Gehirn: Wissenschaftler fanden heraus, dass Sprachen umso besser beherrscht werden können, je früher mit ihrer Erlernung begonnen wird. Denn noch vor dem vierten Geburtstag werden im Gehirn neuronale Verbindungen angelegt, die der sprachlichen und fremdsprachlichen Entwicklung dienen. Kindern gelingt es auch, sich durch alleiniges Zuhören eine Sprache zu erwerben – das beginnt schon mit dem Verstehen der Muttersprache im Alter von sechs Monaten.

Bilinguale Kindergärten, bilinguale Familien

Manche Kindergärten vertreten dieses Prinzip eines zweisprachigen Systems, in dem die Pädagogen jeweils eine andere Sprache sprechen. Es ist für die Kinder überhaupt kein Problem, sich auf zwei Sprachen am selben Ort einzustellen – sofern die jeweilige Sprache von den Pädagogen konsequent gesprochen wird, wie eben zuhause die jeweiligen Elternteile.

Ungarisch – die zweite Sprache, mit der unsere Tochter aufwächst – weigert sie sich nach wie vor zu sprechen (ich berichtete bereits), obwohl sie jedes Wort versteht. Tatsächlich kommt es einem dann etwas spanisch vor, wenn das eigene Kind, das mit einer anderen Sprache nie in Kontakt gekommen war und keinerlei Bezug zu ihr hat, diese plötzlich täglich im Fernsehen hören will. In einem Alter, in dem erst die – ohnehin schon zwei – Muttersprachen noch im Reifen und schon Herausforderung genug sein müssten! Doch ihre Unbeirrbarkeit und Vehemenz in dieser Sache verwandelte unsere anfängliche Verblüffung rasch in Verwunderung – und auch Belustigung. Sahen wir zu Beginn keine Sinnhaftigkeit darin, so mussten wir sie gewähren lassen, da sie sich partout nicht davon abbringen ließ. Sie entwickelte eine nie dagewesene Konzentrationsfähigkeit, mit der sie nun wie gebannt den Geschichten lauscht!

Was Peppa Wutz betrifft: Auch wenn wir nicht wissen, wieviel sie von den vielen verschiedenen Sprachen tatsächlich versteht – sicher ist, dass ihr ein gewisses Gefühl dafür bleiben wird, das ihr später einmal behilflich sein kann, wenn es heißt, Vokabeln zu lernen und die richtige Aussprache zu üben. Aber eine spezielle Sprachförderung in Form von Kursen streben wir in diesem Alter noch nicht an; sie soll jetzt ihren Spaß haben – der Ernst des Lebens beginnt früh genug.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sabine Láng

    Immer schon von der französischen Sprache fasziniert, nützte ich mein Studium der Theaterwissenschaft, um neben Wien auch in Paris zu studieren. Heute kann ich Französisch beruflich nützen. Mein Mann und ich haben die schöne Aufgabe, unsere 3-jährige Tochter an die Musik heranzuführen!


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