3. Dezember 2014

Die liebe Familie managen


„ICH-WILL-ABER-NICHT!!!“ Lukas, drei Jahre alt, kann seinem Missfallen schon sehr bestimmt Ausdruck verleihen. Was mein Sohn will oder eben nicht will, weiß er ganz genau.

Zeitmanagement, Machtkämpfe und elterliche Führungsqualitäten

„ICH-WILL-ABER-NICHT!!!“ Lukas, drei Jahre alt, kann seinem Missfallen schon sehr bestimmt Ausdruck verleihen. Was mein Sohn will oder eben nicht will, weiß er ganz genau. Das kann mich schon mal zur Weißglut treiben. „Du MUSST aber deine Schuhe anziehen! Wir sind schon spät dran!“ Meine Stimme vibriert gefährlich, ich schwitze, weil ich mir blöderweise schon die dicke Winterjacke angezogen habe, und ich setze zum berüchtigten Wenn-dann-Satz an: „Wenn du dir nicht die Schuhe anziehst, gehen wir später nicht auf den Spielplatz!“ Da kullern schon längst die Tränen über Lukas Wangen, und ich weiß, dass das soeben keine pädagogische Meisterleistung von mir war.

Konflikte und stressige Situationen gehören zum Familienalltag. Auch Mütter sind nicht immer Geduldsengel (Väter vielleicht noch eher, zumindest ist mein Mann viiiiel geduldiger als ich). Mir hilft es, mich mitten im täglichen Familienchaos an einigen Prinzipien zu orientieren. 4 Gedanken dir mir beim Familie managen helfen:

Zeitmanagement ist die Aufgabe der Eltern

Wie oft kommen mir Sätze über die Lippen wie „Beeil dich!“ „Schneller bitte!“ „Wir kommen zu spät!“ Aber: (Kleine) Kinder haben kein Zeitgefühl, sie leben im Hier und Jetzt. Nicht meine Kinder sind für das Timing verantwortlich, sondern ich! Eh klar, dass hie und da auch mal was Unvorhergesehenes passieren kann und der Zeitplan so durcheinander kommt. Wenn es allerdings ständig hektisch ist und ich die Kinder häufig antreibe, liegt das wohl an meiner Fehlplanung. Es klappt nicht immer bei uns, aber ich bemühe mich, früh genug mit dem Fertigmachen zu beginnen. Und: Ich ignoriere mein Handy, sollte es in diesen Situationen läuten.

Keine Machtkämpfe

Der Psychiater und Autor Michael Winterhoff schreibt, dass man keinen Menschen dazu bringen kann, dass er sich ändert oder dass er etwas tut – außer man zwingt ihn. Und trotzdem versuchen Eltern genau das allzu oft mit ihren Kindern. Wenn Eltern etwas mit Druck durchsetzen wollen, löst das beim Kind Gegendruck oder Trotz aus (siehe auch: Negatives Verhalten bei Kindern). Ein Beispiel aus unserem Leben: Zähneputzen. Je verbissener ich bin, desto unkooperativer ist mein Sohn. Sobald wir uns in einen Machtkampf hinein katapultiert haben, ist es ganz aus. Dann stehen wir uns wie zwei Boxer gegenüber, die messen, wer der Stärkere ist. Bin ich gelassen, klappt es viel besser. Erklärungen, warum es gut ist, Zähne zu putzen kann ich mir in der Hitze des Gefechts sparen. Besser ist es, wir sprechen in einer ruhigen Minute – zum Beispiel mit einem passenden Bilderbuch – darüber.

Ich will nicht über meine Kinder drüber fahren und sie respektvoll und gleichwürdig behandeln. Trotzdem ist klar, dass mein Mann und ich es sind, die die Führungsposition in unserem Familienunternehmen inne haben, schließlich haben wir mehr Erfahrung und Weitsicht. Wir geben unserem Dreijährigen zahlreiche Gelegenheiten Entscheidungen zu treffen (Magst du den blauen oder den roten Pulli anziehen?), vieles bestimmen aber wir (Nein, jetzt gibt es keine Kekse, denn wir essen in ein paar Minuten). Klare, einfache Sätze in persönlicher Sprache haben sich bei uns bewährt. Also keine „Man-Sätze“, sondern: „Ich will, dass du dir die Winterstiefel anziehst. Für die Sandalen ist es zu kalt!“

Die Familie managen  – Geduld bei allem was Sie tun

In der Praxis ist das alles viel schwieriger? Willkommen im Eltern-Club! Niemand ist perfekt. Wenn ich wieder einmal schlecht im Zeitmanagen bin, mir mit meinen Kindern Machtkämpfe liefere oder mir der Geduldsfaden reißt, muss ich mir ein viertes wichtiges Prinzip vor Augen halten: Sei mit dir selbst geduldig und barmherzig!

Siehe auch Familienregeln helfen der Harmonie



EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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