2. März 2016

Dreckige Böden…und glückliche Kinder

Familie, Haushalt und Beruf - meinfamilie.at

Familie, Haushalt, Job – alles perfekt unter einen Hut zu bringen ist gar kein Problem! Gratulation an alle, die dieser Meinung sind. Meine Erfahrung ist da eine andere…

Montag Abend: Ziemlich müde sitze ich wieder einmal in unserer Küche. Die Uhr am Backrohr zeigt 20.00. Meine Güte, schon so spät. Dabei ist noch so viel zu tun…das einzige, was zur Zufriedenheit aller erledigt ist, ist dass mein Sohn eine lange Gute-Nacht-Geschichte bekommen hat und danach recht rasch und selig lächelnd eingeschlafen ist. Und das ist natürlich schon viel wert!!! Aber alles andere? Ich sollte mindestens noch das saubere Geschirr aus dem Geschirrspüler ausräumen und das dreckige hinein. Ach ja und die am Wochenende gewaschene Wäsche vom Wäscheständer nehmen. Bügeln wäre auch keine schlechte Idee…

Aber der Tag war lang. Ich bin wirklich hundemüde und der Tag morgen verspricht, nicht viel anders abzulaufen. Manchmal fühle ich mich abends, als ob ich einen 40-Stunden-Job hätte, keinen 20-Stunden-Job. „Hast Du ja auch“, hat eine Freundin mal lachend zu mir gesagt, als ich ihr erzählt habe, wie erschöpft ich manchmal bin:

„Genau genommen ist es eigentlich auch kein 40 Stunden Job, sondern ein 24/7-Job“, hat sie nach einer kleinen Pause hinzugefügt: „Du arbeitest und bist Mama und, wie sagt man heute so gerne, Familienmanagerin.“

Rund um die Uhr

24/7 – also jeden einzelnen Tag, die ganze Woche, Tag und Nacht? Nun ja, dachte ich im ersten Moment. 24/7 ist vielleicht auch übertrieben. Weil Mama zu sein ist ja wirklich kein Job, sondern das, was ich mir für mein Leben immer sehnlichst gewünscht habe und was mich jeden Tag wirklich, wirklich glücklich macht. Und mit dem Wort „Familienmanagerin“ werde ich auch nur dann warm, wenn mein Mann auch so einen Titel bekommt. Weil immerhin tut und macht er ja auch, damit bei uns daheim alles rund läuft.

Bei genauerem Hindenken hat das mit dem 24/7 schon etwas. Als Eltern, vor allem als Eltern von ganz kleinen Kindern, ist man ja generell schon irgendwie 24/7 beschäftigt, dreht sich doch so gut wie alles um den Nachwuchs und da ist irgendwie immer „etwas zu tun“ – obwohl das Meiste dabei nicht unter Arbeit im engeren Sinne fällt, weil es ja eigentlich Freude macht, aber „Beschäftigtsein“ ist es halt doch. Wenn man zurückkehrt in den Beruf, dann kommt zu diesem 24/7 auch noch die „echte“, bezahlte Arbeit dazu.

Entspannung in der Warteschlange?

Ich habe wieder – Teilzeit! – zu arbeiten begonnen, als unser Sohn zwei Jahre alt war. Und ich habe gut ein Jahr gebraucht, bis ich überhaupt annähernd wieder den Eindruck hatte, meinen Alltag im Griff zu haben. Und das, obwohl mir meine Arbeit Spaß macht und ich unseren Sohn bei seinen Großeltern in den allerbesten Händen wusste. Jeden Tag aufs Neue habe ich mich gefragt, wie das Mütter machen, die mehr Stunden als ich arbeiten oder die mehr Kinder haben. So wie diese eine Promi-Mama, die in Interviews nicht müde wird zu betonen, dass sie beim Putzen die totale Entspannung erleben kann.

Ich gehöre definitiv nicht zu jenen Müttern, die das „Wischen der Böden mit nebelfeuchten Tüchern“, das Aufräumen von Legosteinen oder die Wartezeit an der Supermarktkassa für innere Einkehr nutzen können…

Oder auch nur zur Entspannung (manche können das und ich bewundere sie grenzenlos!).

„Listenreicher“ Alltag

Was mir dabei hilft, es zu schaffen? Lachen erlaubt: Ich habe für so gut wie alles eine Checkliste. Eine für den Haushalt, eine für die „Familienernährung“, eine für die Arzttermine und Impftermine meines Sohnes, eine für meine Arzttermine. Eine Geburtstagsliste mit Ideen für Geschenke für diverse Familienmitglieder und und und. Nicht zu vergessen, mein akkurat geführter Kalender, in dem alle Termine peinlichst genau eingetragen werden, weil ich weiß, dass ich sonst alles vergesse.

Aber manchmal hilft das alles nicht. Etwa wenn das Kind krank wird und die Checkliste „Haushalt“ – vor allem der Punkt Wäschewaschen – durch einen hartnäckigen Magen-Darm-Virus konterkariert wird. Oder wenn das Bügeleisen seinen Geist aufgibt und partout nicht einsehen will, dass doch heute Bügeln auf dem Plan steht. Oder wenn ein Interviewpartner einfach keinerlei Termine zu jenen Zeiten frei hat, in denen ich im Büro bin oder Babysitter mobilisieren könnte. Oder wenn man an manchen Tagen einfach viel zu müde ist, ganz egal was zu erledigen – außer vielleicht das Kind ins Bett zu bringen und: neben ihm einzuschlafen. 🙂 Dann hilft es nur noch, die ach so gut durchdachten Checklisten schnell und – Achtung, wichtig! – ohne schlechtes Gewissen über den Haufen zu werfen.

Denn wenn wir ehrlich sind, lautet an vielen Tagen des Lebens die einzig richtige Antwort auf die so oft gestellte Frage, wie man Familie, Haushalt und Beruf perfekt unter einen Hut bringt schlicht und ergreifend: Gar nicht. Oder – wie eine meiner Freundinnen immer wieder gern zu sagen pflegt:

Gute Mütter haben dreckige Böden, schmierige Fenster, ungebügelte Wäsche…und glückliche Kinder!



EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.



2 Kommentare
  • Anonymous, 4. März 2016, 8:37 Antworten

    Danke für diesen ehrlichen und mutmachenden Artikel !!

  • Magdalena Friedrich, 3. Juni 2016, 22:30 Antworten

    Sie sprechen mir aus der Seele. Meine Kinder sind zwar schon erwachsen, aber ich habe es auch immer so gehalten. Wichtiger ist es, hier und jetzt für das Kind da zu sein, als eine perfekte Wohnung zu haben. Putzen kann ich jetzt immer noch genug, die Kindheit meiner Kinder kommt nicht mehr zurück.

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