9. April 2017

Erziehung ist Persönlichkeitsformung

Erziehung ist Persönlichkeitsformung - meinefamilie.at

Die entscheidende Frage, die wir uns als Eltern stellen sollen, ist nicht, was unser Kind einmal sein wird, sondern wie es sein wird.

Erziehung – was ist das überhaupt? Unsere Antwort auf diese Frage beeinflusst stark die Art und Weise, wie wir den Alltag mit unseren Kindern bewältigen, wie wir Entscheidungen in den einzelnen Situationen mit ihnen treffen, wie wir mit ihnen umgehen. Die meisten Eltern haben vor der Ankunft des ersten Kindes bereits das zukünftige Kinderzimmer bis ins kleinste Detail geplant, sich das beste Kinderwagenmodell zugelegt. Sie haben vielleicht auch überlegt, wie lange das Baby gestillt werden soll und ob ein Schnuller akzeptabel ist oder nicht. Wenn Sie dem besonders umsichtigen Elterntyp angehören, werden Sie auch schon die ersten Informationen zum Kindergartenplatz eingeholt haben. Aber die wenigsten Eltern haben sich bereits zu dem Zeitpunkt Gedanken gemacht, wie sie ihr Kind erziehen möchten.

Auf die Frage „Was bedeutet für Sie Erziehung?“ kommt in den Elterngesprächen, die ich führe, häufig nur ein verunsichertes und diffuses Gefühl zum Ausdruck: „Dass mein Kind ein gesundes Leben führt“, „dass es gutes Benehmen lernt“, maximal noch ein „Ich möchte, dass es glücklich wird“. Letzteres berührt bereits einen wichtigen Aspekt der Erziehung: die Langfristigkeit.

Ziel echter Erziehung ist weniger das Jetzt als das Später unseres Kindes

Nicht das momentane Wohlbefinden, sondern seine langfristige Entwicklung soll unsere Erziehung prägen. Bei unseren tagtäglichen kleinen Entscheidungen sollen wir den Erwachsenen vor Augen haben, der unser Kind einmal sein soll.

Ein zweiter wichtiger Aspekt besteht darin, sich zu fragen, wie unser Kind einmal glücklich werden soll. Ist es der erfolgreiche Job, der materielle Wohlstand und der persönliche Erfolg? Dann wird es vielleicht genügen, die besten Schulen für unser Kind auszusuchen und keine Kosten für Lerncoaching, Ballettschule, Klavierunterricht und Sprachaufenthalte zu scheuen. Oder ist es doch eher die Fähigkeit, glückliche und dauerhafte Beziehungen aufzubauen, tiefe und schöne Erfahrungen im Leben zu machen, in seinen Lebensaufgaben einen Sinn entdecken zu können? Dann braucht es viel mehr als teuer bezahlte Nachhilfelehrer und ein aufwändiges Entertainmentprogramm.

Genau hier entscheidet sich, ob es das Leben einmal als Last oder als Bereicherung empfinden wird, aber auch, ob es selber einmal für andere Last oder Bereicherung sein wird. 

Welcher Mensch soll das Kind werden?

Nicht was unser Kind einmal sein wird, sondern wie es einmal sein wird, ist die entscheidende Frage, die wir uns als Eltern stellen sollen.

Was für ein Mensch soll es werden? Nicht die äußeren Umstände, die nur mäßig beeinflussbar sind, sondern die Persönlichkeit, zu der es heranwächst, wird einmal entscheiden, ob es ein glücklicher Mensch sein wird, fähig, auch andere glücklich zu machen.

Die oben von Eltern erwähnten Aspekte – „ein gesundes Leben“ oder „gutes Benehmen“ – berühren mehr oder weniger genau das: die Persönlichkeit des Kindes. Denn nur wer gelernt hat, einen maßvollen Lebensstil zu pflegen, wird auch gesund leben. Nur wer Respekt gegenüber anderen hat und sich in andere Menschen hineinversetzen kann, wird gutes Benehmen an den Tag legen, und nur wer gelernt hat, ein verantwortungsbewusster, reifer Mensch zu sein, wird auch glücklich werden.

Erziehung ist daher in erster Linie Charaktererziehung

Aufgabe der Eltern ist es, ihre Kinder darin zu unterstützen, ihren Charakter in einer Weise zu formen, dass diese zu liebenswerten und liebesfähigen Menschen heranwachsen können. Auch wenn jeder Mensch seine ganz eigenen Charaktereigenschaften hat, so sind diese nicht ein statisches Etwas und die Persönlichkeit, zu der wir heranwachsen, nicht ein unabänderliches Schicksal.

Eltern können die Stärken ihrer Kinder fördern und die Schwächen dämpfen: durch liebevolles Lenken, durch die vielen kleinen Entscheidungen, die wir tagtäglich im Umgang mit unseren Kindern bewusst treffen. Auch durch die Grenzen, die wir setzen, und die Verantwortung, die wir ihnen übertragen.

Vom ersten Moment ihres Lebens an arbeiten wir an der Persönlichkeit unserer Kinder mit. Tun wir das bewusst und mit den richtigen Zielen vor Augen, sind wir auf dem Weg, unseren Kindern ein großes Geschenk ins Leben mitzugeben.

GFO, Gesellschaft für Familienorientierung - meinefamilie.at

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2 Kommentare
  • Anonymous, 27. April 2017, 10:36 Antworten

    Wir bestimmen wie ein Kind sein wird? Welche Persönlichkeit es haben wird? NEIN! Ein Kind HAT schon eine Persönlichkeit und braucht keine Erziehung um jemand zu werden! Es braucht Begleitung, Akzeptanz und Verständnis und Liebe aber keine Erziehung. Es reicht Werte zu vermitteln indem man sie vorlebt und das Kind so zu nehmen wie es ist!

    • Christina Schmidt, 27. April 2017, 22:25 Antworten

      Vielen Dank für die Rückmeldung! Es tut mir leid, wenn Sie meinen Artikel dahingehend verstanden haben, dass der Charakter eines Kindes etwas ist, dass wir beliebig formen und umformen können. Ziel der Erziehung ist es ebenso wenig aus unseren Kinder die Menschen zu "machen", die wir uns wünschen, dass sie sein sollen. Das ist gar nicht möglich und das ist gut so. Dennoch kommt jeder Mensch mit bestimmten Charaktereigenschaften auf die Welt, die durch Einwirkung verschiedenster Einflüsse -von denen die Erziehung durch die Eltern nur ein Teil ist- sich im Laufe der Jahre zu einer ganz bestimmten Persönlichkeit entwickeln. Die Entwicklung dieser Persönlichkeit kann und soll durch die Eltern unterstützt werden, insofern als sie dem Kind durchaus bewußt helfen sollen seine Schwächen zu überwinden und seine Stärken zu fördern. So kann zB einem schüchternen Kind gezielt geholfen werden auf andere Menschen zuzugehen oder einem ängstlichen Kind mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Das sind, meiner Meinung nach, Kernaufgaben der Erziehung, die sich letztendlich aber nicht anders äußern als wie sie es umschrieben haben: durch liebevolle Begleitung und das Vorleben von Werten. Das Kind anzunehmen wie es ist, ist dabei Ausgangspunkt und unverzichtbare Grundlage jeder gelungenen Erziehung. Mit dem Aspekt der langfristigen Perspektive habe ich nicht gemeint, dass wir fixe Wunschvorstellungen erzeugen sollen, wie unser Kind einmal zu sein hat, sondern dass wir uns fragen sollen, ob unsere tagtäglichen Entscheidungen rund ums Kind nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristige positive Auswirkungen auf die Entwicklung unseres Kindes haben.

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