5. Januar 2018

Erziehung ist (k)ein Kinderspiel! – Fußtritte beim Wickeln

Herausforderung Erziehung - Fußtritte beim Wickeln - meinefamilie.at

Tobias (2) tritt und brüllt beim Wickeln, er hasst es wie die Pest. Maria Neuberger-Schmidt zeigt, wie man diese Konfliktsituation vermeiden kann.

Tobias, 2 Jahre, ist ein kräftiger Kerl, und manchmal sehr übermütig. Wickeln hasst er wie die Pest und tritt dabei seine Mutter manchmal in den Bauch. Sie hat ihm schon oft gesagt, dass er das nicht darf. Diesmal ist es ihr zu viel und sie hält Tobias fest, worauf er brüllt und schreit, mehr aus Protest, als aus Schmerz. Als sie mit dem Wickeln fertig ist, geht sie ins Wohnzimmer und sagt: „So, mir reicht’s. Jetzt will ich meine Ruhe!“ und macht die Türe zu. Tobias kapiert, dass er zu weit gegangen ist und kommt nach kurzer Zeit, setzt den „Dackelblick“ auf und sagt „Bist du noch böse?“ Die Mutter, erleichtert, nimmt das Versöhnungsangebot schnell an: „Ich glaube, jetzt können wir uns wieder vertragen!“, worauf Tobias sie keines weiteren Kommentars würdigt, sich umdreht und geht, mit der non-verbalen Botschaft: „Und jetzt schmolle ICH!“ Die Mutter fühlt sich total ausgespielt und hat obendrein ein schlechtes Gewissen. Was ist hier gelaufen?

Wie Kinder intuitiv manipulieren

Keine Frage, dieser kleine, unschuldige Tobias probt unbewusst Machtkampf und Manipulation. Zuerst schien die Mutter die Auseinandersetzung für sich entschieden zu haben, dann hat Tobias den „Spieß umgedreht“.

Einsicht und Versöhnung nachhaltig verankern

Meiner Meinung nach hat sie das Versöhnungsangebot ihres Sohnes zu rasch angenommen. Es hat noch etwas gefehlt: Wenn Kinder Reue und Einsicht zeigen, dann ist es wichtig, dies auch zu verankern und die Situation im Guten abzuschließen. Wenn Tobias fragt: „Bist du noch böse?“ müsste die Mutter nochmals auf das schlechte Verhalten hinweisen: „Weißt du, ich lass nicht zu, dass du mich in den Bauch trittst. Das tut weh und macht mich wütend und traurig. Ich glaube nicht, dass es deine Absicht ist, deiner lieben Mama weh zu tun, oder?!“ Auf diese treuherzige Suggestivfrage kommt sicher „Nein!“ Also würdigt sie das auch: „Das dachte ich mir. Darum darfst du nicht so wild und übermütig sein, wenn ich dich wickle. Ist das versprochen?“ Bestimmt kommt: „Ja, Mama!“ Mutter: „Fein, dann sind wir also wieder gut!“ Wenn nun Tobias die Versöhnung der Mutter annimmt, dann wird er es bestimmt auch ernst nehmen und sein Verhalten ändern.

Konflikte im Vorfeld vermeiden

Viele Konfliktsituationen lassen sich aber am besten gleich im Vorfeld vermeiden, so auch die Eskalation beim Wickeln: „Tobias, komm, ich muss dich wickeln. Such dir ein Spielzeug aus, damit du schön ruhig halten kannst.“ Wenn Ihr Kind Anstalten macht, zu strampeln, sagen Sie entschlossen: „Wenn du mich trittst, wickle ich dich nicht!“

Halten Sie inne, halten Sie es fest, schauen Sie es ernst an und warten Sie ein paar Sekunden. Dann fragen Sie: „Bist du bereit?“ Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass Ihr Kind kooperiert. Anschließend brauchen Sie sich nur noch dafür zu bedanken. Das spornt jedes Kind an, seiner Mutter Freude zu bereiten.

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