13. Januar 2018

Erwartungen loslassen!

erwartungen loslassen - meinefamilie.at

Wie heißt es so schön, Spielzeug ist für die Eltern da, nicht für die Kinder! Das trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf, denn oft muss ich meinen kindlichen Eifer bremsen.

Mein Mann und ich führen einen offenen Wettkampf miteinander, wer die stabilste Brücke, den höchsten Turm oder das schönste Haus mit Duplo-Steinen bauen kann. Am Ende des Tages wird das fertige Projekt meist noch fotografisch festgehalten, um Verwandten und Freunden vorgelegt werden zu können. Ob Autowaschanlage oder Abfahrtsrampe, unser Ehrgeiz treibt uns zu den tollsten Duplo-Bauten.

Wie heißt es so schön, Spielzeug ist für die Eltern da, nicht für die Kinder!

Das trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf, denn oft muss ich meinen kindlichen Eifer bremsen. Vor allem wenn ich mich dabei ertappe, dass ich meinen eigenen Sohn, für den ich eigentlich baue, nicht mehr mitspielen lasse. Nur weil er die Steine anders setzt, als mein Kopf das geplant hat.

Spaß am Bauen und Zertören!

Dennoch hat er immer großen Spaß daran, wenn das Werk einmal fertig ist. Dann sausen die Autos die Abfahrtsrampe hinunter, werden Tiere im Bauernhof gefüttert oder fliegen Duplo-Flugzeuge durch die Luft. Letztens war mein Mann gerade mit seinem Aufbau fertig, da kam unser Sohn mit dem Arm am Turm an, und zack! Alle Steine lagen am Boden. Die ganze Arbeit von einer halben Stunde umsonst! Ich musste so fürchterlich lachen, dass mein Sohn den zweiten Aufbau absichtlich umwarf, und den dritten ebenso! Nicht ohne sich königlich zu amüsieren, „putt, putt“ (kaputt) schrie er!

Change: Vielleicht sollte ich die anstrengenden Zeiten in der Kindererziehung, als Chance sehen. Als Möglichkeit mein kleines Ego für kurze Zeit zu vergessen und über mich selbst hinaus zu wachsen. Buchstäblich aufzugehen in der Liebe zu einem anderen Wesen.

Da wurde ich nachdenklich. Wie oft passiert es mir selbst, dass ihm mein Bauwerk nicht gefällt, und schon wird alles wieder zerlegt. Meist muss ich ihm dabei noch helfen! Vorige Woche saß ich mit einer Freundin in der Wiese. Unsere Kinder versuchten mit den Sandspielsachen die Erde aufzugraben, da sagte sie plötzlich zu mir: „Das macht schon etwas mit mir, wenn Kathrin meine Sandkuchen wieder zerstört.“

Vergänglichkeit positiv erleben

Ich musste an meine Singlezeit zurückdenken, als ich von Wien nach Graz zu einer buddhistischen Sandmandala-Zeremonie anreiste. In wochenlanger Arbeit wurde von den Mönchen ein buntes Sandmandala errichtet. Zu bestimmten Zeiten war es sogar möglich, den Mönchen bei der Arbeit zuzusehen, oder selbst im Tempel über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens zu meditieren. Bei der eigentlichen Abschlussfeier zerstörte der Klosterleiter das Mandala, mit einem gewöhnlichen Besen, innerhalb von Sekunden. Ich war tief beeindruckt, dieses Ritual zum Thema Loslassen miterleben zu dürfen.

Mittlerweile sage ich zu Freunden jedoch nur mehr, „nichts erdet einen so, wie Kinder zu gebären und aufzuziehen.“ Doch mittlerweile sehe ich das anders! Vielleicht ist unser Sohn ja der beste spirituelle Lehrer, den ich je hatte!

Kinder als Lehrer annehmen

Denn niemand sonst bringt mich dazu zu lächeln, wenn meine Duplo-Burg zerstört wird. Für niemanden sonst würde ich meinen kostbaren Schlaf opfern und mitten in der Nacht aufstehen. Niemand sonst lehrt mich dermaßen geduldig zu sein! Vor allem wenn wir für die kürzeste Strecke eine Ewigkeit brauchen, weil jeder Hauseingang und jeder Stein interessant sind. Und niemand sonst lehrt mich dermaßen im Moment zu leben.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at