8. September 2016

5 Erkenntnisse aus 5 Jahren Elternsein

Erkenntnisse aus fünf Jahren Elternsein - meinefamilie.at

Unser Großer wird in wenigen Wochen fünf Jahre alt! Unzählige Erkenntnisse habe ich in dieser Zeit gewonnen – über Kinder, über das Leben, über mich. Fünf davon möchte ich mit euch teilen!

#1 Baby ist nicht gleich Baby.

Erkenntnisse zum Elternsein - meinefamilie.atWenn man frisch gebackene Mama ist und seit Stunden ein schreiendes Bündel durch die Wohnung trägt, fragt man sich vielleicht: Mache ich etwas falsch? Warum brüllt mein Zwerg abends stundenlang, während das Baby der Nachbarin problemlos alleine im Gitterbett einschläft? Warum spuckt mein Kind jede Form von Beikost aus, wo doch der Kleine meiner Freundin schon ganze Gläschen verdrückt? Als Mutter von drei Kindern ist meine Erfahrung, dass Kinder sehr verschieden sein können. Beim Ältesten war ich ob der ewiglangen Einschlafprozedur oft am Verzweifeln, die Mittlere schlummerte nach dreimal Popoklopfen selig weg, der Dritte braucht wiederum mehr Nähe am Abend. Ich bezweifle zwar nicht, dass das elterliche Verhalten direkten Einfluss auf das Kind hat, aber es ist auch eine Tatsache, dass manche Babys früh durchschlafen, gerne essen, eher zufrieden und einfach unkompliziert sind. Und andere ihren Eltern etwas mehr abverlangen.

Also besser nicht mit anderen vergleichen, sondern lieber schauen, was mein Kind braucht.

#2 Es ist alles nur eine Phase.

Vor einiger Zeit war es schwer vorstellbar, dass unser Sohn einmal alleine und vor allem schnell abends einschläft. Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon bei einem Halbwüchsigen an der Bettkante sitzen und darauf warten, dass er endlich in den Schlaf findet. Und dann, ganz plötzlich, funktionierte es doch! Heute reicht meistens eine feste Umarmung und einmal Decke glattstreichen und der Bub dreht sich auf die Seite und schläft.

Ich kenne diese mühsamen Phasen: Wenn man mitten drin steckt, denkt man, sie gehen nie vorbei!

Aber sie tun es, und ich habe es schon viele Male erlebt! Manchmal heißt die Devise einfach: durchbeißen und auf bessere Zeiten warten.

#3 Die Zeit rennt.

Eben noch den positiven Schwangerschaftstest in der Hand, schon schneidet man den Geburtstagskuchen zum ersten Geburtstag an. Die Zeit rast dahin und sie tut es mit jedem Kind noch schneller. „Ein bisschen langsamer!“, möchte ich rufen, wenn der Kleine wieder einmal aus einer Kleidergröße raus gewachsen ist. Die Entwicklungsschritte meiner Kinder erfüllen mich mit Stolz, aber auch ein bisschen mit Wehmut.

Denn: Je größer die Kinder werden, desto bewusster wird mir, wie kurz die Zeitspanne ist, die sie uns anvertraut sind.

Was hilft? In der Gegenwart leben. Was vielleicht abgedroschen klingt, kann nicht wahrer sein. Das Leben spielt sich immer in der Gegenwart ab und will jetzt gelebt werden! Ich bin eine Meisterin darin, der Vergangenheit nachzutrauern und mich um die Zukunft zu sorgen. Da hilft oft nur, zur Gedankenspirale im Kopf „Stopp!“ sagen und mich von Neuem dem zuwenden, was mich gerade umgibt. Das sind oft meine Kinder und die darf ich aus vollen Zügen genießen. Dazu habe ich alles Recht der Welt.

#4 Auch andere Eltern machen ihre Sache gut!

Junge Eltern können ziemlich dogmatisch sein. Die, die das Familienbett für sich entdeckt haben, schütteln den Kopf über die, deren Babys von Anfang an im eigenen Bett schlafen. Wer das Kind mit sechs Monaten abstillt, findet Langzeitstillerinnen sonderbar. Die Tragetuch- und Kinderwagenfraktionen, die Selbstkocher- und Gläschenmamis haben füreinander bloß missbilligende Blicke und bissige Kommentare (zumindest in Internetforen) übrig. Das mag vielleicht ein bisschen überzeichnet sein, aber in Ansätzen erlebe ich das schon unter uns Müttern (Väter dürften da viel entspannter sein). Und ja, ich hatte auch meine starren Überzeugungen und fand vieles, was andere Eltern tun, komisch bis blöd. Mittlerweile bin ich da gelassener und merke:

Es gibt viele Wege zum glücklichen Kind. Es gibt nicht nur den einen richtigen Weg.

Mir ist wichtig geworden: Nicht nach dem Perfekten suchen, mich nicht verunsichern lassen und das, was ich tue, mit Überzeugung tun.

#5 Mama wird erzogen.

Ich frage mich manchmal, wer in der Familie eigentlich mehr lernt: die Kinder oder ich? Früher dachte ich: Die Erwachsenen erziehen die Kinder, bringen ihnen alles Mögliche bei, erklären ihnen die Welt und unterstützen sie beim Großwerden. Das ist nicht falsch, aber gleichzeitig stimmt: Durch meine Kinder entwickle ich mich weiter, lerne Neues über mich und die Welt. Meine drei Kinder fordern mich Tag für Tag heraus, halten mir gnadenlos und völlig ungeschönt einen Spiegel vor Augen. Ich nehme Seiten an mir wahr, die ich lieber nicht sehen würde: Eine ungeduldige, gereizte, brüllende Mutter wollte ich nie sein. Ich werde angeregt, an mir zu arbeiten, und mich immer wieder neu am biblischen Maßstab der Liebe zu orientieren, die langmütig und gütig ist, sich nicht zum Zorn reizen lässt, das Böse nicht nachträgt (vgl. 1 Korinther 13).

Meine Kinder kitzeln aber auch all die schönen Eigenschaften in mir wach, die ich nicht kannte. Ich kann geduldig Warum-Fragen in allen erdenklichen Variationen beantworten, komme beim Spielen von Memory und Co. in einen richtigen Flow und bringe meinen Kindern selbst nachts um zwei (halbwegs) liebevoll Wasser, Kuscheltiere oder Taschentücher ans Bett. Wer hätte das gedacht!

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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