1. Februar 2017

Englisch ab dem Kindergarten – was ist sinnvoll?

Englischkurse im Kindergarten - meinefamilie.at

Die Förderung der Fremdsprachen beginnt am besten im Kleinkindalter – oder? Warum bilinguale Kindergärten ein professionelles Konzept und Kinder kontinuierliche Fremdsprachenförderung brauchen, und Englisch nicht alles ist.

Auf dem Arbeitsmarkt sind Menschen gefragt, die viele Sprachen auf hohem Niveau sprechen. Eltern bemühen sich heute, ihren Kindern Möglichkeiten zu schaffen, um eine sehr gute Kompetenz in einer oder sogar mehreren Fremdsprachen zu erreichen. Englisch ist dabei mit Abstand die Nummer eins. Durch die große Nachfrage hat sich ein breites Angebot entwickelt: Englischkurse für Kleinkinder, bilinguale Spielgruppen, bilinguale Kindergärten und Krippen. Dieses Angebot macht es Eltern schwer, eine Entscheidung zu treffen – was ist dabei das Beste für mein Kind und für die Erwartungen der eigenen Familie? Und worauf kommt es bei der Wahl des Englischangebotes an?

Auf einige Fragen der fremdsprachlichen Früherziehung möchte ich in diesem Artikel eingehen.

Ab wann mit dem Fremdsprachenunterricht beginnen?

Eltern fragen mich oft, ab wann man oder besser gesagt kind beginnen sollte. Wann ist es zu früh und wann zu spät? Für eine Sprache ist es niemals zu früh noch zu spät. Das ist die gute Nachricht. Es kommt dabei eher auf die Erwartungen der Eltern und die Motivation des Kindes an, wobei Zweiteres fast nie ein Problem darstellt. Die Erwartungen der Eltern sollten aber das, was das Kind und das Familiengefüge leisten können, nicht überfordern.

Einmal in der Woche Englisch für Kleinkinder führt die kleinen Teilnehmer des Kurses in die Sprache ein. Wenn dieser spielerisch gestaltet ist, wird es ihnen bestimmt viel Spaß machen. Aber man kann nicht erwarten, dass das Kind Englisch wie ein Native sprechen wird. Dabei geht es eher darum, dem Kind die Sprache lustvoll näherzubringen. Eltern können die Freude an der Sprache auch vorleben, indem sie sich interessiert zeigen, wenn das Kind vom Kurs erzählt oder sein Können mal vorführt. Jedoch sollten sie nie in die Rolle des Abprüfens verfallen.

Dadurch bauen sie Druck auf und dann machen Kinder schnell die innere Tür zu oder noch schlimmer, sie verlieren den Spaß am Englischkurs.

Beim Fremdsprachenunterricht mit Kleinkindern und Kindern muss der Spaß und die Freude an erster Stelle stehen und nicht die Menge an erlerntem Neuen.

Das wird sich später lohnen, weil das Kind eine positive Einstellung zu Fremdsprachen entwickeln wird.

Bilingualer Kindergarten/Kindergruppe, ja oder nein?

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Sprache wird im Alltag und beim aktiven Tun erlernt.

Diese Form der Sprachbildung ist lang erprobt. Bei diesem Angebot kommt es vor allem auf ein solides und professionelles pädagogisches Konzept an. In den meisten Einrichtungen wird das Prinzip der Zweisprachigkeit gelebt und die Kinder kommunizieren täglich in zwei Sprachen mit jeweils unterschiedlichen Betreuern. Dadurch entsteht eine emotionale Bindung zwischen Kind und BetreuerIn in der jeweiligen Sprache.

Die Sprachen sollten nicht nur im Alltag verwendet werden. Eine gute pädagogische Arbeit sieht vor, dass in beiden Sprachen aktiv gelebt wird, also zum Beispiel gemeinsames Singen, Bücherlesen, aber auch andere Aktivitäten, die die Sinne anregen, sollten in beiden Sprachen stattfinden.

Und schließlich steht und fällt der Erfolg mit dem sprachlichen Niveau der Betreuer. Ein geschultes und professionelles Team wird in der Lage sein, die Kinder zu motivieren und ihnen viel von beiden Sprachen näherzubringen, sodass im besten Fall eine nahezu muttersprachliche Kompetenz entstehen kann. Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu unterstützen? Vor allem eines: die bilinguale Bildungseinrichtung langfristig fortsetzen.

Soll ich mit meinem Kind Englisch sprechen?

Eine Frage, die Eltern unter den Nägeln brennt: Kann ich, soll ich mit meinem Kind Englisch sprechen, wenn es nicht meine Muttersprache ist? Wenn das sprachliche Niveau nicht absolut exzellent ist, dann auf keinen Fall! Die Antwort ist nein!

Sprechen Sie mit Ihrem Kind in Ihrer Muttersprache und überlassen Sie es den geschulten Pädagogen, die Natives sind, Ihrem Kind die Fremdsprache beizubringen.

Und wenn Ihr Englisch richtig gut ist? Für uns Eltern ist Sprache zentral, wenn es darum geht, unseren Kindern Gefühle zu vermitteln. Schon seit Geburt summen wir, erzählen wir, spenden tröstende Worte und Liebeserklärungen. Für unser Kind entsteht eine untrennbare Verbindung zwischen diesen Gefühlen, die wir vermitteln und der Sprache, in der wir es tun. Hier gilt es also genau abzuwägen. Ist Englisch nicht die eigene Muttersprache, werden viele dieser tiefverwurzelten Gefühle nicht in der gleichen Intensität dem Kind weitergegeben werden können, selbst wenn das sprachliche Niveau exzellent ist. Es kommt nicht nur auf die sprachliche Perfektion an, sondern auf die emotionale Welt, die wir beim Sprechen mitschwingen lassen. Es ist kein Argument dagegen, ich möchte nur, dass Eltern bei dieser Entscheidung wissen, worauf sie sich einlassen.

Sprache ist Kontext

Ein junges Kind ist motiviert eine Sprache zu lernen, wenn es diese Sprache erleben kann, wenn sie für das Kind einen Kontext hat. Sonst verliert es schnell den Reiz. Sie motivieren Ihr Kind mehr, wenn Sie mit ihm in einen englischsprachigen Sport- oder Tanzclub gehen, als wenn Sie krampfhaft versuchen zuhause mit ihm Englisch zu sprechen.

Lernen Kinder von alleine?

Einen Satz, den ich immer wieder höre: „Kinder lernen Sprachen wie von alleine, sie saugen alles auf.“ Aber stimmt das?

Meine Tochter besuchte vor einiger Zeit einen jüdischen Kindergarten. Wir, ihre Eltern, sind nicht jüdisch. Im Kindergarten wurden viele Lieder auf Hebräisch gesungen und am Freitag wurde der Sabbat mit den dazu gehörenden Ritualen begangen. Schon nach wenigen Wochen fing meine Tochter an, die neu gelernten Lieder zu summen – auf Hebräisch natürlich. Ich glaube, sie verstand noch nichts, ich auch nicht, aber es machte uns allen Spaß, in den Klang dieser neuen Sprache einzutauchen. Und als ich sie an einem Freitagmittag abholte, begrüßte sie mich mit einem fröhlichen „Schalom Sabbat!“

Heute, ein Jahr nachdem sie den jüdischen Kindergarten verlassen hat, sind die Spuren des Hebräischen verwischt. Sie kann sich noch an die Zeit dort erinnern, aber sie kann nichts mehr wiedergeben.

Auf die Kontinuität kommt es an

Fazit ist, Kinder lernen eine neue Sprache tatsächlich sehr schnell und gut, allerdings vergessen sie diese auch genauso schnell.

Wenn Sie wollen, dass Ihr Kind eine Sprache lernt, die Sie selbst nicht als Erstsprache weitergeben können, müssen die Angebote an Ihr Kind Kontinuität haben, damit sich das Erlernte festigen kann.

Es gibt mehr als Englisch

Und als Expertin für Mehrsprachigkeit möchte ich zum Schluss den Blick auf die Sprachen lenken, die im Schatten von Englisch stehen. Es gibt viele schöne Angebote für Kinder, um auch andere Sprachen zu erlernen. Gerade in Wien sind die bilinguale Einrichtungen und Kinderkurse sehr vielseitig, angefangen bei Spanisch, über Russisch, Ungarisch, Tschechisch und vieles mehr! Seien Sie neugierig wie Ihr Kind und Sie werden einiges entdecken.

Kommende Termine für Eltern

Ich erziehe mein Kind mehrsprachig – wie es mir gelingt: Samstag, 25. 2. 2017, 10.00 – 14.00 Uhr

Mehrsprachige Erziehung von Geburt an: Freitag, 24. 3. 2017, 10.00 – 14.00 Uhr

LIMU Café – follow up (Treff für Eltern mehrsprachiger Kinder): Mittwoch, 15. 3. 2017, 18.30 – 20.30 UhrMittwoch, 10. 5. 2017, 18.30 – 20.30 Uhr

Englisch für Kinder und Kleinkinder – was macht wirklich Sinn?: Montag, 15. Mai 2017, 18.30 – 20.30 Uhr

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