2. April 2017

Das Elternsein genießen dank Geben und Nehmen

Das Elternsein genießen dank Geben und Nehmen - meinefamilie.at

Das Elterndasein muss sich nicht wie das Leben im Hamsterrad anfühlen. Eltern dürfen Ruhezeiten verlangen, trotz Kindern ein Erwachsenenleben führen und sich auf den begrenzten Lebensabschnitt einlassen, dann können sie ihren Alltag mit Kindern genießen.

„Ich hätte mir nie gedacht, dass es so anstrengend wird mit Kindern, ununterbrochen wollen sie etwas von mir.“

„Manchmal halte ich es einfach nicht mehr aus. Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, dass ich ihn in den Kindergarten stecken kann und einen Teil meines Lebens zurückbekomme. Nur ab und zu einmal in Ruhe einen Kaffee trinken können, das wäre im Moment schon viel.“

„Ich liebe meine Kinder unendlich und doch bin ich nach jedem Wochenende froh, wenn ich ins Büro zurückkann und nicht in einer Tour spielen muss.“

Solche und viele andere Aussagen kommen vielen engagierten Eltern über die Lippen. Sie sind erschöpft vom Elternsein, haben das Gefühl, nie einen Moment zu sich zu kommen und erleben den Alltag mit ihren Kindern als zermürbend und wenig Freude-spendend.

Elternsein heute: Anonymität, Zeitdruck und Ansprüche

Tatsächlich ist Elternsein heute bei weitem anstrengender als früher. Das anonyme Stadtleben mit wenig Grünflächen und hohem Verkehrsaufkommen, die geringe Hilfe, mit der viele Familien auskommen müssen, der Zeitdruck, der auf ihnen lastet, und der hohe Anspruch, der allgemein heute an Eltern und ihre Erziehung gestellt wird, fügen sich zu zahlreichen Belastungen zusammen, die den sowieso bereits anstrengenden Familienalltag zusätzlich erschweren. Von der Belastung, die vom Schulleben ausgeht, gar nicht zu reden.

Vieles davon lässt sich nicht so leicht beheben, wenn man nicht die Möglichkeit hat, in eine Landlebenidylle flüchten zu können. Dennoch können Eltern durchaus einiges tun, um aus dem Hamsterrad zuhause ein freudvolles Familiendasein zu schaffen. Mehr als Sie glauben, liegt es an Ihnen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Machen Sie einen Schritt zurück und halten Sie eine Lagebesprechung ab

Ein gemütlicher Partnerabend bei einem Glas Wein oder ein ausgiebiger Spaziergang zu zweit sind geeignete Rahmen, um den berühmten „Pauseknopf“ zu drücken und über das eigene Familienleben zu reflektieren. Nehmen Sie Stift und Papier zur Hand und schreiben Sie auf, welche Situationen Sie am meisten stören, was Sie belastet und was Sie sich wünschen würden. Mindestens zehn Verbesserungsvorschläge sollten Sie sich vornehmen, die bis zur nächsten „Lagebesprechung“ aktiv angegangen werden sollen.

Wenn Sie sich nie die Arbeit machen, Ihre Unzufriedenheit zu Papier zu bringen, geschweige denn zu verbalisieren, werden Ihre Probleme irgendwann zu dem bekannten Dach, das Ihnen auf den Kopf fällt.

Die Ehe geht vor

Kein Familienleben funktioniert, wenn die Beziehung der Eltern auf wackeligen Beinen steht. Und keine Beziehung funktioniert auf Dauer, wenn ihr nicht genügend Zeit und Zuwendung geschenkt wird. Eine schlechte Elternbeziehung wirkt sich zusätzlich schlecht auf die Erziehung unserer Sprösslinge aus, da hier die Abhängigkeit zum Kind oft zu groß wird.

Das beste Geschenk, das Sie Ihren Kindern machen können, ist Zeit mit dem Ehepartner zu verbringen.

Mindestens einmal die Woche sollten Sie sich Zeit füreinander nehmen. Schaffen Sie es nicht auszugehen, so legen Sie die Kinder früher schlafen und kochen Sie sich gemeinsam ein vernünftiges „Erwachsenenessen“. Versuchen Sie, nicht jedes Mal vor dem Fernseher zu landen, sondern nehmen Sie sich Zeit für Zärtlichkeit und Gespräche.

Familie funktioniert nur durch Geben und Nehmen

Viele Eltern reiben sich durch einen im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlosen Einsatz für ihre Kinder auf. Sie verstehen es als ihre Aufgabe, für das dauernde Wohl des Kindes zu sorgen, es vor jeder kleinen Gefahr zu beschützen und um jeden Preis zu verhindern, dass ihren Kindern langweilig ist. Nicht nur, dass sie ihren Kindern dadurch nichts Gutes tun, sie verlieren auf diese Weise verständlicherweise auch noch die Freude an ihnen.

Es ist durchaus okay, von Kindern zu verlangen, dass sie dem Ruhebedürfnis ihrer Eltern entgegenkommen, indem sie lernen, sich regelmäßig eine Weile selbst zu beschäftigen.

Nur wenn das Familienleben durch ein Geben und Nehmen beider Seiten geprägt ist, läuft es gut. Dort, wo Eltern sich als ständige Diener und Unterhalter ihrer Kinder wiederfinden, gerät das gemeinsame Leben in eine Schieflage.

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Eine Tasse Kaffee in Ruhe muss kein Luxus sein.

Gewöhnen Sie Ihren Kindern zum Beispiel eine Mittagspause an, die Ihnen auch ermöglicht, für eine Weile auszuspannen. Das wird nicht sofort gelingen, aber doch schneller, als Sie denken. Eine Tasse Kaffee in Ruhe muss kein Luxus sein.

Führen Sie vernünftige Bettgehzeiten ein und unterstützen Sie Ihr Kind darin, selbstständig einzuschlafen, sodass es Ihnen möglich ist, mit Ihrem Partner noch eine Weile alleine zu sein. Ein offener Abend, bei dem die Eltern vor Erschöpfung schon vor den Kindern einschlafen, ist auf die Dauer für jedes Eheleben eine große Belastung. 

Nicht jeder Wunsch ihres Kindes muss erfüllt werden

Warten Sie ein wenig, bevor Sie auf die Wünsche Ihres Kindes eingehen, sofern es sich nicht um einen Notfall handelt. Manchmal verflüchtigen sich diese Wünsche von selber, andere Male ergreift das Kind die Initiative, um das Problem zu lösen.

Geben Sie der Sehnsucht nach Entschleunigung nach

Reduzieren Sie Termine, überall dort, wo es geht; es geht viel öfters, als Sie glauben.

Nicht jeder Elterntreff des Kindergartens ist zwingend, das Kontaktenetz unserer Kinder wird sich auch erweitern, ohne dass Sie im Hintergrund Ihre Fäden spinnen.

Sie werden auch staunen, wie wenig passiert, wenn Sie sich einmal erlauben, die große Geburtstagsparty auszulassen und dafür gemütlich nur im Rahmen der Familie zu feiern. Babyschwimmen, Ballett und musikalische Früherziehung tun Sie sich nur dann an, wenn es logistisch keine Akrobatik von Ihnen verlangt. Ansonsten lassen Sie Ihr Baby täglich in der Badewanne planschen und legen Sie eine CD mit klassischer Musik dabei auf, dann ist der Förderbedarf fürs Erste ebenso gedeckt. Und statt einer „vier-Waggons-Eisenbahntorte“ dürfen es ruhig auch mal die Muffins vom Bäcker sein.

Stellen Sie sich darauf ein, dass ein Leben mit Kleinkindern manches ermöglicht, anderes nicht

Geheiratet wird heute sehr viel später. Wir haben uns dadurch über viele Jahre an ein Single-Dasein gewöhnt, das uns ermöglichte, unser Leben nach Lust und Laune zu gestalten, unseren Hobbys nachzugehen, auszugehen und zu reisen. Das Leben mit Kindern verlangt, in diesen Dingen zurückzustecken, um uns an anderen freuen zu können. Es erfordert, eine neue Langsamkeit zu erlernen und die Schönheit eines einfachen Spazierganges wieder zu entdecken. Nach dem ersten Sommerurlaub realisieren wir, dass Reisen nicht mehr gleich Erholung ist, und stellen uns darauf ein, für eine Weile Urlaub auf Balkonien zu machen. Der Spielplatz wird zu unserem zweiten Zuhause und Spaghetti haben den Vietnamesen und andere kulinarische Abenteuer ersetzt. Nun, alles geht vorüber. Je mehr wir uns auf unsere neue Lebenssituation einlassen und darin mit Humor das Positive entdecken, desto mehr Freude werden wir an unseren Kindern haben.

Führen Sie ein Erwachsenenleben

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Führen Sie ein Erwachsenenleben – trotz Kindern.

Laden Sie sich Freunde zum Abendessen ein, nachdem Sie die Kinder ins Bett gebracht haben.

Reden Sie über Politik, Fußball, Kunst oder den letzten Film, aber nicht über den lieben Nachwuchs.

Gönnen Sie sich regelmäßig ein Glas Wein, essen Sie dazu etwas, was Kinder nie anrühren würden, und hören Sie Ihre Lieblingsmusik an. Das alles, nicht weil Kinderessen schlecht wäre oder die Anwesenheit Ihrer Kinder Ihnen unangenehm ist, sondern weil ein wenig Distanz zum Alltag, ein wenig Eintauchen in andere Themen Ihnen die Freude am Alltag zurückgeben kann.

Machen Sie das, woran Ihre Familie und Sie Freude haben

Kommt das Wochenende, machen Sie sich einen Plan, was unbedingt zu tun ist und was Sie gerne tun möchten. Halten Sie Hausarbeit vom Wochenende so weit wie möglich fern, außer Sie wollen die ganze Familie dafür einspannen.

Räumen Sie nicht ständig hinter Ihren Kindern her und lassen Sie sich nicht von Terminen treiben.

Entnehmen Sie der – was ich die „seelische Hausapotheke“ nenne – mindestens einmal jedes Wochenende, die drei wichtigsten „Arzneimittel“: hinaus in die Natur, schöne Musik hören und von ganzem Herzen lachen.

GFO, Gesellschaft für Familienorientierung - meinefamilie.at



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