16. November 2016

Das Elternsein gelassen nehmen

Das Elternsein gelassen nehmen - meinefamilie.at

Eltern machen sich oft großen Druck, wenn es um ihr Familienleben geht. Dieser Druck überträgt sich auf die Kinder. Eine Einladung, weniger streng mit sich selbst zu sein.

Alle Eltern kennen es und spüren es immer mal wieder, wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht oder geplant: das berühmte „schlechte Gewissen“. Die Gedanken sind gespickt mit Konjunktiven wie „ich hätte doch“ und „ich dürfte nicht“, „ich sollte lieber“ und „ich müsste doch“ und wir sind sehr gut darin, uns selbst zu be- und verurteilen, weil wir (angeblich) etwas besser hätten machen können.

Und niemand hat uns je gesagt, dass wir sehr oft Übermenschliches von uns selbst erwarten, uns teils unerfüllbare Anforderungen aufbürden und viel zu hart mit uns selbst ins Gericht gehen.

Die verantwortungsvollste Aufgabe unseres Lebens

Was wir nicht wissen oder nicht beachten ist:

1) Das Elternsein ist in vielen Fällen die wichtigste und die verantwortungsvollste Rolle, die wir in unserem Leben einnehmen.

2) Es gibt keine Ausbildung dafür, das heißt man kann nirgends lernen, Eltern zu sein.

3) Wir haben kein Fundament an Wissen und Erfahrung, daher auch keine Sicherheit und kaum Selbstvertrauen in dieser Rolle. Woher denn auch?

4) Das einzige Rollen-Vorbild sind die eigenen Eltern, nur können wir uns normalerweise an unsere ersten paar Lebensjahre gar nicht und an die weiteren nur sehr bruchstückhaft erinnern. Vor allem wollen viele gar nicht so sein bzw. werden wie die eigenen Eltern :).

5) Selbst wenn Sie Übung und Erfahrung hätten oder schon haben, weil sie mehrere Kinder haben, ist es noch immer sehr schwer, den alltäglichen Herausforderungen des Elternseins immer nur „richtig und gut“ zu begegnen, denn jedes Kind ist von seinen Anlagen, seinem Verhalten und seiner Entwicklung her anders und einzigartig. Und fast jeder Tag bringt etwas völlig Neues, noch nie Erlebtes und Erfahrenes.

Kinder wollen uns alles recht machen

All das ist die unleugbare Realität, die wir in unserer Verantwortung und unserem Anspruch, alles „gut und richtig machen zu wollen“ gerne ausblenden – was aber leider dazu führt, dass wir uns oftmals überfordern.

Dieser Druck und Stress, den wir Eltern uns in unseren Gedanken und Gefühlen selbst erschaffen, bedingt, dass unsere Kinder – speziell wenn sie noch sehr klein sind – automatisch auch unter Stress stehen.

Denn unser innerer Druck überträgt sich unbewusst auf sie. Sie lieben uns, sie wollen uns alles recht machen, sie wollen aus tiefstem Herzen für uns „gut und richtig“ sein. Und wenn schon wir Eltern nicht in der Lage sind, alle unsere guten Absichten in die Tat umzusetzen – wie sollen es dann unsere Kinder schaffen, uns Eltern und sich selbst alles „recht zu machen“?

Realistische Ansprüche haben

Beachten Sie die Realität, entspannen Sie sich, lassen Sie auch mal alle Fünfe grade sein, lasten Sie sich nichts auf, das sowieso unmöglich ist. Auch Eltern sind Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen – und die wollen geachtet und gelebt werden. Auch für Eltern hat ein Tag nur 24 Stunden. Das Leben ist so – es schenkt uns nicht pro Kind fünf Stunden mehr am Tag :).

Es ist für Ihre Kinder überhaupt nicht wichtig, dass immer alles perfekt klappt.

Es ist ihnen auch nicht wichtig, eine perfekte Mutter, einen perfekter Vater zu haben. Relativieren Sie Schritt für Schritt Ihre Ansprüche und Anforderungen, machen Sie es sich leichter. Seien Sie nicht so streng mit sich selbst und hören Sie auf, Unmögliches schaffen zu wollen.

Seien Sie Ihren Kindern ein Vorbild darin, was es heißt, mit sich selbst zufrieden zu sein. Nicht immer, aber immer öfter ruhig und entspannt zu sein und die Herausforderungen des Lebens auch mal locker und mit Humor zu nehmen. Denn egal was Sie tun, wie Sie es tun und vor allem auch, wie Sie innerlich mit sich selbst umgehen – Ihre Kinder werden es Ihnen über kurz oder lang nachmachen!

Kommende Termine

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