26. März 2015

Eltern-Bashing: Kann man noch etwas richtig machen?


Was ist das anstrengende an der aktuellen Elternzeit? Das Eltern-Bashing. Kann man heute überhaupt noch etwas richtig machen? Wer sagt uns, was richtig ist?

Was ist das Anstrengende an der aktuellen Elternzeit? Das Eltern-Bashing. Helikopter-, Eislauf-, Super-, Raben-, Karriere-, Förderwahneltern. Und sicher habe ich jetzt ein paar Begriffe für die Eltern der Neuzeit vergessen. Das nervt. Anscheinend können Eltern heute nicht viel richtig machen: Zu viel oder zu wenig Förderung, zu bio, zu ungesund, zu alternativ, zu viel oder zu wenig Selbstaufgabe, zu viele Kurse, zu wenig Kurse, überforderte oder gelangweilte Kinder, zu viel oder zu wenig Aufmerksamkeit.

Wer sagt uns, was richtig ist, was falsch?

Wer urteilt über unsere Einstellung, über unser Familienleben, über unsere Familienwerte? Und wie kam es dazu? Ich sehe viele Gründe in den letzten Jahrzehnten, die uns Frauen auch mehr Perspektive und Selbstverwirklichung gebracht haben. Es ist nicht mehr klar, welches Modell das „richtige“ ist, es ist nicht mehr klar, dass Frauen zu Hause bleiben und sich um Kind und Haushalt kümmern, während der Mann arbeiten geht. Das ist eine Entwicklung, die ich sehr begrüße. Es führt aber auch dazu, dass jede Familie anders lebt (und ich bin überzeugt, dass es früher auch schon „Ausreißer“ gab, die andere Wege eingeschlagen haben) und dass mehrere Familiensysteme nebeneinander stehen.

Hinter meinem Handeln stehen auch Gründe, die ich aber nicht rechtfertigen muss. Ob ich mich gegen Puppenspiele weigere, stattdessen lieber sportlich mit meinen Kindern unterwegs bin, ist meine Sache. Dass ich am Spielplatz auch gerne ein Buch lese statt im Sand zu bauen oder zu rutschen, geht auch nur mich etwas an. Und auch wenn ich persönlich das Handeln anderer Eltern nicht gut finde, so werden auch sie Gründe für ihr Handeln haben. Und damit ist es gut. Punkt.

Geht es auch ohne Bashing?

Kann es denn bitte jeder so machen, wie er mag und wie es für die Familie passt, ohne Bashing? Meine Kinder dürfen neben Schule und Kindergarten auch einen Musikkurs besuchen, weil sie Musik lieben und ein Instrument lernen wollen. SIE wollen es, es macht sie glücklich und sie sind stolz. Und nebenbei können sie mir etwas beibringen, denn mir wurde es verwehrt, ein Instrument zu lernen. Und wenn sie einmal etwas anderes ausprobieren möchten, dann gerne. Warum auch nicht. Unterschiedliche Erfahrungen bereichern das Leben. Solange es nicht zu viel wird und noch genügend Platz für Freizeit und Freunde bleibt.

Keine Familie passt in nur eine Schublade

Ich kenne aber auch Familien, da stehen deutlich mehr Kurse am Programm und die Kinder scheinen damit nicht unglücklich zu sein. Sie können den Anforderungen standhalten, also warum sollten sie nicht in den Genuss kommen, wenn es finanziell auch möglich ist? Mir wären so viele Termine nachmittags zu anstrengend, aber beide Zugänge können gut nebeneinander stehen.

Jeder findet Dinge gut, die jemand anderer macht und andere weniger. Wenn man es wertfrei beobachtet und sieht, dass es damit allen gut geht, dann kann man es einfach hinnehmen und muss erst gar keine Schublade herausnehmen und die Familie dort hineinstecken. Denn keine Familie wird in all ihren Facetten in eine Schublade passen, das Leben ist bunt, nicht schwarz/weiß. Meinungsverschiedenheiten dürfen stehenbleiben, denn das macht das Leben spannend.

Lies auch: Kindern positives Selbstwertgefühl vermitteln



EIN ARTIKEL VON
  • Daniela Griesser

    Nach meinem Germanistik-Studium widmete ich mich der Erziehung meiner 3 Kinder, arbeitete als Tagesmutter und besuchte Fortbildungen in den Bereichen Babymassage, Tragen, Stillen und Familienbegleitung. Unter dem Namen "Familiennest" biete ich in Wien Workshops und Hausbesuche für werdende und frisch gebackene Eltern an.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at