24. Juni 2015

Einigkeit bei Eltern


Kinder kommen bei fehlender Einigkeit der Eltern immer in irgendeine Art Zwickmühle. Einigkeit bei Eltern bedeutet mehr Sicherheit bei Kindern

Einigkeit bei Eltern bedeutet mehr Sicherheit bei Kindern

Stefan will mit seinen beiden Kindern Sofie umd Leon zum Spielplatz gehen. Leon schnappt sich begeistert das Laufrad und schiebt es durch die Wohnungstür. „Papi, Leon hat noch keinen Sturzhelm auf!“, meint Sofie. „Für die kurze Strecke braucht er den nicht!“, findet Stefan. „Mami sagt aber: wir müssen immer den Helm aufhaben, weil sonst der Kopf schwer verletzt werden kann!“, beharrt Sofie. „Eure Mami ist eben immer ängstlich. Was soll euch auf dem Gehsteig schon passieren! Kommt, wir gehen!“, bestimmt Stefan. Leon lächelt seinen Papi schelmisch an und flüstert: „Mami ist ein Angsthase!“

Welche Folgen hat die fehlende Einigkeit nun?

Wie wird das mit dem Helm weitergehen? Man kann sich gut vorstellen, wie Leon bei der nächsten Gelegenheit seiner Mutter Melanie mit „männlichem Mut“ erklären wird, dass der lästige Fahrradhelm nur was für Angsthasen ist. Oder auch wie die korrekte Sofie sich nochmals bei der Mutter erkundigt, ob man denn am Gehsteig wirklich nicht so gefährlich stürzen kann?!

Klar ist, dass beide Kinder bei diesem Thema nun „zwischen“ den Eltern stehen – Sofie vielleicht näher bei Melanie und Leon eher bei Stefan. Natürlich ist das nicht wahnsinnig tragisch. Aber es gibt Kindern eine viel größere Sicherheit, wenn bei Eltern auch bei den kleinen Dingen des Alltags Einigkeit herrscht.
Je öfter ein Kind eine unterschiedliche Botschaft von Vater und Mutter erhält, desto mehr bekommt es den Eindruck, dass es letztlich selbst entscheiden muss, wer mehr „recht“ hat. Dazu fehlen einem Kind aber die richtigen Kriterien.

Die Zwickmühle

So wird es eher das für richtig halten, was im Moment angenehmer, bequemer, „cooler“ oder verlockender ist – wie Leon. Sofie hingegen fühlt sich vielleicht der Mutter mehr „verpflichtet“ und hält daher innerlich zu ihr. Jedenfalls kommen Kinder bei fehlender Einigkeit der Eltern immer in irgendeine Art Zwickmühle. Durch Ausdrücke wie „eure Mutter ist…“ wird der andere Elternteil außerdem unnötig etikettiert und die fehlende Einigkeit verschärft. Außerdem wird es für jeden Elternteil schwieriger, das einzufordern, was dem Kind gegen den Strich geht, weil es ja immer um die Rückendeckung des anderen Elternteils weiß. Manche Kinder werden dadurch richtige „Meister“ im gegenseitigen Ausspielen ihrer Eltern.

Die bessere Lösung

Besser wäre es, wenn Stefan in dieser Situation auf den Einwand seiner Tochter reagiert und sich hinter seine Frau stellt – etwa mit: „Ach so – na dann setzen wir den Helm natürlich auf! Danke, Sofie!“ Auf diese Weise hätte Stefan die Autorität der Mutter gestärkt anstatt ihre Ansicht vor den Kindern abzuwerten. „Sturzhelm ja oder nein“ und „Mami ein Angsthase?“ würde so für die Kinder gar nicht zu einem Thema werden.

Allgemein sollten jedoch bei mangelnder Einigkeit in Erziehungsthemen von den Ehepartnern durchaus angesprochen und diskutiert werden – allerdings nicht unbedingt vor den Kindern und am besten in entspannter Atmosphäre. Mit einem offenen Ohr und etwas Flexibilität kann meist ein Konsens und eine gemeinsame Linie gefunden werden.

Nichts schenkt Kindern mehr Sicherheit und Geborgenheit, als dass ihre Eltern zusammen halten und einander mit Wertschätzung begegnen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Alexandra Schwarz

    In den Stella Kindergruppen und als Familienberaterin begleite ich Eltern in ihrer wunderbaren und spannenden Aufgabe der Erziehung. Als Mutter von sieben Kindern weiß ich, wie viel Freude Kinder bereiten, aber auch, wie hilfreich es sein kann, bei so mancher Herausforderung einen Input von „außen“ zu bekommen.


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