26. September 2017

Eine Extraportion Lob für Kinder – oder nicht?

Wie viel Lob für Kinder? - meinefamilie.at

Wer seine Kinder lobt, will sie glücklich machen und in ihrem Tun bestärken. Aber wie lobt man eigentlich richtig? Und: wann wird es zu viel bzw. kann es überhaupt zu viel werden? 

Lob und Anerkennung sind die Quellen für Selbstvertrauen, für ein gutes Selbstwertgefühl. Sie sind also von existentieller Bedeutung für die Entwicklung eines Kindes. Damit ein Kind lernen kann, die eigenen Leistungen zu schätzen, Hürden zu erkennen, die überwunden wurden, ist es wichtig, dass die Eltern diese Schritte aufmerksam erkennen und dann vor allem auch den Kindern mit Freude mitteilen. Dazu gehört auch die Ermutigung zu einer gesunden Portion Eigenlob. Später wird der Nachwuchs oft in Situationen kommen, in denen niemand die erbrachte Leistung sieht. Da ist es dann umso wichtiger, sich auch selbst auf die Schultern zu klopfen, sich auch eine Portion Eigenlob erlauben. Es kann zum Parfum des Erfolgs werden.

Vor allem von älteren Klienten hören ich in diesem Zusammenhang immer wieder den Satz, der in ihrer Kindheit als Erziehungsmaxime gegolten hat: „Nichts sagen ist genug gelobt!“. Heute geht das Pendel aber oft in die andere Richtung – jede Kleinigkeit wird mit Applaus bedacht. Diese Lob-Inflation entwertet letztendlich die Anerkennung.

Lob ist dann angebracht, wenn ein Kind seine Grenzen erweitert hat, wenn es all seinen Mut zusammengenommen hat, um Neues zu erproben: zum Beispiel trotz Heimweh beim Jungscharlager zu bleiben.

Lob wirkt umso besser – im Sinne von Ermutigung für die Überwindung zukünftiger Hürden – wenn es konkret ist, wenn genau gefragt wird, wie es denn gelungen ist, das Heimweh zu besiegen. Dann werden dem Kind auch seine Fähigkeiten noch mehr bewusst. Und vielleicht gehört zu diesen Fähigkeiten auch, um Hilfe zu bitten. Es muss ja nicht jede Hürde alleine übersprungen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Fähigkeit, sich helfen zu lassen, in die Liste der sogenannten Lebenskompetenzen aufgenommen.

Die Fähigkeit zu Selbstwahrnehmung gehören hier ebenso dazu wie Empathie, Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenzen.

Wann ist Lob für Kinder berechtigt?

Lob geht in zwei Richtungen: Es ist eine Anerkennung für ein Tun in der Vergangenheit, es ist aber vor allem auch Motivation für die Zukunft. Und es ist nach dem Überschreiten der Ziellinie wichtig, den Kinder zu erlauben, stolz zu sein. Ohne dabei auf die Dankbarkeit für Hilfestellungen durch andere Menschen zu vergessen. Lob braucht also im Voraus definierte Ziele: eine bestimmte Note auf die Schularbeit, eine besondere Hilfestellung im Haushalt, ein Verzicht auf ein Vergnügen, um damit einer anderen Person Zeit schenken zu können,… Es gibt unzählige Anlässe für Lob.

Lob ist ein spürbares Signal für Selbstwirksamkeit: Ich habe mir ein Ziel gesetzt und ich habe es erreicht.

Diese Erfahrungen beginnen im Kleinen und ermutigen im Laufe der Jahre zu immer größeren Meilensteinen: Lehrabschluss, Führerschein, Bewerbungsgespräche,… Mit dem Erfahrungsschatz vieler erreichter kleiner oder größerer Zwischenetappen werde ich die nächsten Herausforderungen auch mit Zuversicht ins Auge fassen. Ebenso wichtig ist aber dabei die Dankbarkeit für mehr oder weniger große Hilfestellungen.

Jeden Tag für drei Dinge dankbar sein

Der Neurobiologe Gerald Hüther hat zwei zentrale Bedürfnisse des Menschen definiert: Wachstum und Bindung. (Eigen-)Lob ist der Katalysator für die Entwicklung der Persönlichkeit. Die Dankbarkeit wiederum macht uns bewusst, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind und uns tagtäglich auch kleine oder größere Geschenke gemacht werden. Meinen KlientInnen empfehle ich daher oft, sich in einem kleinen Büchlein am Ende des Tages drei Punkte zu notieren, für die sie sich an diesem Tag selbst loben bzw. gelobt wurden. Da reichen auch Kleinigkeiten. Es sollen aber auch drei Punkte notiert werden, für die Dankbarkeit angebracht ist. Mit Kindern kann dieser Tagesrückblick natürlich im Gespräch erfolgen – ergänzt vielleicht durch einen Ausblick: Worauf freue ich mich morgen?

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EIN ARTIKEL VON
  • Brigitte Ettl

    Als gelernte Juristin habe ich mich nach Jahren im Journalismus, in der Privatwirtschaft und der Kirche (KAÖ-Forum Beziehung) als Ehe- und Familienberaterin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Wirtschaftscoach selbstständig gemacht. Mit meinem Mann verbinden mich 28 Ehejahre und die gemeinsame Leitung einer Unternehmensberatung.


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