1. Februar 2016

Ein starkes Elternteam werden

Ein starkes Elternteam werden - meinefamilie.at

Wenn Mama A sagt, sagt Papa B…dass Eltern anderer Meinung sind, ist normal. Wie aber können sie ihre Kinder als starkes Elternteam erziehen? Der Familientherapeut Achim Schad hat drei Teamregeln für Eltern.

Abendessen in der Familie. Der Vater ermahnt seinen Sohn: „Max, schmatz nicht so!“ Darauf antwortet die Frau: „Hast du einen schlechten Tag gehabt?“ Oder: „Jetzt bist du endlich einmal da, und dann meckerst du nur!“

Wenn Eltern sich immer wieder kritisieren, ist die Familienatmosphäre angespannt, langfristig zeigen die Kinder Verhaltensauffälligkeiten – besonders, wenn das Elternteam zerstritten ist. Diese Situation ist vergleichbar mit einem Haus: Wenn das Fundament instabil ist, können auch die Stockwerke nicht stabil sein.

So erklärt der Familientherapeut Achim Schad das schwache Elternteam als häufige Belastung in Familien. Es lasse sich durch zwei – grundsätzlich positive – Entwicklungen erklären:

  1. Männer und Frauen sind heute ein gleichberechtigtes Team. Bis vor etwa 40 Jahren konnte der Mann entscheiden, ob die Frau arbeiten geht. Natürlich war es da auch leichter, Entscheidungen zu treffen, denn im Zweifel galt, was der Vater sagte.
  2. Die klassische Aufgabenverteilung wie in der bürgerlichen Familie gibt es selten. Heute teilen die Eltern ihre Werk- und Erziehungsarbeit, dadurch sind Väter stärker in die Erziehungsarbeit eingebunden, was allerdings auch bedeutet, dass die Eltern Meinungsunterschiede in Erziehungsfragen haben. „Es ist eher verwunderlich, wenn beide Partner feststellen, dass sie genau gleich ticken beim Umgang mit ihrem Kind“, beruhigt Achim Schad.

Keine Sorge vor Unterschieden

Dass Mama und Papa verschieden sind, hat mehrere Gründe. Beide haben in ihren Herkunftsfamilien Erziehung kennengelernt und bringen eine unbewusste Vorstellung davon in die Familie mit. Außerdem lernen sie sich erst als Vater und Mutter kennen, wenn sie ein Kind bekommen und verändern da ihre Sichtweise. Und: Männer und Frauen sind eben anders.

Diese Unterschiede können Bereicherung statt Schwierigkeit sein – Sorge brauche man keine zu haben. Dass es bei Oma anders läuft als zuhause, im Kindergarten anders als bei Oma oder bei den Nachbarn anders als daheim, können Kinder unterscheiden. Zusätzlich lernen sie dadurch, zu differenzieren und erweitern ihren Horizont. „Kinder können mit Unterschieden wunderbar leben“, sagt Achim Schad, aber: „Eltern müssen sich in ihrer Unterschiedlichkeit respektieren.“ Schad rät, mit Tolerieren anzufangen – das Akzeptieren könne später folgen. „Wie ich feststelle, sind die Erziehungsziele der Eltern oft nicht verschieden, aber die Stile anders“, fügt Schad hinzu.

Agieren Mama und Papa als Elternteam?

Meinungsunterschiede sind normal, aber funktioniert die Erziehung als Elternteam? Wenn es in Anwesenheit beider Elternteile mit den Kindern schlechter läuft als mit einem allein, dann ist das Elternteam verbesserungswürdig.

Ist es für beide Elternteile stressiger, ist die Atmosphäre angespannter, wenn sie zusammen bei den Kindern sind? Dann ist im Elternteam Spannung.

Wenn Eltern ständig im Konflikt stehen, lassen auch die Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern nicht lange auf sich warten.

Drei Regeln verhelfen zum Elternteam

Eltern sollten sich außerhalb der Gegenwart ihrer Kinder auf ein gemeinsames Verhalten verständigen. Das kann bedeuten, dass immer die Mutter entscheidet und der Vater sich anpasst – was oft der Fall ist, wenn Väter in der Familie randständig sind. Was praktisch funktionieren mag, führt jedoch dazu, dass Männer in Bereiche flüchten, in denen sie mehr zu sagen haben: in Überstunden oder in die Werkstatt.

Wenn Mutter als auch Vater an der Erziehungsarbeit teilhaben sollen, braucht es andere Lösungen. Achim Schad arbeitet seit 20 Jahren in der Erziehungsberatung mit drei Regeln für Eltern, die helfen, als Elternteam zu erziehen.

1. Was vor den Kindern zuerst gesagt wird, gilt. 

Wer in einer Situation spontan als Erstes reagiert, hat entschieden – und ein Elternteil respektiert die Entscheidung des Partners, der sie zuerst getroffen und vor den Kindern ausgesprochen hat. Am Anfang seien die Väter begeistert von der Regel, weil sie meinten, da lägen sie im Vorteil, erzählt Schad. „Die Euphorie ist aber bald verschwunden. Bevor die Väter wissen, was los ist, hat die Frau schon reagiert. Die Frauen sind routinierter im Geschäft“, sagt Achim Schad mit einem Augenzwinkern.

2. Es gilt die Entscheidung dessen, der im Moment für die Kinder zuständig ist.

Väter wissen manchmal nicht genau, welche Rolle sie in der Erziehung haben. Eindeutig vereinbarte Zuständigkeiten helfen. Zum Beispiel: Jeden Samstagvormittag ist Papa für die Kinder zuständig oder immer fürs abendliche Zu-Bett-Gehen.

Besonders eindeutig ist es, wenn Mama nicht da ist, dann ist die Zuständigkeit eindeutig geklärt. Das Kind hat Orientierung, der Vater hat einen Motivationsschub und die Mutter ist entlastet. Beide Eltern lernen dadurch auch: So wie der andere es macht, würde ich es vielleicht selbst nicht machen, aber es ist eine Perspektivenerweiterung. Womöglich möchte ich etwas für meine eigene Erziehungsarbeit übernehmen – aber freiwillig.

3. Der Partner unterstützt, was der andere sagt.

Manchmal fallen sich Eltern unbewusst gegenseitig in den Rücken. Wenn die Mama zum Kind sagt: „Mach dich bettfertig!“, daraufhin das Kind dem Papa vom Kindergarten erzählt und der wiederum begeistert ist, dass das Kind freiwillig erzählt – dann fällt er seiner Frau in den Rücken. Daher ist wichtig: Der Partner unterstreicht demonstrativ, was der andere sagt. Besonders, wenn Kinder ihre Eltern bisher nicht als Team erlebt haben, ist dieses Bekräftigen eine Schulterschlussbewegung. Wenn der zweite Elternteil hingegen schweigt, heißt das, er ignoriert die Ansage des anderen und vermittelt die Botschaft: Papa stört nicht, weswegen Mama ermahnt hat. Zumal Söhne besonders darauf schauen, wie Papa reagiert.

Mit diesen Teamregeln seien die allermeisten Elternkonflikte zu beseitigen, spricht Achim Schad aus Erfahrung.

Achim Schad ist Familientherapeut und Vater. Beim Jako-o-Familienkongress referierte er zum Thema „Wie werden Eltern ein Dreamteam? Konflikte zwischen Eltern lösen“.

Kinder brauchen mehr als Liebe

Klarheit, Grenzen, Konsequenzen.
Achim Schad
Carl-Auer Verlag, 2015
133 Seiten
ISBN: 978-3-89670-733-8
14,95€

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Reinsperger

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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