3. Dezember 2015

Erziehung: Drohung vor dem Krampus ist keine Lösung


Immer wieder durchkreuzen Kinder durch unangepasstes Verhalten die Pläne der Eltern. Die Drohung vor dem Krampus ist keine Lösung – was stattdessen hilft.

Martin ist entnervt. Er wollte mit seiner Frau Simone einen gemütlichen Einkaufs-Nachmittag verbringen und dabei schon die ersten Weihnachtseinkäufe erledigen. Sein fünfjähriger Sohn Jakob ist allerdings heute schwer zu genießen und quengelt in einer Tour. Dabei hat er schon ein neues Spielzeugauto und seinen Lieblingssaft bekommen. Als er jetzt den halb gegessenen Muffin mit den Worten „Da – den mag ich nicht mehr!“ so ungeschickt in Richtung seines Papas hält, dass er dabei dessen Hose beschmutzt, platzt Martin der Kragen: „Jakob, es reicht! Reiß dich zusammen! Wenn du so weiter machst, kommt nächste Woche nur der Krampus statt dem Nikolaus!“

Mittelweg zwischen eigenen Plänen und Bedürfnissen der Kinder

Wird Jakob jetzt „braver“ sein? Was hat er eigentlich angestellt, das den Krampus auf den Plan ruft?

Immer wieder durchkreuzen Kinder durch unangepasstes Verhalten die Pläne oder Wunschvorstellungen der Erwachsenen. Das kann eine ziemliche Herausforderung für ihre Eltern darstellen. Es ist nicht leicht, einen Mittelweg zwischen zwei Extremen zu finden. Einerseits passiert es Eltern manchmal, dass sie sich vom Kind und seinen  momentanen Wünschen und Einfällen quasi „diktieren“ lassen. Ihre eigenen Pläne und Bedürfnisse bleiben dabei oft auf der Strecke und das Kind übernimmt die Führung. Andererseits kann es wie bei Martin sein, dass die Bedürfnisse der Kleinen zu wenig in die Planung einbezogen wurden. In diesem Fall wird die Kooperation des Kindes buchstäblich „erkauft“ oder versucht, sie mit Drohungen zu erzwingen. Beide Verhaltenweisen sind nicht optimal für die Entwicklung des Kindes und den Aufbau einer liebevollen und zugleich respektvollen Eltern-Kind-Beziehung.

Zeit zu zweit ist wichtig

Was kann Martin und Simone schon im Vorfeld helfen? Zu allererst können sie überlegen, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, Jakob bei Großeltern oder Freunden zu lassen, um sich wieder einmal Zeit nur zu zweit zu nehmen, einen stressfreien Nachmittag zu genießen und so „den Beziehungstank zu füllen“. Gerade Paare mit kleineren Kindern denken oft zu wenig daran, dass es durchaus okay, ja sogar sehr wichtig ist, sich Zweisamkeit zu gönnen.

Die eigenen Pläne mit dem Kind besprechen

Bei allen Unternehmungen mit dem Kind ist es wichtig, dem Kind schon im Vorhinein zu erklären, was geplant ist und wenn möglich eine „wichtige“ Aufgabe zu übertragen. Martin könnte sagen: „Jakob, Mami und ich wollen heute in der Stadt schauen, ob wir ein Geschenk für Oma finden. Und du könntest eine schöne Karte für sie aussuchen! Dann essen wir eine leckere Jause im Kaffeehaus – möchtest du einen Kakao?“ So weiß Jakob, was auf ihn zukommt. Fängt er trotzdem beim zweiten Geschäft zum Jammern an und möchte etwas zu essen oder ein neues Spielzeug, ist es wichtig, trotzdem bei den Abmachungen zu bleiben. „Jakob, wir suchen das Geschenk für Oma und du bekommst danach deinen Kakao. Ich möchte, dass du jetzt mithilfst, damit wir das Richtige für Oma finden. Wie gefällt dir diese Vase?“

Erfahrung machen: Mein Verhalten hat Auswirkungen

Je entschlossener Eltern bei ihren Vereinbarungen bleiben, umso mehr begreift das Kind mit der Zeit einerseits, dass Quengeln und Bocken nicht zum Ziel führen, und dass es sich andererseits darauf verlassen kann, dass auch das geschieht, was ihm in Aussicht gestellt wurde – zum Beispiel das Aussuchen der Karte für Oma. Statt aus aufgestautem Ärger mit unzusammenhängenden irrealen Ereignissen wie „der Krampus kommt“ zu drohen, ist es viel sinnvoller, dem Kind die Konsequenzen seines Verhaltens rechtzeitig aufzuzeigen. Etwa wie: „Schau, wenn du dauernd jammerst ist das für uns sehr unangenehm. Wir brauchen viel länger zum Einkaufen und dann ist es vielleicht zu spät für das Kaffeehaus und deinen Kakao.“ Sollte Jakob trotzdem weiter quengeln, müssten alle drei auf die gemütliche Jause verzichten, damit Jakob merkt, dass sein Verhalten tatsächlich Auswirkungen hat. Das nächste Mal wird er es wahrscheinlich anders machen.

Auch wenn Kinder immer wieder einmal gegen Abmachungen rebellieren, gibt es ihnen eine große Sicherheit und Geborgenheit, wenn ihre Eltern liebevoll konsequent sind.

Passend zum Krampus: Legenden über St. Nikolaus

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EIN ARTIKEL VON
  • Alexandra Schwarz

    In den Stella Kindergruppen und als Familienberaterin begleite ich Eltern in ihrer wunderbaren und spannenden Aufgabe der Erziehung. Als Mutter von sieben Kindern weiß ich, wie viel Freude Kinder bereiten, aber auch, wie hilfreich es sein kann, bei so mancher Herausforderung einen Input von „außen“ zu bekommen.


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