1. April 2017

Wie Drohnen-Eltern alles überwachen

Drohnen-Eltern - meinefamilieat

Helikopter-Eltern waren gestern. Heute schwirren die Drohnen-Eltern um ihre Kinder herum und überwachen über das Smartphone.

Sie sind die neue Generation überbesorgter Eltern: die Drohnen-Eltern. Um ihre Kinder herumzuschwirren, wie es die Helikopter-Eltern tun, reicht ihnen nicht mehr. Drohnen-Eltern überwachen ihre Kinder via Smartphone. Auf Schritt und Tritt. Es gibt Apps, die das Kind jederzeit überall orten können. Manche legen ein bestimmtes Gebiet fest, in dem sich das Kind „frei“ bewegen kann – verlässt es dieses Gebiet, bekommen die Eltern eine Nachricht auf ihr Handy. Mit anderen Apps können Eltern das Telefon der eigenen Kinder „per Fernbedienung“ sperren. Etwa wenn das Kind auf elterliche SMS oder Anrufe nicht reagiert „Dein Handy ist gesperrt. Ruf deine Mutter an“, erscheint dann auf dem Display des Kinderhandys. Andere melden den Eltern, wenn das Kind in der Schule ist oder wenn es von der Schule wieder weggeht.

Drohnen-Eltern: Das Kind, nicht sein Wohlbefinden wird überwacht

Die Apps suggerieren Sicherheit, arbeiten mit den Gefühlen der Eltern, argumentieren damit, dass es doch um das Wohl des Kindes geht. „Behüten Sie, was Ihnen lieb und teuer ist“, heißt es etwa auf der Homepage von „Inanny“. Und damit treffen sie natürlich genau den richtigen Nerv. Denn wer will sein Kind nicht bestmöglich beschützen?

Doch vor allem Pädagogen sind von den technischen Möglichkeiten, die Eltern heute zur Verfügung stehen, alles andere als begeistert. „Auf der einen Seite finde ich es verständlich, dass Eltern ihre Kinder in Sicherheit wissen wollen“, sagt etwa Astrid Ebenberger, Vizepräsidentin des Katholischen Familienverband Österreichs und Lehrende an der Katholischen Pädagogischen Hochschule in Krems, „auf der anderen Seite halte ich diese Methoden für den falschen Weg.“

Selbstverantwortlich, lösungsorientiert, sozial kompetent

Kinder würden mit diesen Apps in ihrer gesunden Entwicklung extrem eingeschränkt, so Ebenberger: „Wir wollen unsere Kinder zu selbstverantwortlichen, lösungsorientierten, sozial kompetenten Menschen erziehen. Aber das gelingt in einer permanenten Überwachungssituation nicht. Da lernen Kinder höchstens, wie man dieser Überwachung entgeht, wie man diese Apps austrickst. Anders gesagt: Wie man andere beschwindelt und belügt.“

Wer selbstverantwortliche, lösungsorientierte, sozial kompetente Erwachsene möchte, der müsse den Kindern schon im Kindesalter Freiheiten einräumen. „Da, wo Eltern ihren Kindern etwas zutrauen und ihnen das auch klar kommunizieren, dass sie das tun, da ist persönliche Entwicklung möglich“, ist Ebenberger überzeugt.

„Kinder müssen die Möglichkeit haben, sich ihrem Alter entsprechend auch selbstbestimmt und ohne das wachsame Auge der Eltern auszuprobieren.“

Nicht zuletzt hätten auch Kinder ein verbrieftes Recht auf Privatsphäre: „Kinder haben in der Schule oder an anderer Stelle mit ihren Freunden Erlebnisse, die sozusagen nur ihnen gehören“, sagt Ebenberger: „Ob sie uns Eltern die erzählen oder nicht, bleibt ihnen überlassen. Diese Freiheit muss man ihnen lassen und darf sie nicht durch den Einsatz diverser Überwachungsmethoden einschränken.“

Auch Freiheit braucht Grenzen

Viel eher müsse es klare Strukturen im Familienleben geben: „Unsere Aufgabe als Eltern ist, den Kindern Freiheiten einzuräumen, Grenzen abzustecken innerhalb derer sich das Kind bewegen kann. Und es ist unsere Aufgabe, den Kindern umgekehrt auch den gesunden Umgang mit den uns gegebenen Freiräumen und Möglichkeiten vorzuleben. Am Ende braucht es eine große Portion Vertrauen – Vertrauen in uns selbst, aber auch Vertrauen, dass unsere Kinder, die ihnen gegebenen Grenzen respektieren. “ Gerade das brauche natürlich auch eine gewisse Präsenz der Eltern. „Und zwar keine Präsenz via Drohne“, betont Ebenberger. „Wenn ich meinem Kind etwas vorleben möchte, wenn ich es in seiner Entwicklung begleiten will und will, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen uns besteht, muss ich da sein. Nur durch ein gewisses Maß an Präsenz baut sich Bindung auf.“



EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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