31. Oktober 2017

Die Sache mit dem Nein: Wie Eltern lernen, Nein zu sagen

Nein sagen - meinefamilie.at

Klar und deutlich Nein zu sagen, ist für uns Eltern oft eine Herausforderung. Doch wenn wir konsequent Nein sagen, anstatt um den heißen Brei herumzureden, können dies auch unsere Kinder akzeptieren – und lernen, selbst Nein zu sagen und ihre Grenzen zu wahren.

Wie geht es euch mit dem Neinsagen? Ganz ehrlich? Ich habe die Beobachtung gemacht, dass wir Mütter uns manchmal ganz schön schwer damit tun, unseren Kindern ein klares Nein zu sagen. Väter tun sich leichter ein klares Nein zu sagen, aber auch nicht immer…

Da wurschteln wir uns lieber durch und reden um den heißen Brei herum, anstatt klipp und klar Nein zu sagen. Warum ist das so? Weil wir Angst haben, den anderen vor den Kopf zu stoßen mit unserem Nein, weil wir unser Gegenüber nicht verletzen wollen oder enttäuschen wollen. Und dann sagen wir ein halbherziges Ja, um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Aber was macht das mit uns? Jesper Juul beschreibt das in seinem Buch „Nein aus Liebe“:

Wenn ich mich jedes Mal selbst aufopfere und Kompromisse schließe, wenn ich meine Grenzen, Bedürfnisse und Werte aufgebe, dann leidet meine Lebensqualität darunter und auch die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Und gerade in Bezug auf meine Kinder und meinen Partner möchte ich, dass wir eine gute Beziehung führen, die auf gegenseitigem Verständnis und Respekt aufbaut.

Und dazu ist es wichtig, ein klares Nein zu sagen.

Es ist wichtig für uns Eltern, Nein zu sagen, dass unsere Kinder lernen, unsere Grenzen und Bedürfnisse zu respektieren, dass sie lernen, dass auch wir Eltern Zeit für uns selbst brauchen. Ein klares Nein hat nichts mit Schimpfen und Maßregeln zu tun, es ist nicht herablassend und angreifend. Wie geht das mit dem klaren Nein?

Wenn mein 2-jähriges Kind mir die Brille von der Nase zerrt, kann ich ganz unpersönlich sagen: „Mit Brillen spielt man nicht. Die kosten viel Geld“ oder aber „Nein, das will ich nicht!“, „Ich verstehe, dass Dich die Brille interessiert, aber ich will das nicht!“

Oder wenn meine 4-jährige Tochter mich unterbricht, wenn ich mit meinem Mann spreche, kann ich sagen „Mama will mit Papa sprechen“. Wenn ich aber von mir in der dritten Person spreche, besitze ich noch weniger Überzeugungskraft. Daher sage ich: „Ich will zuerst mit Papa sprechen, dann reden wir miteinander.“

Selbstsicher Nein sagen

Je persönlicher und selbstsicherer wir Eltern uns zu unseren Kindern ausdrücken, desto eher lernen sie, unser Nein zu akzeptieren.

Ich selbst merke, dass ich mir manchmal schwertue mit einem klaren Nein. Ich möchte meine Kinder nicht verletzen, ich druckse herum und winde mich. Wenn ich es aber wirklich schaffe, klar und deutlich Nein zu sagen, akzeptieren die Kinder mein Nein.Nein sagen - meinefamilie.at

Es mag vorkommen, dass sie traurig sind und weinen – doch das ist meistens kurz, denn mein Nein ist so stark, dass sie merken, ok – das ist jetzt so. Es hilft, sie zu trösten und sie in die Arme zu nehmen, falls sie das wollen.

Zum Beispiel ist das Schlafengehen manchmal eine mühsame Situation. Die Kinder sind müde und ich selbst bin fertig vom ganzen Tag. Unser Ritual ist, dass es vor dem Schlafengehen eine Gute-Nacht-Geschichte gibt, die wir ihnen vorlesen. Natürlich fragen sie immer wieder, ob noch ein zweites Buch vorgelesen wird. Wenn ich überlege und mit Ausreden beginne, warum ich ihnen kein Buch mehr vorlesen möchte (weil es spät ist und sie morgen früh aufstehen müssen), ist die Eskalation gewiss – Geschrei, Wutausbrüche, etc. folgen. Sage ich aber ganz klar Nein – jetzt ist Schlafenszeit, ich möchte, dass ihr Euch jetzt ins Bett legt – gibt es keine Diskussionen mehr.

Kinder lernen selbst, klar Nein zu sagen

Warum ist unser klares Nein außerdem wichtig? Unsere Kinder lernen durch unser starkes Nein auch selbst Nein zu sagen. Da liegt es an uns, auch das zu unterstützen. Denn ich möchte nicht, dass jemand Fremder den Körper meines Kindes berührt. Damit mein Kind aber in dieser Situation klar Nein sagen kann, muss es auch bei kleinen Dingen Nein sagen dürfen. Nein sagen muss eingeübt werden und von uns Erwachsenen akzeptiert werden!

„Nein Mama, ich möchte dem Kind meinen Traktor nicht borgen!“
„Nein, diese Hose will ich nicht anziehen!“
„Nein, ich will jetzt kein Bussi von dir!“

Nur wenn mein Kind lernt, Nein zu sagen und gleichzeitig das Nein anderer zu akzeptieren, lernt es, zu seinen eigenen Bedürfnissen und Grenzen zu stehen und auch die Bedürfnisse anderer zu respektieren. Diese Kinder, so Jesper Juul, „werden nicht mobben und werden niemals gemobbt. Sie stehlen nicht in Geschäften, auch wenn es Freunde tun. Sie diskutieren mit Erwachsenen offen über ihre Meinungsunterschiede.“

Ich bemühe mich daher, immer öfter klar Nein zu sagen, denn ich weiß, dadurch lernen es meine Kinder auch und werden so zu starken Persönlichkeiten, die wissen, was sie wollen und was nicht. Und letztens erzählte mir die Kindergärtnerin unseres Jüngsten, wie er zweimal vehement Nein sagte, als er gefragt wurde, ob er basteln will. Nun gut, er kann es schon, dass Neinsagen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Claudia Umschaden

    Als Mutter stehe ich – trotz meiner pädagogischen Ausbildung – immer wieder vor neuen Herausforderungen. Ich habe fünf Kinder im Alter von 14, 13, 8, 4 und 2 Jahren und jedes ist anders. Als Familientrainerin möchte ich meine Erfahrungen teilen und Wege aufzeigen, wie es möglich ist, mit noch mehr Freude Familie zu leben!


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