21. Oktober 2016

Die letzte Verantwortung: Erbschaft

Erbrecht - meinefamilie.at

Erbschaft kann zum Familienstreit führen. Ein Überblick, wie mit Vermögen und seiner Weitergabe verantwortungsvoll umgegangen wird und welche Rolle die Erbschaftsmediation spielen kann.

„Mein letzter Wille…“  Letzter? Nun, darüber kann angesichts der Tatsache, dass ein Testament als einseitige Willenserklärung jederzeit, zumindest solange die Testierfähigkeit gegeben ist, wieder geändert werden kann, diskutiert werden, aber es heißt nun einmal so. Im Rahmen dieser Verfügung soll also bestimmt werden, wer die Summe an Rechten und auch so manchen Pflichten des Erblassers bzw. der Erblasserin nach seinem/ihrem Ableben als Universalrechtsnachfolger weiterführt. Klingt komplizierter als es in Wirklichkeit ist, denn der handgeschriebene Satz „Ich, ….. (Name) setze Frau/Herrn XY als Erben ein “ versehen mit der Bezeichnung als Testament, Datum und Unterschrift reichen bereits aus, um die persönlichen Vermögensangelegenheiten nicht dem Gesetzgeber zu überlassen, sondern selber zu regeln.

Grundlagen des Erbrechts

Grundsätzlich ist das Erbrecht also recht einfach. Man vererbt den Nachlass entweder zur Gänze oder zu gewissen Teilen (also nicht einzelne Gegenstände, sondern vielmehr 100%, 33% oder welchen Prozentsatz auch immer) den im Testament angeführten Personen. Will man darüber hinaus auch noch einzelne Gegenstände oder Geldsummen diversen Personen zukommen lassen, so kann man dies im Rahmen eines Legates bzw. Vermächtnisses erledigen.

Sollten die sogenannten „Pflichtteilsberechtigten“ Personen also derzeit noch  die Nachkommen bzw. Ehegatte bzw. eingetragene Partner und Eltern (diese fallen jedoch mit 1.1.2017 aus dem Kreis der Pflichtteilsberechtigten Personen) nicht zumindest mit der Hälfte des gesetzlichen Erbteils bedacht werden, so steht ihnen noch die Ergänzung auf den Pflichtteil in Geld zu.

Eigentum verwalten

Soweit zum eher trockenen rechtlichen Input. Welcher Gedanke jedoch steht hinter der Möglichkeit, dem Tod zumindest in eigentumsrechtlicher Hinsicht ein Schnippchen zu schlagen? Schließlich sprechen wir aktuell von der „Erbengeneration“, die wie noch keine Generation zuvor auf dem Wege des Erbfalles an teilweise beträchtliches Vermögen kommt. Die Frage, was eigentlich Eigentum ist, steht hier im Raum. Einerseits wird in den heiligen Schriften vom Kamel gesprochen, welches schwer beladen nicht das Tor passieren kann, andererseits wiederum wird der schlaue Verwalter gepriesen, der sich mithilfe des Geldes Freunde macht.

Was ist Erbschaftsmediation?

Klar scheint, Vermögen bedeutet Verantwortung.

Dies wird beispielsweise dadurch deutlich, dass sich aufgrund von unklaren testamentarischen Verfügungen die Erben, welche zuvor noch als glückliche Familie vereint waren, plötzlich im Gerichtssaal überwerfen. Eine verantwortungsvolle Regelung des Vermögensüberganges kann hier viel Streit und Zank verhindern, indem der Testamentsersteller rechtzeitig die Bedürfnisse derjenigen, die er zu bedenken gedenkt, ins Kalkül zieht. Genau hier greift das Instrument der Erbschaftsmediation ein. Im Rahmen eines durch einen des Erbrechts kundigen Mediator mediierten Gespräches können die Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse des Erblassers ebenso wie auch der potentiellen Erben und Legatare in den letzten Willen eingearbeitet werden. Auch können Missverständnisse und Kränkungen angesprochen und ausgeräumt werden, welche ansonsten weit über den Todesfall hinaus im Raum stehen bleiben und so im Gesamtsystem zu Unruhestiftern werden können.

Vielfältige Anwendung der Erbschaftsmediation

Die Zahl der potentiellen Anwendungsfälle ist dabei vielfältig: Einmal kann im Vorfeld der Testamentserstellung über die zukünftige Aufteilung, die dahinterstehenden Erwartungen des Erblassers und die Bedürfnisse der Erben gesprochen werden, dann (so zeigt auch die Praxis) wird ein scheinbar „letzter“ Wille doch wieder verworfen und gemeinsam mit den Erben überarbeitet. Ist der Erbfall bereits eingetreten, so besteht die Möglichkeit, im Rahmen der Verlassenschaftsabhandlung einen Mediator einzuschalten, um einen Konsens unter den Erben zu finden. Besteht eine Erbschaft, welche beispielsweise unter 3 Personen (Ehegattin und 2 Kinder) aufzuteilen ist, primär aus einer einzigen Liegenschaft, so wäre der worst case einer strittigen Lösung eine Teilungsklage, um die Erbteile auszuzahlen. Im Rahmen einer Mediation kann freilich auch eine andere, maßgeschneiderte Lösung im Sinne aller Beteiligten gefunden werden.

Wichtig bleibt, dass der Mediator/die Mediatorin die Grundzüge des Erbrechts beherrscht, um eine Lösung zu finden, welche auch den Vorschriften des österreichischen Erbrechts entspricht. Nichts wäre kontraproduktiver, als eine gutgemeinte Lösung, welche dann an Formmängeln anfechtbar wird.

Vermögen ist Verantwortung

Sterben und Erben. Während ersteres bisher noch niemandem erspart bliebt, so bedeutet ein Vermögensstamm, welcher an die kommende Generation weitergegeben werden soll, eine nicht unbeträchtliche Verantwortung.

Oftmals ist der Erblasser der Ansicht, ohnehin in Kenntnis der Bedürfnisse der Erben zu handeln, ohne jedoch jemals mit ihnen darüber gesprochen zu haben.

Um hier grobe Missverständnisse zu verhindern und den Familienfrieden nicht zu gefährden, bietet die Erbschaftsmediation eine Plattform für Gespräche zwischen allen Beteiligten. Im Sinne einer generationsübergreifenden Verantwortung.

Siehe auch Ulrich Wanderers Buch „Mediation ist Do it Yourself“

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