28. Juni 2017

Die Enkel übernachten bei Oma und Opa

Enkel übernachten bei Oma und Opa - meinefamilie.at

Es ist für alle Beteiligten eine Aufregung, wenn die Enkel bei Oma und Opa übernachten. Da ist Verwöhnen erlaubt und Abendrituale sind wichtig.

Unsere beiden Jerusalemer Enkelkinder, die sechsjährige Mirell und der achtjährige Michael, können es kaum erwarten, wieder einmal bei Oma und Opa zu übernachten. Heute bietet sich die passende Gelegenheit dazu. Mirell hatte am Nachmittag ihren ersten öffentliche Auftritt mit einem Klavierstück von Leo Delibes „The bell song from Lakme“ im Musikkonservatorium Magnificat. Michael durfte sein ersten Debüt auf seiner Violine mit einem Menuett von Bach geben. Beide Enkel haben beim Publikum großen Erfolg geerntet. Als Belohnung dafür dürfen sie über Nacht bei Oma und Opa bleiben.

Natürlich gelten bei uns Großeltern die Regeln ein bisschen anders als zu Hause. Müssen die Kleinen am nächsten Morgen in die Schule, dann vereinbaren wir natürlich mit ihnen die gewohnten Schlafenszeit wie bei Mama und Papa. Schließlich müssen sie am nächsten Tag zur üblichen Zeit ausgeschlafen sein. Aber heute können sie etwas länger aufbleiben. Morgen ist ja schulfrei. Das Ganze beginnt mit einem gewissen Abendritual. Die Enkel erzählen uns von den aufregenden Dingen des Tages. Mirell berichtet Oma von ihrem großen Musikerfolg und zeigt ihr eine gläserne Brosche, die eine Balletttänzerin darstellt. Sie hat sie von ihrer Musiklehrerin als Geschenk für das gute Vorspiel erhalten. Michael ist ein großer Fußballfan. Heute auf dem Sportplatz hat er zwei Tore geschossen und damit seiner Mannschaft zum Sieg verholfen. Sein großes Idol ist Cristiano Ronaldo von Real Madrid. Voller Stolz zeigt er mir seinen Packen Bilder mit den Portraits der berühmten Fußballspieler Europas. „Siehst du, Opa”, erklärt er mir, „diese Fotos habe ich doppelt. Ich werde sie mit Lukas und Ali morgen tauschen. Wenn die Sammlung voll ist, klebe ich sie alle in ein großes Album.“

Oma schaltet den Fernseher an. Die Kinder möchten per Youtube junge Geigervirtuosen und Talente am Klavier bewundern. Ein Ansporn für die nächste Musikstunde.

Verwöhnen ist bei Oma und Opa erlaubt

Verwöhnen ist heute erlaubt! Papa Hanna und Mama Mirjam sind damit einverstanden und drücken ausnahmsweise gerne einmal ein Auge zu. Mit Oma an der Hand spazieren die beiden Enkel jetzt zum Bäcker um die Ecke und wählen ihre Lieblingspizza, eine orientalische Manaisch mit Thymian, Olivenöl und Käse darauf. Mit dem üblichen Kinderkakao ist die Pizza schnell verschnabuliert. Sobald die Abschiedstränen nach der Abwesenheit von Mama und Papa getrocknet sind, nimmt das Abendritual weiterhin seinen Lauf: Duschen, Zähneputzen und Schlafanzug-Anziehen.

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© Fleckenstein

Mirell ist noch voller Energie. Gelenkig wie ein Schlangenmädchen führt sie uns noch ihre Turnkünste vor, sodass wie nur noch ein erstauntes Wow hervorbringen.

Michael als zukünftiger Philosoph stellt mich vor eine kniffelige Frage: „Opa, stimmt es, dass Gott die Welt gebastelt hat?“-Das stimmt, Michael.“- Opa, hat die liebe Gott nicht alles gut gebastelt?“- „Auch da hast du recht, mein Großer!“

„Aber Opa, warum hat dann Gott den Teufel gebastelt?“

Mit so einer Frage hatte ich nicht gerechnet. Da bin ich zunächst einmal total baff. Nun versuche ich, meinem Enkel kindgerecht zu erklären, dass Gott den Menschen und auch die Engel gut gebastelt hat und dass sie sich frei für das Gute und auch für das Böse entscheiden konnten. „Weil Gott niemanden zur Liebe an ihn zwingen will. „Nun hat er den Engel Luzifer so schön und groß gebastelt, dass er stolz wurde und sein wollte wie Gott. Deshalb hat er sich in Freiheit gegen Gott und für das Böse entschieden.“ Michael hat mir stirnrunzelnd und konzentriert zugehört. „Verstehst du das?“ frage ich ihn. „Ja, Opa. Das habe ich kapiert. Die Freiheit ist ein großes Geschenk, aber auch ein großes Risiko Gottes an seine Geschöpfe.“ Jetzt bin ich wieder baff. Ich kann nur staunen, wie der kleine Mann mit seinen acht Jahren das „Mysterium Dei“, dieses Geheimnis Gottes, verstanden hat.

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Jeden Tag ein neues Abenteuer mit den Enkeln

Inzwischen wird es Zeit zum Schlafen. Als Nachthupferl singen wir mit unseren Enkeln auf Arabisch das Ave Maria und beten mit ihnen das Gebet zu m Heiligen Geist, wie es die heilige Mirjam Baouardy, das „Kleine Nichts von Betlehem“, formuliert hat: „Heiliger Geist erleuchte mich, Liebe Gottes verzehre mich, auf den rechten Weg führe mich. Maria, meine Mutter schau auf mich herab! Unter Deinem Mantel beschirme mich! Vor allem Bösen bewahre mich! Amen.“

Bevor wir das Licht ausschalten, segnen wir Mirell und Michael, auf dass sie wie der junge Jesus wachsen mögen: in Liebe, Freude, Dankbarkeit, Weisheit und Alter von Gott und den Menschen.

Der Tag geht seinem Ende entgegen. Morgen beginnt ein neues Abenteuer mit unseren Enkelkindern. So wird uns Großeltern auch im Alter das Leben nie eintönig werden.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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